.?" Jetzt bekomme ich gleich etwas zu hören, das mich kitzelt. Stimmt es? Kann kaum sein. Oder vielleicht doch? Wie verhalte ich mich dazu? Wie wird es sein, wenn ich dem Menschen begegne, den es betrifft? Mache ich mit? Erfinde ich noch etwas dazu? Worte können töten. Und Worte können lebendig machen. Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Manchmal stimmt das, manchmal ist gerade ein offenes Wort nötig. Daran werden wir im 8. Gebot erinnert: "Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten." Lüge nicht vor Gericht und nicht vor den Ohren eines Mitmenschen. "Siehe, ein kleines Feuer, was für einen großen Wald zündet es an! Auch die Zunge ist ein Feuer.", warnt Jakobus in seinem Brief (Kap. 3, 5+6). Einmal entzündet und weiter verbreitet, lässt sich so ein Gerüchtefeuer kaum mehr löschen. Also muss ich überlegen. Will ich es überhaupt hören? Der weise Sokrates wusste, wie er damit umgeht. Zu ihm kommt einer gelaufen: "Höre, Sokrates, das muss ich dir erzählen!" "Halt ein!" unterbricht ihn der Weise, "hast du das, was du mir sagen willst, durch die drei Siebe gesiebt?" "Drei Siebe?", fragt der andere voller Verwunderung. "Ja, guter Freund! Das erste Sieb ist die Wahrheit. Hast du geprüft, ob es wahr ist, was du mir erzählen willst?" "Nein, ich hörte es erzählen und. . " "So, so! Aber sicher hast du es im zweiten Sieb geprüft, dem Sieb der Güte. Ist das, was du mir erzählen willst, gut?" - "Nein. . ., im Gegenteil, aber. . ." "Hm", unterbrach ihn der Weise, "so lass uns das dritte Sieb noch anwenden. Ist es notwendig, dass du mir das erzählst?" "Na ja, notwendig nun gerade nicht. . ." "Also," sagt der Weise, "wenn es weder wahr noch gut noch notwendig ist, so lass es begraben sein und belaste dich und mich nicht weiter damit."

Ist es wahr, ist es gut, ist es nötig, dass ich es weiß? Wenn nicht, kann ich getrost darauf verzichten. Wenn doch, dann ist es richtig, auch unangenehme Dinge zu hören, sie unter dem Teppich hervorzukehren, wo es schon stinkt. Das auszusprechen ist der Anfang von Veränderung. *Pfarrerin im Pfarrsprengel Dissen