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Kontra - Fit durch die fetten Tage
Irrweg Selbstoptimierung

Simone Wendler
Simone Wendler FOTO: Sebastian Schubert / LR
Für jede Form körperlicher Aktivität gibt es inzwischen moderne Kontroll- und Überwachungstechnik. Die klassische Pulsuhr ist dabei sicherlich ein sinnvolles Gerät, gerade für Laufanfänger. Laufe ich in dem für mein Alter und Gesundheitszustand günstigen Pulsbereich? Kommt mein Herz nach dem Lauf schnell genug wieder in den Ruhepuls? Gibt es vielleicht Pulsschwankungen während des Laufens, die einen Besuch beim Kardiologen notwendig machen? Alles das sind berechtigte Fragen, auf die die Pulsuhr Antwort gibt.

Doch wer es geschafft hat, regelmäßig zu laufen, der merkt schnell, dass er die Uhr kaum noch braucht. Der eigene Körper signalisiert sehr gut, ob der Lauf im „grünen Bereich“ stattfindet. Das  macht den Kopf frei, für das Wesentliche am Freizeitlauf: Die Natur wahrnehmen, den eigenen Körper spüren. Wer nicht auf einen Marathon trainiert, dem ist technische Kontrolle dabei mehr hinderlich als nützlich. Denn was bedeutet es, ob ein Freizeitläufer eine bestimmte Strecke fünf Minuten schneller oder langsamer läuft? Nichts. Was zählt, ist der Spaß an der Bewegung. Doch wer nicht misst, kann sich nicht mit andern messen. Der Leistungsgedanke, der zunehmende Hang, den eigenen Körper zu optimieren, will Zahlen, Vergleiche. Aus diesem Gedanken heraus wurden vermutlich auch Schrittzähler und Fitnessarmbänder erfunden. Bleibt die Aufforderung zur Bewegung durch Signale von Schrittzähler oder Fitnessarmband. Wer sich von deren Piepen wirklich zu einer Runde um den Block schubsen lässt, der ist meist kein Bewegungsmuffel, sondern durchaus körperlich aktiv. Wer sich dagegen erst mal von Sofa und Autositz lösen muss, dem helfen genauso gut alltagstaugliche Faustregeln: Treppe statt Fahrstuhl, Fußmarsch oder Fahrrad statt Auto.  Wer das eine Weile beherzigt, kann das Geld für Schrittzähler sparen und lieber in ein Paar Laufschuhe investieren.