Es wird möglicherweise ein neues Kapitel in der unendlichen Geschichte zum Innenstadt-Kino. Wittlinger ist offenbar auf der Suche nach einem neuen Betreiber für das geplante Multiplex-Kino. Sollte sich auch dieses Vorhaben zerschlagen wie der Mietvertrag mit der insolventen Ufa Theater AG (siehe Hintergrund), dann müsse über andere Nutzungen des Areals zwischen Freiheits-, Ostrower- und Franz-Mehring-Straße sowie Spreeufer nachgedacht werden, hieß es gestern.
Aus städtischer Sicht ist auf dem „exponierten Standort“ , so ein Planer, vieles möglich. Unmöglich erscheint nur „großflächiger Einzelhandel“ – damit sei jedoch kein weiteres Projekt von der Größe des ECE-Vorhabens für die Stadtpromenade gemeint. Die Stadt wird, so hieß es gestern, aufpassen, dass an der Mehringstraße keine Konkurrenz zu anderen innerstädtischen Projekten entsteht. Spekuliert wurde bereits über den möglichen Bau von Eigentums-Wohnungen, was angesichts der erst kürzlich ausgebauten Franz-Mehring-Straße aber eher unwahrscheinlich erscheint.
Unklar ist auch der Umgang mit der Klage gegen die Baugenehmigung für das Kino in Groß Gaglow, vorläufiger Endpunkt im jahrelangen Streit zwischen Cottbus und dem Spree-Neiße-Kreis. Karin Rätzels Sprecher Michael Schlick teilte gestern mit, dass die Stadt „die neue Lage prüfen“ wird. Eine Entscheidung darüber, ob die Klage zurückgezogen werden soll, liege bei den Stadtverordneten. Mit welchem Vorschlag die Verwaltung an die Abgeordneten herantritt, sei noch nicht geklärt. Möglicherweise befasst sich die heutige Beigeordneten-Konferenz am Tisch der Oberbürgermeisterin mit dem Thema.
Im Reich der Spekulation bewegen sich die möglichen rechtlichen Auswirkungen. Gewinnt die Stadt ihre Klage gegen die Baugenehmigung für das Gaglower Kino, muss sie dann das Kino auch schließen, obwohl sie es derzeit gar nicht will„ Oberbürgermeisterin Rätzel hatte immer erklärt, das Kino in Groß Gaglow erst schließen zu wollen, wenn eines in der Innenstadt öffnet. Weitere offene Frage: Kann die Stadt die Klage zurückziehen, wenn sie – wie bisher – davon überzeugt ist, dass das Kino auf rechtswidriger Grundlage gebaut wurde“
Landrat Dieter Friese (SPD) erklärte gestern, die Stadt möge „die juristischen Winkelzüge gegen das Kino in Groß Gaglow beenden“ . Man solle froh sein, solch ein Kino in der Region zu haben.
Auswirkungen auf das City-Galerie-Projekt des Hamburger Investors ECE gebe es nicht. Das erklärte ECE-Sprecher Andreas Mattner gestern. „Das hat nichts miteinander zu tun.“ Der Investor für das größte innerstädtische Projekt muss bis September erklären, ob er an seinem Vorhaben festhält.

Hintergrund Ohne Zugpferd
 Die Ufa Theater AG, Düsseldorf, hatte am 3. Mai Insolvenz angemeldet (die RUNDSCHAU berichtete). Damit fehlt dem Projekt „Kinofabrik“ an der Franz-Mehring-Straße der Hauptmieter und das Zugpferd Kino. Die Fabrik wird weiter saniert und als Büro- und Geschäftsadresse vermarktet.