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Josephina unter Sioux-Indianern

Als Statisten-Kind hat Josephina Mörschel aus Kolkwitz das Musical "Yakari" erlebt.
Als Statisten-Kind hat Josephina Mörschel aus Kolkwitz das Musical "Yakari" erlebt. FOTO: Annett Igel
Cottbus. Viele Familien haben am Mittwoch in der Stadthalle Cottbus erlebt, wie der Indianerjunge Yakari um sein Pony Kleiner Donner kämpft. Mitten unter den Musical-Darstellern war Josephina Mörschel. Gemeinsam mit der RUNDSCHAU hatte das Yakari-Team nach einem Statisten-Kind gesucht – und die Sechsjährige aus Kolkwitz gefunden. Annett Igel-Allzeit

Mit den Armen malt Josephina einen Kreis in die Luft, schwingt nach links, zurück nach rechts und blickt dabei immer wieder auf Sophia Schönert, Dance Captain der Musical-Truppe. Das Mädchen lernt schnell, und Sebastian Sohn, der gleich ins Bärenkostüm schlüpfen wird, lässt Josephina durch das Bühnenlicht wirbeln. Die langen Zöpfe ihrer schwarzen Perücke fliegen. "Sie darf ihr eigenes Indianerkostüm tragen - weil wir so ein kleines Kleid doch nicht im Fundus fanden. Die Perücke haben wir etwas zusammengesteckt", erzählt Anke Schiffl, die Maskenbildnerin. Muscheln, blaue Lederbänder und Ringe hat sie ins Perückenhaar geflochten, und viel Mack-up gebraucht, damit die kleine Kolkwitzerin eine Rothaut wird. "Während wir mit unserem Winter-Teint in der Hauttonskala etwa bei 2 liegen, brauchen meine Siouxindianer hier in der Regel die 8", erklärt Anke Schiffl und schaut etwas besorgt in den Spiegel: Dennis Schulze leidet unter den Toupet-Clips. Rund um den Kopf müssen sie ins kurze Haar, damit das Toupet-Band und die Yakari-Perücke halten. "Morgen will ich zum Friseur - aber allzu kurz darf ich das Haar nicht schneiden lassen, sonst wird es noch schmerzhafter mit den Clips", befürchtet er.

Cottbus ist nach Suhl, Magdeburg und Zwickau die vierte Station von insgesamt 27 Spielorten in der Frühjahrs-Tournee 2015. In der Liederhalle in Stuttgart war das Musical "Yakari - Freunde fürs Leben" vom Komponisten Thomas Schwab vor genau zwei Jahren uraufgeführt worden. Entwickelt hat er es nach den Comic-Geschichten von André Jobin und Claude de Ribaupierre. Nicht in jedem Spielort wird ein kleiner Statist gesucht. "So etwas ergibt sich da, wo wir mit den lokalen Medien zusammenarbeiten", erklärt Guido Illigen, der die Öffentlichkeitsarbeit und das Marketing der Live Entertainment GmbH Dreamcatcher fürs Yakari-Musical leitet. Mit zwei großen Lkw ziehen sie von Bühne zu Bühne. Ein guter Koch ist in den zwei Monaten bei ihnen.

Besonders aufgeregt ist diesmal auch Lisa Lehmann. Sie spielt das Indianermädchen Regenbogen, stammt aus Cottbus und hat ihre ersten Tanzschritte im Kinder- und Jugendensemble "Pfiffikus" gewagt. Im vergangenen Sommer schloss sie in Hamburg ihre Ausbildung zur Musical-Darstellerin erfolgreich ab. "Meine Großeltern kommen heute auch zur Vorstellung", sagt die 23-Jährige. Die kleine Josephina gefällt ihr, auch sie habe mal so klein angefangen.

Josephina geht noch in den Kindergarten, aber seit zweieinhalb Jahren tanzt sie schon in der Kindertanzakademie von Marika Berger mit. Die Zeichentrickserie "Yakari" kennt die Kleine aus dem Vorabendfernsehprogramm des Kinderkanals. "Und ich mag die Pferde so", sagt Josephina und seufzt. Ja, sie sei selbst auch schon geritten. Aber jetzt sind Rosa und Rosalie, die Ponys aus dem Nachbargarten, leider nicht mehr da. Das Statisten-Kind hat eine eigene Garderobe. Zum Geschichtenvorlesen aus mitgebrachten Yakari-Büchern kommen Mörschels kaum. Erst lernt Josephina die Musical-Truppe kennen und erfährt von ihren kleinen Aufgaben am Anfang des Musicals und im Finale, dann hat sie ihren Schminktermin bei Anke Schiffl. Zurück in der Garderobe steht sie plötzlich kerzengerade und lauscht. Aus dem Lautsprecher ertönt ein "La-la-la-la-la-la-la-la-la", dann alles auf No und Mu und Wü oder so. Josephine macht mit, lässt die Lippen vibrieren - bis sie sich vor Lachen schüttelt. Sie schaut aus der Tür. Im Nebenzimmer singt sich Dennis Schulze ein. Ohne Klavier? "Mein Piano habe ich im Handy - wenigstens den ersten Ton hole ich mir fürs Einsingen", verrät der 25-Jährige.

Die Zuschauerreihen in der Stadthalle füllen sich. Im Backstage-Bereich, wo die Darsteller ihre Kostüme komplettieren und mit Entspannungsübungen noch einmal durchatmen, wartet auch Josephina. Gleich wird sie das Bisonfell putzen und Dennis Gradtke stützen. Er spielt den uralten Schamanen Stiller Fels.