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| 19:49 Uhr

Jehseriger erinnern
Das gute alte Dorftheater

 Doris und Hubert Standke haben mit Ortsvorsteherin Petra Nowka beraten, was über das Dorftheater noch aufgespürt werden kann.
Doris und Hubert Standke haben mit Ortsvorsteherin Petra Nowka beraten, was über das Dorftheater noch aufgespürt werden kann. FOTO: Marion Hirche
Jehserig. Jehseriger Bürger schwelgen in schönen Erinnerungen und würdigen damit auch einen verstorbenen Theater-Chef. Von Marion Hirche

Das Jehseriger Dorftheater ist einst legendär gewesen. Gleich fünfmal wurde die Truppe mit dem Titel „Hervorragendes Volkskunstkollektiv der DDR“ ausgezeichnet., auch den Carl-Blechen-Preis gab es. Jetzt haben sich die Bewohner des Drebkauer Ortsteiles an diese Verdienste  längst vergangener Tage erinnert.

Der Gründer und Organisationschef des Jehseriger Dorftheaters ist Ende März im Alter von 92 Jahren in einem Pflegeheim verstorben. „Unsere Theatergruppe ist nach der Wende zerfallen. Es fehlten Vorstellungs- und Probenräume. Junge Leute sind weggegangen, jeder hatte anderes im Kopf“, erzählt Ortsvorsteherin Petra Nowka. Sie hat aber die zahlreichen Werbetafeln der renommierten Freizeitbühne bewahrt: „Ich habe sie in unserem alten Bauwagen gefunden, sie waren schon mit Stockflecken überzogen.“ Als jetzt Gerhard Schmiedel verstorben ist, wurde bei einem Arbeitseinsatz im Dorf die Idee geboren, ein Ehemaligentreffen zu organisieren.

Das Jehseriger  Dorftheater wurde  am 9. Dezember 1962 gegründet.  Der junge Lehrer Gerhard Schmiedel bekam den Auftrag, für Kultur im Ort zu sorgen. Er nahm diese Aufgabe sehr ernst, organisierte mit Hans-Dieter Neumann eine Schauspielerlegende der Lausitz als ersten künstlerischen Leiter. Auf Neumann folgte Hans-Peter Jantzen vom Cottbuser Stadttheater, danach sein  Kollege Wolfgang Kaul, und der vierte im Bunde war der schon verstorbene Martin Richter.

„Ich wurde von  Johanna Schmiedel beim Sport angesprochen, ob ich nicht Lust hätte, Theater zu spielen. Ich hatte, und so sind wir mit meinem Mann ab sofort zu den Montagsproben gegangen. 1971 bin ich erstmals eingesprungen, und 1972  habe ich dann schon das Dornröschen gespielt“, berichtet Doris Standke aus Jehserig.  Ihr Mann Hubert hat dann die Kontakte zu den Werkstätten des Cottbuser Theaters gepflegt. Kulissen und Kostüme kamen meist von der größten Lausitzer Bühne. „Wir haben aber auch  vieles wieder zurück gegeben, denn jedes Brett wurde zu DDR-Zeiten ja  als wertvolles Gut behandelt“, so der heute 68-Jjährige.

Er war natürlich dabei, als das Treffen der Ehemaligen Anfang Mai im Jehseriger Gutshaus stattfand. „Das hatte etwas von einem Klassentreffen. Andauernd war die Frage zu hören, kennst du mich noch?“, berichtet Hubert Standke.

Natürlich wurde geredet über die Rollen von Gerhard Schmiedel, der mal Hexengehilfe, mal Koch und auch Schmuckfabrikant war.  Doris Standke erinnerte sich an ihre Prinzessin-Besetzungen. Und Hubert Standke war mal Schweinehirt, mal Zauberer. „Wir haben Lustspiele, Schwänke und dann auch Weihnachtsmärchen gespielt. Manche Stücke wurden von dem Cottbuser Autor Franz Freitag geschrieben. Bis 1987 standen 257 Vorstellungen mit fast 40 000 Zuschauern in unserer Statistik“,  berichtet das frühere Theatermitglied.

Heute gibt es in Jehserig wieder etwas Theater ähnliches. Eine Gruppe gestaltet zum Dorffest jedes Jahr Programme, immer unter einem Thema. In diesem Jahr: „Im Feuerwehrgerätehaus brennt noch Licht“.