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| 15:47 Uhr

Cottbus
„Qualität hat nun mal ihren Preis“

Ist Verreisen mit kleinem Budget möglich? Die RUNDSCHAU hat auf der Reisemesse nachgefragt. Von Stephan Meyer

„Im Osten sind die Löhne nicht gerade die höchsten“, weiß Heinz Roeske. „Doch die Leute wollen trotzdem Urlaub machen.“ Der Marketingleiter der Therme in Bad Lobenstein vertritt auf seinem Stand bei der Ferien- und Freizeitmesse in Cottbus Thüringer Reiseanbieter. Die RUNDSCHAU hat sich bei ihm und anderen Reiseanbietern umgehört, welche Angebote es für Personen mit kleinerem Geldbeutel gibt. Dass Besucher gezielt nach solchen Angeboten fragen, sei keine Seltenheit. Viele würden gar nicht in die großen Hotels wollen, erzählt er. Favorisiert werden Ferienwohnungen und kleine Pensionen. Eines der günstigsten Doppelzimmer wird beispielsweise in einem Ferienhof in Plothen, nahe dem Naturpark Thüringer Schiefergebirge/ Obere Saale angeboten. Das Doppelzimmer gibt es schon ab 15 Euro pro Nacht. Doch ein Freund der Geiz-ist-geil-Mentalität ist Roeske nicht. Höchste Qualität zum geringsten Preis, das gehe nicht. Das bedeute aber nicht, dass die günstigeren Ferienwohnungen schlecht seien. Im Gegenteil. Ein gewisser Standard könne erwartet werden. Die Kunden müssten jedoch Einschränkungen in Kauf nehmen. „Dann gibt es halt keinen Kamin oder Terrasse.“

Spezielle Angebote für preisbewusste Urlauber hat auch Undine Pätrow im Repertoire. Sie arbeitet für die Touristikinformation Stettiner Haff. Gerade viele junge Familien müssten gucken, was möglich ist, sagt die Mecklenburg Vorpommerin. „Da müssen wir uns nichts vormachen.“ Ein spezielles Frühlingsangebot mit vier Übernachtungen in einem Appartement oder Ferienhaus gibt es schon ab 205 Euro pro Person. Viele kleine Vorteile sind inklusive, wie zum Beispiel eine Anwendung in einer Salzgrotte oder ein Abendessen mit Fischspezialitäten.

„Wo beginnt der kleine Geldbeutel?“, fragt hingegen Olaf Thomann. Der Direktor des Waldhotels Kreuztanne im Erzgebirge legt Wert auf Regionalität und Qualität. „Wir fahren hier keine exorbitante Preisschiene“, sagt er. Aber: „Qualität hat nun mal ihren Preis.“ Für diesen Anspruch seien seine Gäste auch sehr dankbar. Bei ihm ist jedoch auch günstigerer Urlaub möglich. Ähnlich, wie bei Undine Pätrow, richten sich seine Angebote an junge Familien. Einer vierköpfigen Familie kann er fünf Übernachtungen mit Frühstück und allerlei Extras ab 499 Euro anbieten.

Wer sparen will, muss nicht zwangsläufig in Deutschland bleiben. Bei Fernreisen können Urlauber ebenfalls sparen. Aufenthalte in Asien seien preiswert, sagt Ulrich Finke, Geschäftsführer von MESO Reisen. Das teuerste seien die Flüge.“ Je unattraktiver das Image eines Landes ist, desto preiswerter ist der Urlaub dort.“ Das träfe unter anderem auf Bangladesch oder Albanien zu. „Diese Länder hat kaum einer auf dem Schirm, weil sie touristisch kaum erschlossen sind.“ Südafrika und Sri Lanka seien hingegen besser auf Touristen eingestellt. Dort könne man preiswert, aber nicht unbedingt billig, Urlaub machen. „Manche Dinge kosten halt Geld“, erklärt Finke. Nicht jeder müsse eine Fernreise machen. Wer nur auf das Geld schaut, solle doch lieber im näheren Umfeld bleiben. „Wir müssen uns unserer ökosozialen Veränderungen bewusst sein“, erklärt er. Billigtourismus hätte negativen Einfluss auf die jeweiligen Länder.