Von Andrea Hilscher

Eveline Matrmawi (64) ist ein wenig aufgeregt. Die Cottbuserin soll ins Fernsehen, ins japanische noch dazu. Zusammen mit ihrer Tochter hat sich sich für eine Blind-Verkostung von Baumkuchen im Café Lauterbach angemeldet. „Wir haben den Aufruf dazu auf Facebook gesehen“, erzählt die Rentnerin. Und da sie gerne Baumkuchen isst, war sie sofort dabei.

„Ein Filmteam aus Japan hatte sich bei uns gemeldet“, erzählt Carsten Hajek, Inhaber des Cafés und der dazugehörigen Baumkuchen-Manufaktur. Japaner seien ganz verrückt nach dem erlesenen Backwerk. Neben importierter Ware gibt es längst auch Konditoreien im Land der Mitte, die Baumkuchen selbst herstellen. Doch können diese asiatischen Kopien mit den deutschen Originalen mithalten?

Japaner reisen zum Test nach Cottbus

Genau das wollte das Filmteam aus Tokio jetzt herausfinden, eben mit einer Blindverkostung. Den Aufruf dazu hatte Hajeks Marketing-Beauftragte Marleen Hanson ins Netz gestellt, er wurde innerhalb weniger Stunden 6000 mal geteilt. „Unser Haus hat schon länger Verbindungen nach Japan, eben weil der Baumkuchen dort so beliebt ist“, erzählt Hanson. Bei Hochzeiten werde dort traditionell das runde Gebäck angeboten: Der Kreis symbolisiert dabei den Bund der Ehe.

Natürlich waren die Cottbuser deshalb begeistert von der Idee, in einer Verkostung beide Länder gegeneinander antreten zu lassen. Wer würde dabei die Nase vorn haben? Deutschland oder Japan?

Aroma mit Vanillenote

Sarah-Maria Matrmawi (32) ist die erste Testesserin im Lauterbach. Die Ex-Cottbuserin liebt Baumkuchen, hat bei einem Auslandsaufenthalt auch schon japanische Produkte gekostet und ist nun gespannt. Die erste Probe schmeckt ihr gut, die zweite gefällt ihr allerdings besser. „Sie hat mehr Aroma und eine leichte Vanillenote“, sagt sie. Sie entscheidet sich für Probe zwei.

Dolmetscherin Christine Emde, selbst in Japan aufgewachsen, verrät: „Sie haben sich für das japanische Produkt entschieden.“ Sarah-Maria Matrmawi ist verblüfft. „Ich kaufe so oft Baumkuchen im Lauterbach, ich war überzeugt, den hiesigen Teig herauszuschmecken.“

Die Entscheidung fällt schwer

Als nächstes setzt sich Eveline Matrmawi zu Tisch. Sie kostet beide Proben, nimmt einen Schluck Wasser, zuckt dann hilflos die Achseln. „Beide schmecken sehr gut, ich kann mich nicht entscheiden.“ Sie braucht noch eine zweite Testrunde um dann ganz sicher zu sein: „Der zweite Kuchen war saftiger, die Konsistenz hat mir gut gefallen.“ Wieder gewinnt Japan.

Etwas läuft schief

Marketing-Frau Marleen Hanson wird nervös. Irgendwas läuft hier schief. „Man muss bedenken, dass wir nur beste Zutaten verwenden, keinerlei Weichmacher, Konservierungsstoffe und Geschmacksverstärker.“ Außerdem, so überlegt sie weiter, habe der japanische Testkuchen eine Zuckerlasur, der Cottbuser werde pur angeboten. „Das verfälscht das Ergebnis.“

Sie spricht mit den Fernsehleuten aus Tokio, will die Versuchsanordnung ändern. Dabei sind die Japaner entspannt, was den Ergebnis des Länderduells angeht. „In der Sendung werden ganz unterschiedliche Produkte aus aller Welt mit japanischen Erzeugnissen verglichen“, sagt Dolmetscherin Christine Emde. „Das japanische Publikum freut sich natürlich, wenn die heimischen Produkte mal die Nase vorn haben, aber eigentlich geht es mehr um den Spaß dabei.“

Das Ergebnis ist überraschend

Lauterbach-Chef Carsten Hajek kann am Ende des Tages verkünden: „Das Ergebnis ist unentschieden.“ Die ersten zwei Testdurchläufe wurden für ungültig erklärt, die japanische Konkurrenz hatte sich mit Zuckerguss einen Wettbewerbsvorteil verschafft. „Es war ein tolles Erlebnis“, sagt Hajek.