Als der CDU-Abgeordnete Hagen Strese während der Stadtverordnetenversammlung ans Mikrofon trat, war er zunächst nur einer von vielen Fragenden.
Doch seine Frage hatte es derart in sich, dass die angesprochenen Vertreter der Stadtverwaltung etwas verdattert dreinblickten, zunächst auf einen nichtöffentlichen Teil verwiesen und dann doch Baudezernentin Marietta Tzschoppe ans Mikrofon schickten. Strese hatte gefragt: „Stimmt es, dass die GWC einen Antrag zum Kauf der Mocca-Bar in der Stadtpromenade vorgelegt hat?“ Tzschoppe, auch Aufsichtsratschefin des städtischen Unternehmens, antwortete: „Ja.“
Einige Abgeordnete sahen prompt ein Gerücht bestätigt, das die Runde in der Stadt macht: Das Projekt des Investors Gepro sollte trotz laufender Verhandlungen torpediert werden, so hieß es, um den Weg frei zu machen für einen Cottbuser Unternehmer.
Falsch, sagte die Stadtspitze. Marietta Tzschoppe präzisierte später ihre Angaben. Die GWC habe ein Angebot für die Pavillons vorgelegt, weil nach Mieterbeschwerden der desaströse Zustand vor der Wohnscheibe beseitigt werden sollte. Die Verhandlungen zwischen dem Eigentümer der Pavillons, der Treuhand Immobilien-Gesellschaft, und der Gepro seien zwischenzeitlich ins Stocken geraten. Die TLG selbst habe bei der Stadt angefragt, ob diese die Grundstücke übernehmen wolle. Auch deshalb habe die GWC Anfang Februar in einem Brief an die TLG ihr Interesse an dem Grundstück bekundet, sagte Sprecher Tom Schönherr gestern. Der Antrag der GWC sei jetzt „hinfällig“ , so Dezernentin Marietta Tzschoppe.
„Das war schon Verrat an der Sache“ , sagte Gepro-Geschäftsführer Andreas Haas gestern der RUNDSCHAU. Es sei nicht nachvollziehbar gewesen, warum man so mit einem Investor umgehe. Gepro könne sich nicht vorstellen, dass die GWC-Geschäftsführung einen Alleingang gemacht habe.
Immerhin gebe es nach einem Gespräch am Mittwochabend bei Oberbürgermeisterin Karin Rätzel wieder Klarheit: „Sie hat uns massive Unterstützung zugesichert.“ Allerdings hätte das Gespräch, so der Gepro-Chef, bereits „vor einem Vierteljahr stattfinden müssen. Man kann so ein Projekt auch durch Nichtstun hintertreiben“ .
Das Thema GWC habe keine Rolle mehr gespielt. Das Projekt werde vorangetrieben. Mitte Juni sollen die noch ausstehenden Lösungen planerisch auf dem Tisch liegen und abgestimmt werden. Dabei geht es vor allem um die Zufahrt für den Lieferverkehr von der Karl-Liebknecht-Straße aus - an diesem Punkt sei Projekt-Vorgänger GWB gescheitert, weil für eine Zufahrt über die Bebelstraße Grundstücke Dritter in Anspruch genommen werden müssten. Nach den Gesprächen Mitte Juni sei man durch. Haas: „Wir bauen noch in diesem Jahr.“
Für einige Abgeordnete blieb unklar, warum eine städtische Gesellschaft derart in ein vorzubereitendes Projekt eingreift. Es bleibe eine Unsicherheit, so ein Abgeordneter, ob das GWC-Angebot tatsächlich lange zurückliegt - oder ob es in einer Schublade liege, aus der es jederzeit wieder hervorgeholt werden könne. Die GWC ist nach eigenen Angaben „offiziell von diesem Kaufansinnen zurückgetreten“ .

Hintergrund Das Gepro-Projekt
 Das Blechen-Karree in der Stadtpromenade soll etwa 48 Millionen Euro kosten. Entstehen werden 15 000 Quadratmeter Verkaufsfläche. Die Mieter-Nachfrage ist laut Gepro deutlich größer. Für das Gebäude, das sich von der Karl-Liebknecht-Straße in die Promenade erstreckt, müssen die frühere Mocca-Bar und die Fußgängerbrücke abgerissen werden.