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| 17:42 Uhr

Polizei ermittelt nach Sachbeschädigung an Cottbuser Denkmal
Japanischer Pavillon beschmiert

 Gottfried Lindner ärgert sich über die Schmierereien am Pavillon.
Gottfried Lindner ärgert sich über die Schmierereien am Pavillon. FOTO: LR / René Wappler
Cottbus. Mitglieder des Cottbuser Altstadtvereins setzen sich für Videoüberwachung ein.

Die frische Farbe hielt fünf Tage.

Eine Gruppe junger Männer sitzt am Dienstag unter dem Dach des Pavillons am Puschkinpark. Vor dem Sockel steht Gottfried Lindner vom Bürgerverein Cottbus-Mitte. Er betrachtet die Schriftzüge, „Cobra“, „FCE“, „ACAB“, und er spricht von einer Katastrophe. „Da wird einem doch schlecht, wenn man das sieht“, sagt er. „Die ganze Arbeit war umsonst.“

Ein Nachbar rief am Montag die Polizei. Holger Kretzschmar hatte in der vergangenen Woche nach eigenem Bekunden noch dabei geholfen, den Sockel zu streichen. Beim Modellstadtrundgang am Donnerstag äußerte er die Hoffnung, dass der japanische Pavillon möglichst lange von Vandalismus verschont bleibt. Sein Wunsch überstand jedoch nicht einmal das Pfingstwochenende.

Holger Kretzschmar wollte am Montagmorgen nach eigenem Bekunden nur kurz nachschauen, ob das Denkmalschild und die Informationstafel neben dem Pavillon noch an ihrem Platz sind. Dabei entdeckte er die Schmierereien, die vermutlich in der Nacht zuvor entstanden waren. Er äußert sich ebenso schockiert wie Gottfried Lindner. „Wir haben einen wahnsinnigen Aufwand in den Pavillon gesteckt“, berichtet Holger Kretzschmar. „An der Sanierung haben sich zehn bis zwölf Leute beteiligt, und jetzt können wir wegen der hässlichen Graffiti wieder von vorn anfangen.“

Polizei ermittelt

Die Kriminalpolizei ermittelt in diesem Fall wegen Sachbeschädigung. Das bestätigt Torsten Wendt von der Pressestelle. Auch ein Teil der Stadtmauer sei in der Nacht zum Montag beschmiert worden. Bisher gibt es nach Angaben des Pressesprechers der Polizei noch keine Hinweise auf Tatverdächtige.

Bereits im Jahr 1905 hatte der Verschönerungsverein der Stadt den Bau des Teehäuschens angeregt, wie aus der Informationstafel am Puschkinpark hervorgeht. Kultur und Baukunst aus Fernost hätten damals im Trend gelegen. Eine Renovierung im Jahr 1920 trug dazu bei, die Schäden des Ersten Weltkrieges zu tilgen. Aufgrund seines historischen Werts steht das Bauwerk unter Denkmalschutz.

Holger Kretzschmar betrachtet die Schmierereien am Teehäuschen als Symptom eines tiefgreifenden Problems. „Schon seit Jahren beklagen Anwohner der Cottbuser Innenstadt die hohe Lärmbelästigung durch Jugendliche und Randalierer nachts und die Tendenz zu Vandalismus, Gewalt sowie Kriminalität“, erläutert er. „Schwerpunkte sind dabei nach wie vor der Stadthallenvorplatz, die Zentralhaltestelle und das Gebiet um das Teehäuschen.“ Er äußert sich fassungslos darüber, „wie kriminelle Jugendliche das Werk anderer Menschen zerstören, auch die Geschichte der Stadt Cottbus“.

Auch Torsten Wendt von der Pressestelle der Polizei sagt: „Es ist schade, dass in der Innenstadt immer wieder solche Sachen passieren.“ Bei dem japanischen Pavillon handele es sich darüber hinaus um ein wertvolles Cottbuser Kleinod.

Idee für Stadtrundgänge

Wegen der Bedeutung des Pavillons hatten die Mitglieder des Altstadtvereins in der vergangenen Woche angeregt, künftig könnten doch die Stadtrundgänge an diesem Bauwerk beginnen. Doch aufgrund der Schmierereien werden sie von ihrem Vorschlag wohl erst einmal Abstand nehmen. So sagt Gottfried Lindner: „Wir schämen uns einfach nur, wenn Touristen jetzt sehen, wie der Pavillon erneut beschädigt wurde.“ Er zeigt sich ratlos. So gibt er zu bedenken: Falls sich der Verein dazu durchringe, das Bauwerk ein weiteres Mal frisch zu streichen, sei es ja nur eine Frage der Zeit, bis es wieder jemand beschädige. „Allein in den vergangenen Jahren ist genau das vier bis fünf Mal passiert“, sagt Gottfried Lindner.

Nun setzt er sich gemeinsam mit Holger Kretzschmar dafür ein, das Gelände am Puschkinpark per Video zu überwachen. Sie hoffen, dass damit zumindest die Hemmschwelle für Randalierer wächst. Holger Kretzschmar gibt zu bedenken: „Ebenso ist die Lärmbelästigung in den Bereich – vor allem an der Zentralhaltestelle – mehrmals in der Woche unerträglich. Zwischen ein Uhr und vier Uhr morgens werde dort lautstark Musik gespielt, „dass die Wände wackeln“. In letzter Zeit habe der Lärm wieder zugenommen, so dass die Anwohner kaum schlafen können. Deshalb könne eine Videokamera „sinnvoll und abschreckend“ wirken, hofft Holger Kretzschmar.