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Jedes Auto, das er nach Polen fährt, bringt 250 Euro

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Cottbus. Zu zwei Jahren und zehn Monaten Haft ist am Cottbuser Amtsgericht ein 24-jähriger Pole verurteilt wurden. Als ihn die Polizei vor einem Jahr stellte, stand er unter Drogen. Betäubungsmittel sollen gegen Schmerzen auf der Flucht helfen. Nicht stellen wollte sich vermutlich auch der Autodieb, der am Dienstagmorgen am Autobahnanschluss Cottbus Süd von der Brücke sprang. Annett Igel-Allzeit

Sie haben ihn als Fahrer angeheuert. 1000 Zloty (rund 250 Euro) sollte es ihm einbringen, wenn er ein in Deutschland gestohlenes Auto nach Polen bringt. In den 13 Fällen, die ihm die Staatsanwaltschaft Cottbus zur Last legt, hat er das neunmal in 16 Wochen geschafft. Als er am 2. April 2014 in Peitz den Audi eines Vattenfall-Mitarbeiters nach Polen fahren wollte, stoppte ihn die Polizei auf der Autobahn zwischen Forst und Bademeusel.

Der 24-Jährige wirkt schmal und jünger. Nach Haftzeiten in Hannover und Rosdorf sitzt der junge Lubiner Waldemar K. seit einem halben Jahr in der Justizvollzugsanstalt Cottbus. Als er im Januar 2014 in einem beschleunigten Verfahren am Cottbuser Amtsgericht zu einer Geldstrafe von 1260 Euro verurteilt wurde, konnte er nur in einem Fall und wegen Hehlerei belangt werden. Weil er aber nach dem Urteil weiter gestohlene Autos überführte, die Polizei ihn observierte, sein Handy ortete und er in Geschwindigkeitskontrollen geriet, wurde er als Mitglied einer Bande überführt und nun wegen Bandendiebstahls angeklagt. Fünf weitere Mitglieder der Bande seien den Strafverfolgungsbehörden inzwischen bekannt.

Waldemar K. ist geständig: Am 16. Dezember 2013 bringt er einen VW Touran im Wert von 15 000 Euro von Schulzendorf nach Polen. Auch mit einem Audi aus Hosena und einem VW Touran aus Großräschen klappt es. In Calau können zwei Autos nicht gestartet werden. Am 13. und 14. Januar ist die Bande in Döbern und Massow wieder erfolgreicher. Nach der Untersuchungshaft und einer Geldstrafe von 1260 Euro durch einen VW in Vetschau macht er weiter, wird in Senftenberg von einer Zeugin gestört, fühlt sich in einem Wagen aus Pirna von der Polizei verfolgt, fährt aber noch mindestens zwei Volkswagen nach Polen.

Waldemar K. bestätigt alles. Aber zur Bande, zum Werkzeug und Verbleib der Autos erzählt er nichts. Er fürchte Ärger bei einer Rückkehr nach Polen.

Die erneute Untersuchungshaft ab April 2014 wird von sechs Monaten Ersatzfreiheitsstrafe unterbrochen, weil er die 1260 Euro Geldstrafe nicht zahlen kann. Und ein unbeschriebenes Blatt ist der Kfz-Mechaniker auch zuvor nicht gewesen. Als 17-Jähriger war er in Lubin wegen Sachbeschädigungen zu gemeinnütziger Arbeit verurteilt worden. Beleidigung, Widerstand gegen Amtspersonen, Körperverletzung und Fahren ohne Fahrerlaubnis kamen dazu.

Die Staatsanwaltschaft plädiert für eine Freiheitsstrafe von drei Jahren - weil er nach der Verurteilung wegen Hehlerei weitermachte. Der Verteidiger hofft auf nur zweieinhalb Jahre Haft, weil sein Mandant geständig ist. Das Urteil des Amtsgerichts bleibt bei zwei Jahren und zehn Monaten. Marion Rauch, die Richterin, macht nachdenklich, dass der Angeklagte bei der Festnahme heftig unter Drogen stand: "Das haben wir in mehreren Fällen. Vermutlich soll das verhindern, dass sie sich stellen. Sie müssen schnell fliehen. Dabei bauen sie schwere Unfälle, sind als Geisterfahrer unterwegs, ziehen Unbeteiligte mit hinein. Ist es das wert?"

Oder sie springen wie in der Nacht zum Dienstag ein 33-Jähriger sechs Meter in die Tiefe. Laut Bundespolizei wollte dieser Mann einen VW Touran nach Polen bringen, stoppt angesichts der Streife einen Kilometer vorm Anschluss Cottbus Süd abrupt, und springt die Autobahnbrücke hinunter. Bewusstlos und mit offenem Bruch am Fuß finden ihn die Polizisten.