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Hauptrolle für Ex-Cottbuser
Ex-Cottbuser Jan Hasenfuß spielt Hauptfigur in Arte-Mehrteiler

Jan Hasenfuß bei Arte
Jan Hasenfuß bei Arte FOTO: Arte
Cottbus. Jan Hasenfuß, nach seinem Engagement am Staatstheater Cottbus freischaffender Schauspieler, steht zurzeit in Lettland für die internationale Fernsehproduktion „The Age of iron“ vor der Kamera

Als der junge Schauspieler Jan Hasenfuß im Jahr 2007 ans Staatstheater Cottbus kam, avancierte er rasch zum Zuschauerliebling. Er spielte den Craig in „Ladies Night“, Cliff Bradshaw in „Cabaret“, Ottokar in „Die Familie Schroffenstein“ oder Orest in „Iphigenie auf Tauris“. Jetzt steht der 37-Jährige in Lettland vor der Kamera. Als Hauptdarsteller einer großen internationalen Serienproduktion. Der Sechsteiler „The Age of iron – Die eiserne Zeit“ wird von Leipziger Firma Looksfilm in Ko-Produktion mit ARTE, ZDFinfo, Phönix und SVT (Schweden) produziert. Die Erstausstrahlung ist für Sommer 2018 bei ARTE und ZDFinfo geplant. Anlass ist der 400. Jahrestag des Kriegsbeginns, der am 23. Mai 1618 vom Prager Fenstersturz ausgelöst wurde.

Hasenfuß, der seit vier Jahren als freischaffender Schauspieler in Leipzig lebt und kürzlich mit der Sat1-Serie „Knallerkerle“ für den deutschen Comedypreis nominiert wurde, schwärmt am RUNDSCHAU-Telefon von der Aufgabe. „Ich spiele die Hauptrolle des Peter Hagendorf. Er war Söldner im 30-jährigen Krieg, hat die 30 Jahre durchgekämpft, ist 25 Kilometer gelaufen, hat acht Kinder und zwei Frauen verloren und seine Sicht auf die Ereignisse im Tagebuch festgehalten.“ Dieses Tagebuch ist in den 1980er-Jahren in der Berliner Staatsbibliothek entdeckt worden. Ein Sensationsfund und das einzige von einem einfachen Menschen erhaltene Dokument aus dieser Zeit.

Was die Rolle für den Schauspieler bedeutet? Jan Hasenfuß: „Es ist eine großartige Möglichkeit mich auszutoben, da ich Peter Hagendorf im Alter von etwa 20 bis 50 Jahren spiele. Hier darf ich durch die ganze Palette der Gefühle gehen: Kindsgeburt, Kindstod, eigene Verwundung, Tod der Frau...“

Regie führt der französische Regisseur Philippe Béranger. Gedreht wird in Lettland – am Meer, in den Bergen um Sigulla und in Riga, vor einer großartigen Landschaft mit Wäldern und alten Schlössern. Erster Drehtag war der 24. Oktober. Die letzte Klappe fällt voraussichtlich am 12. November. Der Ex-Cottbuser genießt die Zusammenarbeit mit deutschen, französischen und belgischen Kollegen. „Ich habe am Set 150 Menschen um mich herum. Das ist ein tolles Gefühl“, sagt Hasenfuß.

Doch nicht alles ist wirklich angenehm. Zwar hat der Schauspieler während seines Studiums an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam den Schwertkampf erlernt, was ihm jetzt von großem Nutzen ist. Auf andere Herausforderungen aber kann sich keiner vorbereiten. So wie die Bauchschussszene, die in Magdeburg spielt und den Söldner ins Feldlazarett führt. „Bei drei Grad mit aufgerissenem Hemd und ordentlich kaltem Kunstblut“, erinnert sich Jan Hasenfuß.

Zum Filmtitel heißt es in einer Mitteilung der Produktionsfirma: Eiserne Zeit – so nannten Überlebende den Dreißigjährigen Krieg, eine der gewaltsamsten und entbehrungsreichsten Epochen der europäischen Geschichte, die die damalige Weltordnung auf den Kopf stellte. Kriegshandlungen, Hungersnöte und Seuchen verwüsteten ganze Landstriche. In Teilen Süddeutschlands überlebte nur ein Drittel der Bevölkerung. „Am Ende dieses Krieges haben unsere Vorfahren vor 400 Jahren den Grundstein für Europa gelegt“, sagt Gunnar Dedio, Produzent von Looksfilm. „Ich möchte mit der Serie eine Möglichkeit schaffen, diese Zeit zu erleben, als wären wir dabei – historisch präzise bis ins Detail.“

Der Film stellt neben dem Söldner Peter Hagendorf weitere einfache Menschen, die den Dreißigjährigen Krieg durchlebt haben, in den Mittelpunkt: den Soldaten Heinrich von Holk und die der Hexerei beschuldigte Gastwirtin Barbara Xeller. Zudem werden prominente Persönlichkeiten dargestellt wie Elisabeth Stuart, der Maler Peter Paul Rubens und Anna Margareta Wrangel, Ehefrau des berühmten Feldherrn und Staatsmannes Graf Carl Gustav Wrangel. Die Protagonisten kommen aus Deutschland, Schweden, Großbritannien, Frankreich und Belgien. „Die Serie wählt bewusst eine multinationale Perspektive auf die Ereignisse und Umwälzungen dieser drei Jahrzehnte“, teilt Looksfilm mit.

Wer Jan Hasenfuß schon früher auf dem Bildschirm sehen möchte: Am 17. November startet die zweite Staffel „Knallerkerle“ auf Sat.1.