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| 19:05 Uhr

Interview mit Tobias Hentschel
Burger profitieren vom Tourismus

 Tobias Hentschel wurde am Mittwoch ganz offiziell zum neuen Amtsdirektor von Burg ernannt. Seine Arbeit tritt er am 1. Mai an.
Tobias Hentschel wurde am Mittwoch ganz offiziell zum neuen Amtsdirektor von Burg ernannt. Seine Arbeit tritt er am 1. Mai an. FOTO: LR / SIlke Halpick
Burg. Neuer Amtsdirektor will offen kommunizieren und setzt auf Ideenreichtum und Diplomatie. Von Silke Halpick

Tobias Hentschel ist der neue Amtsdirektor von Burg. Am Mittwochabend bekam er seine Ernennungsurkunde vom Amtsausschuss überreicht. Ab Mai tritt er seinen Dienst im Spreewald an. Die RUNDSCHAU sprach mit ihm vorab über zu enge Straßen, zu wenig Geld und die Zukunftsfähigkeit der Amtsstruktur.

Wie ist Ihr Eindruck von Burg? Womit kann das Amt punkten, wo gibt es Handlungsbedarf?

Hentschel Ich kenne die Gemeinden des Amtes seit meiner Kindheit, bin in Werben zur Schule gegangen und habe die positive Entwicklung in den letzten Jahren miterlebt. Das Amt ist wegen seiner einzigartigen Kulturlandschaft nicht nur für Touristen ein gern gebuchtes Urlaubsziel, sondern auch für Gewerbetreibende und junge Familien eine gute Adresse.

Der Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Burg. Doch vielen Bewohnern werden die Besucherströme langsam  zu viel. Wie kann man beides unter einen Hut bringen?

 Hentschel Eine Vielzahl von Einwohnern lebt inzwischen von den Touristen, die für zusätzliche Wertschöpfung in der Region sorgen. Auch das Handwerk und die Unternehmen profitieren von zusätzlichen Aufträgen und Umsätzen. Das sorgt wiederum für Arbeitsplätze, die in Zeiten des Strukturwandels eine zunehmende Bedeutung haben werden. Neben den Arbeitsplätzen sorgt der Tourismus aber auch für ein breites Angebot an Freizeit- und Erholungsangeboten. Diese wohnortnahen Angebote sind es, die das Wohnen in Burg auszeichnen. Gemeinsam mit den politischen Gremien gilt es, dem Bürger diese Vorzüge immer wieder in Erinnerung zu bringen.

 Die Verkehrssituation in Burg ist oft Anlass zur Kritik: zu enge Straßen, zu wenig Parkraum. Ist aus Ihrer Sicht Besserung möglich und in Sicht?

Hentschel An Sonntagen mit bestem Ausflugswetter überschneiden sich die Besucherströme der Urlaubsgäste mit Tagesausflüglern, Naherholungssuchenden und Thermenbesuchern. Diese Thematik ist in vielen Urlaubsregionen inzwischen ein Wachstumshemmnis, da die Bevölkerung mit hohen Besucherzahlen eine Einschränkung der Lebensqualität verbindet. Es gibt einige Ideen, die für eine Entlastung sorgen könnten. Doch bevor ich mich öffentlich äußere, möchte ich noch tiefer in die Materie einsteigen.

 Die zum Amt Burg gehörenden Dörfer haben teils massive Haushaltsprobleme. Ist das Amt in seiner Struktur langfristig überlebensfähig?

Hentschel Das Land Brandenburg hat mit der Einführung der Doppik den Kommunen auferlegt, das Vermögen zu dokumentieren und jährlich Abschreibungen zu generieren. Viele kleine Kommunen, die in den letzten Jahren viel Geld in ihre Infrastruktur und kommunalen Einrichtungen gesteckt haben, sind kaum in der Lage, diese Abschreibungssätze nachzuweisen. So kommt es vor, dass Dörfer mit einer hohen Lebensqualität kaum in der Lage sind, ihre Pflichtaufgaben zu finanzieren. Große Städte und auch Abwasserzweckverbände, die sich in finanzieller Schieflage befinden, haben Schuldentilgungsprogramme vom Land erhalten. Unsere Gemeinden sind eigenständige Gebietskörperschaften mit demokratisch gewählten Vertretern. Gemeinsam mit den Mitarbeitern der Amtsverwaltung werde ich diese Vertreter bei den zukünftig anstehenden Projekten unterstützen und auch Wege suchen, um die finanziellen Lasten zu reduzieren. Inwieweit das Auswirkungen auf die Amtsstruktur hat, ist eine Entscheidung der Gemeindevertretungen.

Insbesondere die kleinen Dörfer fühlen sich gegenüber dem dominanten Burg benachteiligt. Wie wollen Sie Gemeinsamkeit herstellen?

Hentschel Burg steht nicht im Wettbewerb mit den kleineren Gemeinden, sondern überregional mit anderen Urlaubsregionen. Um in Zukunft dem steigenden Wettbewerbs- und Kostendruck in der touristischen Akquise gerecht zu werden, ist es unabdingbar, dass die kleineren Orte bei der Entwicklung nicht abgehängt, sondern mitgenommen werden. So sind Orte, die nicht im Fokus für die touristische Entwicklung stehen, durchaus attraktive Wohn- oder Gewerbestandorte. Ein kleines Beispiel: Einen öffentlichen Spielplatz an einem Fahrradweg in Guhrow kann man auch als wichtigen Baustein für einen qualitativen Fahrradtourismus sehen. Gemeinsam finanziert würden Touristen und Einheimische von dieser Investition partizipieren.

Der Burger Amtsausschuss ist ja dafür bekannt, Amtsdirektoren vor Ablauf der Legislaturperiode abzuwählen.  Wie beurteilen Sie Ihre Chancen?

Hentschel Ich möchte für eine zukunftsorientierte Ausrichtung der Kommunalpolitik im Amt Burg stehen und die demokratischen Entscheidungen der Vergangenheit nicht werten. Für diese Politik gilt es, Vertrauen aufzubauen und beharrlich an den wichtigen Zukunftsthemen zu arbeiten. Mit den Mitarbeitern der Amtsverwaltung steht mir ein leistungsfähiges Team zur Seite, sodass ich gute Chancen sehe, die zukünftigen Aufgaben mit Ideenreichtum und Diplomatie zu meistern. Der Amtsausschuss hat mir bei meiner Wahl mit großer Mehrheit sein Vertrauen ausgesprochen. Ich werde mich in den nächsten Jahren bemühen, diesen Vertrauensvorschuss auszubauen und mit einer offenen Kommunikation agieren.