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| 15:24 Uhr

Strukturwandel
IWH-Chef würde Lausitz ignorieren

 Reint E. Gropp, Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH).
Reint E. Gropp, Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). FOTO: dpa / Hendrik Schmidt
Cottus/Görlitz. Wirtschaftswissenschaftler Prof. Gropp hält Subventionen in Firmen und Infrastruktur für falsch. Von Jan Siegel und Susann Michalk

Der Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) Professor Rent E. Gropp hält finanzielle Unterstützung für Unternehmensansiedlungen in schrumpfenden Regionen wie der Lausitz grundsätzlich für falsch. Bei Investitionen in die Infrastruktur in solchen strukturschwachen Gebieten bestehe die Gefahr von „weißen Elefanten“, also Infrastruktur, die niemand nutze, sagt der Wissenschaftler im Gespräch mit der RUNDSCHAU

Bei Subventionen entscheidet die Branche

 Marcus Tolle, Hauptgeschäftsführer der IHK-Cottbus
Marcus Tolle, Hauptgeschäftsführer der IHK-Cottbus FOTO: IHK / ihk

Der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Cottbus Marcus Tolle widerspricht: „Auch Subventionen für einzelne Firmen können sich durchaus lohnen“, sagt Tolle. Man brauche nur auf die neuen Papierfabriken in Brandenburg zu schauen, die mit langen Produktionszyklen von 40 bis 50 Jahren in die Region ausstrahlen. „Auch einen gewachsenen Chemiestandort wie die BASF in Schwarzheide, könne Sie nicht einfach wegtragen“, so Tolle.

Herausforderungen in einer globalisierten Welt

 Knut Deutscher, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Cottbus
Knut Deutscher, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Cottbus FOTO: Till Budde

„In einer globalisierten Welt sind wirtschaftliche Ansiedlungen unabdingbar“, sagt Knut Deutscher, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Cottbus. Ob das Subventionen, Steuererleichterungen oder Sonderwirtschaftszonen heiße, sei semantisch. „Die generelle Ablehnung von Anreizen ist für das Handwerk jedoch nicht nachvollziehbar“, erklärt Deutscher. „Insgesamt erwarten unsere Unternehmen in der kommenden Zeit Erleichterungen bei Steuern und Abgaben und der Minimierung des bürokratischen Aufwandes.“

In einem Interview für das Magazin „Wirtschaftswoche“ hatte Gropp vorige Woche gesagt: „Die Politik kann nicht verhindern, dass es in Ostdeutschland immer mehr Dörfer gibt, in denen fast nur Rentner leben. Einige ländliche Regionen werden wegen der Demografie und ausbleibender Migration sterben.“