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| 19:23 Uhr

Interview mit Lucinde Hutzenlaub zur Männergrippe
„Da gab es auch schon Nahtod-Erfahrungen“

 Bloß in Ruhe lassen, empfiehlt Lucinde Hutzenlaub. Hat Mann allerdings Fieber, hört der Spaß auf.
Bloß in Ruhe lassen, empfiehlt Lucinde Hutzenlaub. Hat Mann allerdings Fieber, hört der Spaß auf. FOTO: dpa / Andreas Gebert
Cottbus. Die Heilpraktikerin und Buchautorin erklärt das Phänomen Männergrippe, und was Frauen und Männer voneinander lernen können. Von Andreas Blaser

Das Thema ist ernst, wird aber nicht immer ernst genommen. Dieser Tage veröffentlichten die deutschen Gesundheitsbehörden die Fallzahlen der Grippesaison. Das Problem hält sich allerdings noch in Grenzen, da der Impfstoff offenbar gut wirkt. Es gibt aber eine Problemgruppe in der deutschen Gesellschaft, der es nicht nur manchmal richtig schlecht geht: die Männer. Die RUNDSCHAU sprach darüber mit Lucinde Hutzenlaub. Die Heilpraktikerin hat über Männergrippe & Co. mit der Ärztin Dr. Anna Herzog ein Buch geschrieben.

Frau Hutzenlaub, bevorzugen Sie ein ernsthaftes Gespräch oder kann es auch etwas ironisch werden?

Hutzenlaub Das kann durchaus humorvoll werden. Man kann das Thema ja von beiden Seiten betrachten.

Kann man darüber überhaupt ausschließlich ernsthaft reden?

Hutzenlaub Durchaus. Denn die Männergrippe hat ja einen ernsten Hintergrund.

Was können Sie denn Frauen empfehlen, die einen an Männergrippe oder einer anderen tödlichen Krankheit leidenden Mann zu Hause haben?

Hutzenlaub Zwei Dinge: Erstens liebevolle Zuwendung und Wertschätzung für den Mann und zweitens Rotwein, Schokolade und einen Kinofilm.

Rotwein, Schokolade und ein Kinofilm sollen bei einem „kranken“ Mann helfen?

Hutzenlaub Nein, für die Frau. Den Mann sollte sie am besten in Ruhe lassen, wenn er seine Ruhe haben will – wobei die Herrschaft über die Fernbedienung des Fernsehers auch schon viel geholfen haben soll . . .

  Lucinde Hutzenlaub lebt mit Mann und vier Kindern bei Stuttgart. Sie arbeitet als Heilpraktikerin und Buchautorin.
Lucinde Hutzenlaub lebt mit Mann und vier Kindern bei Stuttgart. Sie arbeitet als Heilpraktikerin und Buchautorin. FOTO: Jakob Geissele / JAKOB GEISSELE PHOTOGRAPHY

Woher haben Sie denn Ihr Wissen und Ihre Weisheiten?

Hutzenlaub Gehen Sie mal in ein Café und hören zu dieser Jahreszeit einigen Frauenrunden zu. Da geht es auch immer wieder um Männer, die „krank“ und leidend zu Hause liegen. Außerdem kenne ich aus meiner Erfahrung als Heilpraktikerin und auch von Freunden und Bekannte etliche derartige Fälle. Das krasseste Beispiel: Ein Freund hat mal gesagt, lieber jeden Tag eine Zahnwurzelbehandlung als auch nur einen Tag so richtig erkältet.

Das ist nicht Ihr Ernst?

Hutzenlaub Doch. In der Tat.

Erkranken und leiden Frauen und Männer denn wirklich anders oder empfinden sie das nur so?

Hutzenlaub Frauen sind zwar schmerzempfindlicher, aber auch schmerzgewohnter als Männer – das ist schon aus biologischen Notwendigkeiten so. Dadurch können Frauen aber Schmerzen auch besser einordnen und leiden nicht so extrem wie Männer. Da gab es offenbar auch schon Nahtod-Erfahrungen . . .

Inwieweit gibt es außerdem noch einen tatsächlichen naturwissenschaftlichen Hintergrund für dieses unterschiedliche Leiden?

Hutzenlaub Es gibt wirklich einen Erklärungsansatz dafür. Frauen haben zwei X-Chromosomen, Männer ein X- und ein Y-Chromosom. Die Immunabwehr befindet sich aber eben auch genau dort. Und ein Y kann nicht so sicher stehen wie das zweite X. Das macht Männer anfälliger für Krankheiten . . . Quatsch. Naturwissenschaftler haben allerdings wirklich herausgefunden, dass auf den X-Chromosomen mehr fürs Immunsystem zuständige Gene sind. Dadurch sind Frauen möglicherweise im Vorteil, weil sie einfach weniger anfällig für manche Krankheiten sind.

Wo ziehen Sie denn die Grenze zwischen einer Männergrippe und einem wirklich erkälteten oder grippekranken Mann? Wo hört der Spaß auf?

Hutzenlaub Wenn der Mann Fieber hat. Dann sollte er schleunigst den Arzt aufsuchen. Genau davon wollen Männer aber meist nichts wissen. Wenn sie eigentlich nichts haben, liegen sie fast im Sterben. Haben Männer aber wirklich etwas, heißt es häufig. Ach, geht schon.

Wie erklären Sie sich das?

Hutzenlaub Auch das ist durch unsere Gene bedingt. Während die Frauen mit ihrem Körper schon immer ungeborenes Leben schützen, dafür sorgen mussten, dass die Nachkommen überleben, und dementsprechend gesund bleiben mussten, waren die Männer auf der Jagd und da größeren Gefahren als die Frauen ausgesetzt. Daraus resultiert auch, dass die Männer im Kampf mit einem sichtbaren Gegner stärker sind, während sie die unsichtbaren Viren extrem verunsichern.

Was können denn Männer von Frauen im Umgang mit Schmerzen und Krankheiten lernen?

Hutzenlaub Vor allem Vorbeugung. In Bezug auf Grippe hilft schon sehr viel regelmäßiges Händewaschen. Außerdem sollten sie mehr Obst und Gemüse essen. Und sie sollten sich auch nicht so wichtig nehmen, wenn mal der Hals kratzt . . . Die Welt dreht sich auch ohne sie weiter.

Und umgedreht? Gibt es da auch etwas, was Frauen von den Männern lernen können?

Hutzenlaub Durchaus. Während sich Männer schon bei Kleinigkeiten krank ins Bett legen, gehen nicht selten Frauen auch noch mit Fieber zur Arbeit. Dabei gehören sie ins Bett. Da machen Männer schon viel richtig.

Frau Hutzenlaub, zum Schluss noch eine persönliche Frage. Haben Sie auch so ein männliches Weichei zu Hause liegen?

Hutzenlaub Mein Mann ist da schon pflegeleicht, wenn er krank ist. Der legt sich dann einen Tag ins Bett, will nicht gestört werden und dann ist wieder gut. Aber mein Sohn braucht da schon noch eher liebevolle Zuwendung und Aufmerksamkeit. Der ist aber auch erst zwölf Jahre alt.

Dr. Anna Herzog & Lucinde Hutzenlaub: Männergrippe – Husten, Schnupfen, Heiserkeit und andere für Kerle lebensbedrohliche Zustände, Eden-Verlag