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| 12:40 Uhr

Cottbus
Jannine Koch drückt die Pausentaste

Die Künstlerin Jannine Koch wurde 1981 in Cottbus geboren. Mit der Ausstellung „Ernte“ in der Galerie Haus 23 kehrt sie erstmals in ihre Heimatstadt zurück. Sie zeigt Malereien und Druckgrafiken der vergangenen vier Jahre.
Die Künstlerin Jannine Koch wurde 1981 in Cottbus geboren. Mit der Ausstellung „Ernte“ in der Galerie Haus 23 kehrt sie erstmals in ihre Heimatstadt zurück. Sie zeigt Malereien und Druckgrafiken der vergangenen vier Jahre. FOTO: Peggy Kompalla
Cottbus. Die Künstlerin kehrt mit einer Ausstellung in der Galerie Haus 23 in ihre Heimatstadt zurück. Von Peggy Kompalla

Im Informationszeitalter leben die Menschen in einem immerwährenden Bilderstrom. Doch sehen sie deshalb besser? Verstehen sie die Welt? Wie wenig übrig bleibt und welche ungesehenen Welten sich eröffnen, wenn dieser Strom zum Stillstand kommt, zeigt Jannine Koch. Sie wurde 1981 in Cottbus geboren und ist in der Stadt aufgewachsen. Nun kehrt sie als Künstlerin erstmals in ihre Heimat zurück. In der Galerie Haus 23 ist ab Freitag eine Auswahl ihrer Arbeiten der vergangenen vier Jahre zu sehen.

Rec – die technische Abkürzung für Record – taucht auf ihren Gemälden als Leitmotiv auf. Der rote Aufnahmepunkt leuchtet, die Pausentaste ist gedrückt. Die Bilder überlagern sich, sind teils verpixelt. „Anonymous Killing – Anonymes Töten“ hält den Wahnsinn des Drohnenkrieges fest. Ferngesteuerte Bomben zielen zwischen Wolkenfetzen auf nicht näher definierte Strukturen und treffen doch Menschen. Auch die Bilder der Kölner Silvesternacht kommen bei Jannine Koch zum Halt, dabei springen sie auf der Leinwand aus dem Format. „Es gibt so viele Bilder. Die Szenen wurden medial ausgeschlachtet. Trotzdem ist alles verschwommen, die Realität bleibt verborgen“, sagt die Künstlerin. Die Aufnahmen aus dieser Nacht gaukeln eine Wahrheit vor, die sie nicht zeigen. Das wird im Innehalten klar.

Und weil die Welt durch Nahaufnahmen nicht mehr zu fassen ist, immer wieder der Blick von oben. In „Sono tutti fratelli – Wir sind alle Brüder“ greift die bildende Künstlerin den Drohnenblick erneut auf. Die Leinwand zeigt eine Luftaufnahme über einer namenlosen Stadt, zu einem namenlosen Schlachtfeld geraten. Dazwischen die Symbole des Roten Kreuzes und des Roten Halbmondes. Werden sie wirklich Schutz bieten? Wer kämpft da eigentlich gegen wen? Die Fragen muss der Betrachter selbst beantworten.

Der Blick von oben übt eine Faszination auf Jannine Koch aus. Ihren Druckgrafiken liegen Landkarten oder Gebäudegrundrisse zugrunde. „Was bleibt übrig, wenn man von einer Karte alle Informationen wegnimmt?“, fragt die Künstlerin. Antwort geben ihre Radierungen. Die Strukturen entwickeln ein Eigenleben und verraten sich selbst. Die Berliner Stasi-Zentrale in der Normannenstraße sendet ihr schwarzes Gift in „Der Polyp“ in die Nachbarschaft. Und selbst aus dem Grundriss des Petersdoms in Rom spricht in „Der große Sieg“ die Macht dieses Ortes.

Dagegen regelrecht verspielt und leicht sind die zwei Arbeiten, die die Künstlerin extra für die Ausstellung in Cottbus gefertigt hat. Die Titel sind vielsagend: „Iuventa – Jugend“ und „Alte Heimat“. Ganz verdutzt sagt sie: „Mich haben die Emotionen tatsächlich übermannt, wieder in der alten Heimat zu sein. Das ist ziemlich mächtig.“ Nicht ohne Grund. War es doch ein Schulausflug in die damaligen Brandenburgischen Kunstsammlungen in der Spremberger Straße, der zum Erweckungserlebnis für die Künstlerin Jannine Koch wurde. Dort fertigte sie ihre erste Radierung. „Das hat mich zutiefst beeindruckt.“