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| 17:40 Uhr

COTTBUS
Yoga ist ein guter Einstieg

Sport im Alter – Yoga erweist sich dabei als guter Einstieg. Auf körperlicher Ebene trainiert es Kondition, Kraft und Flexibilität.
Sport im Alter – Yoga erweist sich dabei als guter Einstieg. Auf körperlicher Ebene trainiert es Kondition, Kraft und Flexibilität. FOTO: Elsner / LR
COTTBUS. Mohnstollen, Gänsebraten und Glühwein - wie es nach den Feiertagen an die zusätzlichen Pfunde geht, verrät die RUNDSCHAU in ihrer Serie „Fit durch die fetten Tage“. Dabei spielt sportliche Betätigung eine große Rolle. Was im Alter dabei zu beachten ist, verrät die Cottbuser Yoga-Lehrerin Anett Wallstein.

Sport hält jung. Daran besteht kein Zweifel. Und: Wer die gesundheitlichen Effekte regelmäßiger Bewegung nutzen will, sollte möglichst frühzeitig beginnen. Heißt das aber auch: Irgendwann ist es zu spät, immer wieder aufgeschobenene gute Vorsätze in die Tat umzusetzen? „Keinesfalls“, widerspricht die Cottbuser Yoga-Lehrerin Anett Wallstein energisch. Die positiven Effekte sportlicher Betätigung setzen in jedem Alter ein. Allerdings sollte die Generation 60plus beim Training einiges beachten. „Joggen ist für Viele eher ungünstig“, sagt die Trainerin und empfiehlt statt dessen das gelenkschonende Walken. Überhaupt rücke mit dem Alter die Beweglichkeit stärker in den Fokus. Sportarten ohne hohe Aufprallbelastungen sind günstiger. Neben dem Walken gehören dazu Schwimmen, Radfahren oder einfach Spaziergehen. Ordentliche Laufschuhe sind ein Muss und Hauruck-Aktionen in jedem Fall kontraproduktiv. „Viel günstiger ist es, mit kleinen Trainingseinheiten zu beginnen, dies dann zu erweitern und die Ausdauer allmählich zu steigern“, sagt Anett Wallstein. Regelmäßigkeit ist dabei das A und O. Wer regelmäßig mit dem Hund rausgehen muss, schafft das beinahe nebenbei.

Auch wer sein Leben lang Sport getrieben hat, kommt nicht umhin, sich auf das Alter einzustellen. „Die Kraft nimmt ab. Die Stoffwechselprozesse ändern sich“, sagt die Trainerin. Deshalb ist es wichtig, ein Gespür für den Körper zu behalten und das richtige Maß zu finden.

Dabei erweist sich Yoga als hilfreich. Zwar ist die aus Indien stammende Lehre geistiger und körperlicher Übungen kein Sport im engeren Sinn, aber dennoch eine effektive Trainingsmethode. „Beim Yoga kommt es darauf an, Bewegung und Atmung in Einklang zu bringen“, sagt Anett Wallstein. „Es geht nicht um Leistungsvergleich, sondern darum, ein Gefühl für Körper, Geist und Seele zu bekommen und Ruhe zu finden.“

Wer nach einem langen Arbeitsleben in den Ruhestand geht, sollte auch wahrnehmen, wenn sein Körper nach Ruhe ruft. „Wenn ich diese Signale auf Dauer missachte, knockt er mich irgendwann aus“, weiß die Trainerin und findet dafür einen bildhaften Vergleich: „Das ist so, wie wenn ich beim Autofahren im zweiten Gang ständig nur Vollgas gebe und das Schalten in einen anderen Gang vergesse. Beim Auto wie beim Menschen hat das einen höheren Energieverbrauch und mehr Verschleiß zur Folge.“ Ruhephasen in den Alltag einzubauen, Rückzugsorte zu finden, möglichst im Einklang mit der Natur zu leben - all das ist in jedem Alter hilfreich.

Wer sich mehr bewegen und damit gesünder leben möchte, dessen Weg führt heute häufig zuerst ins Fitnessstudio. „Dagegen ist nichts einzuwenden, wenn er dabei gut angeleitet wird“, sagt Anett Wallstein. Gerade bei Neulingen komme es darauf an, dass ständig jemand schaut, ob die Übungen korrekt ausgeführt werden.

Auch im Alltag hilft rückengerechtes Verhalten, die Muskulatur zu stärken und Schäden zu vermeiden. Ein Klassiker ist dabei das Heben eines Kastens mit Wasserflaschen. Wie das rückengerecht geschieht, beschreibt Anett Wallstein so: „Leicht in die Kniebeuge gehen, den Kasten mit beiden Händen an den Körper heranziehen und aus der Kraft der Beine aufstehen.“

Wer Zweifel hat, ob er sich körpergerecht bewegt, dem empfiehlt die Cottbuserin einen Rücken-schul-Kurs, Yoga oder Fußgymnastik. Dadurch werden die Muskulatur im Rücken, in den Beinen und in den Füßen gestärkt. Walken, Schwimmen und Radfahren sind perfekte Ausdauer-Sportarten für die Generation 60plus mit anschließender Dehnung nach den Trainingseinheiten. Beim Gehen und Laufen sollte man darauf achten, den Fuß gerade aufzusetzen und gerade abzurollen. Auch barfuß laufen am Strand, sooft sich die Gelegenheit dazu ergibt, ist ein guter Tipp. Überhaupt sollte die Freude an der Bewegung im Mittelpunkt stehen. Anett Wallstein: „Hab ich Spaß am Schwimmen, schwimme ich. Hab ich Spaß am Radfahren, schwing ich mich aufs Rad.“

„Ein Anfang ist jederzeit möglich“, ist sich die Trainerin sicher. „Ziel ist, der Lebenszeit mehr Lebensqualität zu geben und eine Auszeit vom Alltäglichen zu schaffen, um die Seele mal wieder baumeln zu lassen.“ Yoga erweist sich dabei als guter Einstieg. Auf körperlicher Ebene trainiert es Kondition, Kraft und Flexibilität. Und es schafft jene Harmonie zwischen Körper, Geist und Seele, die uns zu größerer Gelassenheit verhilft.

Auf diesen Dreiklang zielen auch die Übungsstunden, die Anett Wallstein in ihrem Yoga-Studio in der Bonnas-kenmühle hält. Dazu gehört zu Beginn stets ein motivierendes Gespräch auf Augenhöhe mit den Kursteilnehmern. Mit den Jahren hat die Cottbuserin so eine Reihe von Anregungen zusammengetragen. Darunter einen Zeitungsausschnitt, in dem von der ältesten Yogalehrerin der Welt berichtet wird. Die Inderin Tao Porchon-Lynch ist inzwischen 99 Jahre alt und noch immer beweglicher als viele Jugendliche. Noch heute unterrichtet sie in New York spirituelle Gymnastik. Ihre Botschaft an die Schüler lautet: „Habt keine Angst! Lasst Euch nicht von anderen einreden, dass Ihr etwas nicht könnt.“

FOTO: Sebastian Schubert / LR