ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:13 Uhr

Trödelmarkt
Ärger um Standpreise für Antikhändler in Cottbus

Cottbus. Coex hat den Viehmarkt-Trödel übernommen. Die Preispolitik des neuen Veranstalters sorgt für Irritationen. Die Agentur revidiert nun ihren Irrtum. Im Mai hatte sie noch die Mehrwertsteuer erhoben. Von Peggy Kompalla

Der Gubener Antikhändler Andreas Stolp ist ein regelmäßiger Gast in Cottbus. Der monatlich stattfindende Viehmarkt-Trödel gehörte bislang fest in seinen Terminkalender. Doch damit ist es erst einmal vorbei. Den Händler hat insbesondere die Preispolitik des neuen Veranstalters Coex verärgert. „Ohne Vorankündigung wurden die Preise erhöht“, kritisiert der Gubener am RUNDSCHAU-Reportertelefon. Obendrauf sei entgegen der Marktgepflogenheiten noch die Mehrwertsteuer von 19 Prozent erhoben worden. „Damit ist das der teuerste Trödelmarkt, den ich kenne“, schimpft Stolp. „So viel zahle ich nicht einmal in Berlin.“

Seit März ist Coex für den Viehmarkt-Trödel verantwortlich. Die Agentur hatte sich nach Auskunft der Stadtverwaltung in der Ausschreibung gegen den bisherigen Veranstalter aus Dresden durchgesetzt. Bislang hat sich Coex mit der Organisation von Stadtfesten und Großveranstaltungen in Brandenburg einen Namen gemacht. Die Übernahme des Trödelmarkts brachte offensichtlich einige unerwartete Tücken mit sich. Das gibt Coex-Chef Eberhard Heieck im Nachhinein zu. Nachdem seine Agentur im Mai auf die Standgebühren noch eine Umsatzsteuer erhob, soll das nun rückgängig gemacht werden. Damit werden nach Auskunft von Heieck ab sofort wieder die bisher üblichen Standpreise gelten.

Der Agenturchef erklärt den Irrtum. „Wir sind artig und ehrlich und haben beim Finanzamt wegen der Mehrwertsteuer eine Anfrage gestellt“, sagt er. Demnach sei ihm bewusst gewesen, dass der Dresdner Veranstalter diese Steuer nicht erhob. „Wir haben bislang nur eine mündliche Information, dass die Umsatzsteuer zu erheben ist“, berichtet Eberhard Heieck. Deshalb sei seine Agentur auf Nummer sicher gegangen und habe die Steuer erhoben, um sie dann an das Finanzamt abzuführen.

Nach dem Anruf der RUNDSCHAU hat nun seine Agentur selbst recherchiert und ein Entscheidung des Bundesfinanzhofs aus dem Jahr 2008 gefunden. Darin heißt es: „Veranstalter von Wochen- oder Flohmärkten können Stände an die einzelnen Händler selbst dann komplett steuerfrei vermieten, wenn im Entgelt zusätzlich Stromversorgung, Organisation und Endreinigung enthalten sind.“ Damit ist für Coex jetzt klar: Es muss tatsächlich keine Mehrwertsteuer erhoben werden. Damit verhält es sich anders als mit den Standgebühren bei Stadtfesten, für die immer die Umsatzsteuer fällig wird.

Eberhard Heieck versichert: „Ab Juni gelten die alten Preise.“ Für Andreas Stolp kommt diese Erkenntnis zu spät. Er ist verärgert und versichert, dass er damit nicht allein sei. Er erklärt, dass nicht nur die Mehrwertsteuer erhoben wurde, sondern auch die Preise angezogen wurden. Demnach zahlte der Gubener für den ersten Meter zwölf statt wie bisher zehn Euro und für jeden weiteren sechs statt wie bisher fünf Euro. „Obendrauf kam noch die Steuer. Damit kam ich auf 35,70 Euro statt bisher 25 Euro“, sagt er und beschwert sich: „Und abkassiert haben sie auch noch 36 Euro.“

Den Aussagen zur Preiserhöhung widerspricht der Agenturchef. „Das waren Preise inklusive der Mehrwertsteuer.“ Aber seine Marktleiter hätten sich dagegen entschieden und die alten Preise auf die Rechnungen geschrieben, die Mehrwertsteuer extra ausgepreist und draufgeschlagen. „Wenn zuviel abgezogen wurde, dann soll sich derjenige bitte bei uns melden“, sagt Heieck. „Fehler passieren. Wir korrigieren sie.“ So werde das auch mit der fälschlich erhobenen Steuer gehandhabt. „Das werden wir den Händlern natürlich zurückzahlen.“

Der nächste Viehmarkt-Trödel findet an diesem Wochenende statt: Samstag von 9 bis 18 Uhr und Sonntag von 10 bis 18 Uhr. Coex hat laut Vertrag mit der Stadt für die nächsten fünf Jahre die Organisation inne. Genügend Zeit, damit sich das Geschäft einspielt.