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| 02:43 Uhr

Ist Versöhnung möglich? Opfer von Gewalt diskutieren

Michael Lapsley hat durch ein Briefbombenattentat beide Hände und ein Auge verloren. Am Freitag diskutiert er im Cottbuser Menschenrechtszentrum über die Frage: "Ist Versöhnung möglich?"
Michael Lapsley hat durch ein Briefbombenattentat beide Hände und ein Auge verloren. Am Freitag diskutiert er im Cottbuser Menschenrechtszentrum über die Frage: "Ist Versöhnung möglich?" FOTO: pr
Cottbus. Gibt es einen Weg zur Versöhnung? Um diese Frage geht es am 13. November bei einer Diskussionsrunde im Cottbuser Menschenrechtszentrum (MRZ). Gast auf dem Podium wird unter anderen der Priester Michael Lapsley aus Südafrika sein. Er wurde bei einem Attentat schwer verletzt. Nicole Nocon

Father Michael Lapsley ist selbst Opfer von Gewalt geworden. Seine Wunden sind bis heute für alle sichtbar. Der gebürtige Neuseeländer hat als anglikanische Priester in Südafrika gegen das Apartheid-System gekämpft. Durch ein Briefbomben-Attentat auf sein Leben hat er 1990 beide Hände und ein Auge verloren. Verzweifelt ist Father Lapsley daran nicht. Vielmehr nutzt er seine eigenen Erfahrungen, um anderen Traumatisierten zu helfen. In Kapstadt hat er das "Institut für Heilende Erinnerung" gegründet, in dem Gewaltopfer aus der ganzen Welt betreut werden. Die Frage, ob und wie Vergebung und Versöhnung möglich sind - um die sich auch die Diskussionsrunde im MRZ am Freitag dreht - ist ein zentrales Thema seiner Arbeit.

Nach Lapsleys Überzeugung braucht es für Versöhnung mehr als die Bitte nach Vergebung vonseiten des Täters. Seine Sicht beschreibt er in einem Gleichnis, dass er "Fahrrad-Theologie" nennt: "Ich stehle dein Fahrrad. Sechs Monate später komme ich zu dir und gebe es zu: ,Ja, das tut mir sehr leid, dass ich dein Fahrrad gestohlen habe. Bitte vergib mir.' Und dann behalte ich das Fahrrad! Das Vergeben und das Heilen von Beziehungen erfordern die Rückgabe dessen, was gestohlen wurde", sagt Lapsley.

Bei der Diskussionrunde im MRZ wird Father Michael Lapsley auf Gesprächspartner treffen, für die das Thema "Versöhnung und Vergebung" auch persönlich eine wichtige Rolle spielt: Dieter Dombrowski, der Vorsitzende des Menschenrechtszentrums, war zu DDR-Zeiten Häftling im Cottbuser Gefängnis. Dr. Karl-Heinz Bomberg ist Arzt für Psychotherapie und Psychoanalyse und Autor des Buches "Verborgene Wunden, Spätfolgen politischer Traumatisierung in der DDR und ihre transgenerationale Weitergabe. Auch er wurde in der DDR inhaftiert. Mit dabei sein wird auch Katrin Behr, die Vorsitzende des Vereins OvZ-DDR, der Opfern von DDR-Zwangsadoptionen hilft. Die Moderation übernimmt Pfarrer Christoph Polster.

Sylvia Wähling, Leiterin des MRZ, hofft, dass neben vielen Cottbusern auch ehemalige Gefängnisbeschäftigte zu der Veranstaltung kommen. "Ich erwarte nicht, dass sie sich outen. Aber sie sind eingeladen. Wir strecken unsere Hand aus und freuen uns, wenn sie ergriffen wird."

Die Veranstaltung im Menschenrechtszentrum, Bautzener Straße 140, beginnt am Freitag, 13. November, um 19 Uhr. Zu Beginn wird ein kurzer Film über das Leben Michael Lapsleys zu sehen sein. Die Podiumsdiskussion startet gegen 20 Uhr.

Im Verlag Barbara Budrich ist kürzlich Michael Lapsleys Buch "Mit den Narben der Apartheid: Vom Kampf für die Freiheit zum Heilen traumatischer Erinnerungen" erschienen. Es ist zum Preis von 19,90 Euro erhältlich.