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| 14:17 Uhr

Tradition
Ist das Bescherkind eigentlich ein Christkind?

Beim Weihnachtsmarkt in Schlichow war vor einigen Wochen zum ersten Mal das Bescherkind zu Besuch. Für einige ist es das Christkind.
Beim Weihnachtsmarkt in Schlichow war vor einigen Wochen zum ersten Mal das Bescherkind zu Besuch. Für einige ist es das Christkind. FOTO: castba / Katrin Erb
Cottbus. RUNDSCHAU-Leser vermutet DDR hinter Änderung.

Das Wort Bescherkind scheint eine relativ junge, regionale Wortschöpfung zu sein. Zu diesem Schluss kommt Werner Meschkank, Kurator im Serbski muzej / Wendisches Museum in Cottbus. Er erklärt: „Ob mit dem Synonym Bescherkind absichtlich der christliche Hintergrund verschleiert werden sollte, kann aus meiner Sicht nicht sicher beantwortet werden.“ Damit reagiert er auf einen Vorwurf von Siegfried Malk aus Schmogrow, der sich für die Wenden unter anderem im Verein Ponaschemu einsetzt und gar von einer Sorbisierung der Wenden zu DDR-Zeiten spricht, was sich seiner Ansicht nach bis heute fortsetzt. Der Spreewälder ärgert sich über den Begriff Bescherkind und beharrt darauf, dass es sich bei der Figur um das Christkind handelt.

Werner Meschkank schlägt im Niedersorbisch-deutschen Wörterbuch (Manfred Starosta. Domowina Verlag GmbH, Bautzen, 1999) nach. Darin findet sich das Wort bog, das wörtlich für Gott steht, aber auch synonym genutzt wird für Christi Geburt. Deshalb handele es sich beim Janšojski bog um das Christkind von Jänschwalde. Für bóže ziśetko werden demnach beide Bezeichnungen Christkind und Bescherkind angegeben. „Dass heißt, sie sind beide richtig und unbedenklich verwendbar“, schlussfolgert Meschkank.

Das „Sorbische Kulturlexikon“ (Domowina Verlag GmbH, Bautzen, 2014, Seite 484 f.) verwende ebenfalls beide Begriffe. Darüber hinaus finde sich in dem Lexikon folgende interessante Schilderung: „Eine erste vorweihnachtliche Bescherung wurde um 1840 beschrieben: Das Christkind, ein in regionale Festtracht gekleidetes und mit weißem Schleier verhülltes Mädchen, hält in der einen Hand eine Rute mit Klingel, in der anderen ein weißes Tuch. Darin birgt es die Äpfel und Nüsse, die es vom Hausherrn zuvor heimlich erhielt. Feierlich tritt es in die Stube und fragt: ‚Sind gute Kinder da?’ Diese werden aufgefordert, einige Sprüche oder Verse aufzusagen. . . . Seit 1980 wird das Bescherkind zu Weihnachtsfeiern in Kindergärten, Schulen oder Seniorenheime geladen, neuerdings ist es auch auf Weihnachtsmärkten anzutreffen.“

Darüber hinaus finde sich die Übersetzung Bescherkind für źěśetko auch im „Wörterbuch Deutsch-Niedersorbisch“ von Klaus-Peter Jannasch (Domowina Verlag, Bautzen, 1990). „In älteren niedersorbisch-wendischen Wörterbüchern ist der Begriff nicht auffindbar, Christkind aber wird in mehreren angeführt“, sagt der Kurator.

Deshalb kommt er zu dem Schluss: „Das Bescherkind empfinden manche Menschen, die nur oder lieber Christkind im Gebrauch haben möchten, fremd und wenig sympathisch. Ähnlich verhält es sich mit Begriffen Sorben und Wenden beziehungsweise sorbisch und wendisch. Wer besonderen Wert auf Identitätsförderung legt und vor allem von der älteren wendischen Bevölkerung freundlich verstanden werden möchte, wird dies beachten.“

(pk)