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| 18:17 Uhr

Schulserie
Ist Ludwig drin, wo Leichhardt draufsteht?

Seit 1994 trägt die Schule den Namen Ludwig-Leichhardt-Gymnasium. Vorher hieß sie als Doppelschule Pablo-Neruda-Oberschule und Salvador-Allende-Oberschule.
Seit 1994 trägt die Schule den Namen Ludwig-Leichhardt-Gymnasium. Vorher hieß sie als Doppelschule Pablo-Neruda-Oberschule und Salvador-Allende-Oberschule. FOTO: Isabel Damme
Cottbus. Pückler, Humboldt, Blechen, Pestalozzi . . . zahlreiche Personen zieren die Namen von Cottbuser Schulen. Doch spiegelt sich das auch im Alltag wider, fragt die RUNDSCHAU. Heute haben wir geschaut, wie viel Leichhardt im Leichhardt-Gymnasium steckt. Von Isabel Damme

Der Australienforscher und Geograph Friedrich Wilhelm Ludwig Leichhardt wurde 1813 in Trebatsch bei Beeskow geboren. Als Sohn eines königlichen Torfmeisters lernte er in einem Cottbuser Gymnasium und absolvierte hier mit 18 Jahren das Abitur. Dies ist Anlass für die Namensgebung des 4. Gymnasiums von Cottbus in der Hallenser Straße 11. Es war der Vorschlag des damaligen Sportlehrers und Hobbyhistorikers Achim Stellmacher. „Als Schüler unserer Stadt sollte sein Name bei der Lausitzer Jugend präsenter sein.“ Während er in Australien für seine Arbeit sehr bekannt ist, kennt man ihn in Deutschland kaum. Seit der Benennung im Jahr 1994 hört jeder regelmäßig bei Sportwettkämpfen oder Gesprächen mit Schülern den Namen des Forschers und ruft sein Andenken somit immer wieder ins Bewusstsein der Bevölkerung.

Der wissbegierige Ludwig studierte in Berlin, Göttingen und London unter anderem Naturgeschichte, Physik und Botanik. Statt das Studium zu beenden, entschloss er sich dazu, auf Reisen zu lernen. Diesen Antrag verweigerte jedoch das preußische Konsulat in London und ordnete die Heimkehr zum Militärdienst an. Friedrich Wilhelm Ludwig Leichhardt wurde zum Deserteur, um seinen Wissensdurst stillen zu können. Im Jahr 1840 trat er seine erste große Reise durch Frankreich, Italien und die Schweiz an, bevor er ein Jahr später mit einem Segelschiff nach Australien aufbrach. „Diese Neugier auf die Welt wollen wir auch unseren Schülern nahebringen“, erzählt Schulleiter Lutz Wegener. Auf unterrichtsbegleitenden Kursfahrten können die Gymnasiasten andere Länder und Kulturen erforschen. „Somit kann jeder in die Fußspuren von Ludwig Leichhardt steigen und selbst zum Forscher werden.“ Jahr für Jahr werden so London, Paris, Straßburg, Florenz, Pisa, Rom, Tönning, Liverpool, Wien, die Schweizer Alpen und sogar Japan erkundet. Zum 200. Geburtstag des Australienforschers wurde eine Schulpartnerschaft mit der australischen Henley High School ins Leben gerufen und eine 14-jährige Schülerin tat es Ludwig Leichhardt nach. Miriam Albert ging für neun Monate auf die Partnerschule in Adelaide. „Ich habe sehr viele verschiedene Menschen und Kulturen kennengelernt.“

Leichhardt unternahm drei Expeditionen in Australien. Er entdeckte neue Gebiete, erforschte Klima, Tier- und Pflanzenwelt sowie die Aborigines. Seit 1848 gilt das Team um Ludwig Leichhardt als verschollen. Seine Unternehmungen zeichnen sich vor allem durch Mut und ein wenig Verrücktheit aus, schließlich brach er ohne Erfahrung und mit knapper Ausrüstung ins Unbekannte auf. Auch dies ist eine Eigenschaft, die Lutz Wegener seinen Schülern mit auf den Weg geben möchte: „Manchmal muss man im Leben einen mutigen Schritt wagen, um glücklich zu werden.“

Auch Zwölftklässlerinnen reisen gern: Natalie Reiche (von links), Charlott Müller und Marianna Zargaryan vor der Fotowand ihrer Rom-Fahrt.
Auch Zwölftklässlerinnen reisen gern: Natalie Reiche (von links), Charlott Müller und Marianna Zargaryan vor der Fotowand ihrer Rom-Fahrt. FOTO: Isabel Damme
Ludwig Leichhardt hat seit 1890 in Sydney ein Denkmal. Auch in Cottbus soll demnächst ein Leichhardt-Denkmal stehen.    
Ludwig Leichhardt hat seit 1890 in Sydney ein Denkmal. Auch in Cottbus soll demnächst ein Leichhardt-Denkmal stehen.   FOTO: Bernd Marx