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| 17:50 Uhr

Interview mit Georg Thimme
„Im Gespräch bleiben“

 Pfarrer Georg Thimme ist seit dem 1. September 2019 Superintendent im Evangelischen Kirchenkreis Cottbus.
Pfarrer Georg Thimme ist seit dem 1. September 2019 Superintendent im Evangelischen Kirchenkreis Cottbus. FOTO: LR / Nils Ohl
Cottbus. Seit dem 1. September ist Georg Thimme neuer Superintendent im Evangelischen Kirchenkreis Cottbus. Mit der LR spricht er über seine ersten Eindrücke und seine Vorhaben im neuen Amt.

Herr Thimme, warum haben Sie sich als Superintendent in Cottbus beworben?

Thimme Das ist vielschichtig. Ich war 19 Jahre lang Pfarrer – in Haidemühl, in Baruth und zuletzt neun Jahre in Werder. In allen Orten habe ich gerne gelebt und gearbeitet. Nach 18 Jahren als Gemeindepfarrer war nun aber Zeit für was Neues. Auf Cottbus hatte ich Lust. Hier habe ich vor 20 Jahren gelebt, und der Gedanke, hierher zurückzukommen, gefiel mir ausgesprochen gut. Und schließlich haben mich das Amt gereizt und die neuen Aufgaben, die mich als Superintendent erwarten.

Wie war denn ihre bisherige Beziehung zu Cottbus?

Thimme Ich war 1996 bis 98 persönlicher Referent des Generalsuperintendenten Dr. Rolf Wischnath und Leiter der Studierendengemeinde und anschließend für zwei Jahre Vikar in der Cottbuser Kirchengemeinde Sankt Nikolai. Als ich 1996 mein erstes Examen machte, gab es mehr Theologiestudenten als Stellen. Als Referent nach Cottbus zu gehen, war für mich also eine gute Chance, die Zeit nach dem Studium sinnvoll zu füllen. Also bin ich als Berliner hierher gegangen. Eigentlich wollte ich damals möglichst bald zurück. Aber dann habe ich hier ganz schnell meine Liebe zu Brandenburg entdeckt und bin Brandenburg seitdem treu geblieben.

Wie hat sich Cottbus in den vergangenen 20 Jahren verändert?

Thimme Die Stadt hat sich optisch ausgesprochen positiv verändert, ist einladender, freundlicher geworden – allein schon wenn man über den Altmarkt mit seinen Gaststätten geht. Die Menschen, denen ich begegnet bin, sind sehr aufgeschlossen. Auch mein Sohn, der jetzt in die 11. Klasse geht, ist sehr gut in seiner neuen Schule aufgenommen worden.

Wie sind Ihre ersten Tage im neuen Amt verlaufen?

Thimme Es ging und geht erst einmal ums Kennenlernen – die Gemeinden, die Pfarrerinnen und Pfarrer, die Mitarbeitenden, die Menschen, die hier leben. Mir ist dabei aufgefallen, wie existenziell die Fragen des Strukturwandels und der politischen Entwicklung die Menschen beschäftigen. Den Stolz der Bergleute auf den von ihnen geschaffenen Wohlstand und die Angst vor dem Verlust eines sicheren Arbeitsplatzes  verstehe ich ebenso wie die Angst vor dem Verlust von Heimat und Natur. Hier miteinander im Gespräch zu bleiben und zu einem guten Ausgleich zu finden, ist eine der Herausforderungen, vor der wir stehen. Und natürlich bin ich dabei, mich in die Verwaltungsfragen einzuarbeiten, die mein neues Amt mit sich bringen.

Was möchten Sie als Superintendent künftig bewegen?

Thimme Mein großes Anliegen ist, dass wir zu einer Kultur kommen, bei der wir gegenseitig im Gespräch bleiben, ohne uns gegenseitig niederzubrüllen oder niederzutrillern. Mich erschreckt, dass es oft nicht mehr gelingt, gegensätzliche Ansichten auszudiskutieren, sich gegenseitig ernst zu nehmen und wertzuschätzen. Das ist für mich Toleranz: Auszuhalten, dass jemand eine andere Position vertritt als ich. Bei Hass, Gewalt und Menschenfeindlichkeit stößt Toleranz allerdings an ihre Grenze. Hier heißt es, klar Stellung zu beziehen. Ein zweites Anliegen ist, dass es uns angesichts der demographischen Entwicklung gelingt, auch weiter eine Kirche mit Strahlkraft zu sein. Darüber mit den Gemeinden, den Gemeindekirchenräten und den Mitarbeitenden ins Gespräch zu kommen und gemeinsam Ideen zu entwickeln, die Bewährtes stärken und gleichzeitig Neues ermöglichen, ist unser aller Aufgabe. Das kann man nicht von oben anordnen. Das muss von unten wachsen. In diesem Prozess sehe ich meine Aufgabe unter anderem auch als Moderator.

Begegnen Ihnen die Menschen anders, seitdem Sie Ihr neues Amt innehaben?

Thimme Das kann ich so nicht sagen. Ich bin ja durch die Wahl auch kein anderer Mensch geworden. Aber natürlich sind die Fragen andere geworden, die an mich herangetragen werden.

Welche Wünsche werden denn an Sie als neuen Amtsinhaber herangetragen?

Thimme Ich erlebe, dass man von mir seelsorgerische Zugewandtheit ebenso erwartet wie Transparenz im Leitungshandeln. Diese Erwartung will ich gerne versuchen zu erfüllen.

 Bei einem Festgottesdienstes ist der 53-jährige Pfarrer Georg Thimme  im Beisein von Generalsuperintendentin Theresa Rinecker am Sonntagnachmittag in der gut besuchten Oberkirche in sein Amt als neuer Superintendent des Kirchenkreises Cottbus eingeführt worden. 
Bei einem Festgottesdienstes ist der 53-jährige Pfarrer Georg Thimme  im Beisein von Generalsuperintendentin Theresa Rinecker am Sonntagnachmittag in der gut besuchten Oberkirche in sein Amt als neuer Superintendent des Kirchenkreises Cottbus eingeführt worden.  FOTO: Michael Helbig
 Bei einem Festgottesdienstes ist der 53-jährige Pfarrer Georg Thimme (l.) im Beisein von Generalsuperintendentin Theresa Rinecker (r.) am Sonntagnachmittag in der gut besuchten Oberkirche in sein Amt als neuer Superintendent des Kirchenkreises Cottbus eingeführt worden. 
Bei einem Festgottesdienstes ist der 53-jährige Pfarrer Georg Thimme (l.) im Beisein von Generalsuperintendentin Theresa Rinecker (r.) am Sonntagnachmittag in der gut besuchten Oberkirche in sein Amt als neuer Superintendent des Kirchenkreises Cottbus eingeführt worden.  FOTO: Michael Helbig