Die Polizei hat unter anderem in Cottbus gegen rechtsextreme, kriminelle Strukturen durchgegriffen. Die RUNDSCHAU sprach darüber mit Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD).

Herr Minister, wie bewerten Sie die Polizeiaktion in Cottbus?

Schröter Sie war nötig, sie war lange vorbereitet und wie es ausschaut, ist sie auch nicht vorab durchgesickert, so dass ich davon ausgehe, dass wir zu neuen Erkenntnissen gelangen werden.

Welche Rolle spielt diese Mischung aus Hooligans, Rechtsradikalen und Sicherheitsgewerbe in der Region?

Schröter Ganz offensichtlich hat sich in der Lausitz ein festes Geflecht gebildet. Im Kern scheinen es oft immer wieder dieselben Personen zu sein, die sich nur in unterschiedlichen Konfigurationen zusammensetzen. Die Milieus überlagern sich. Und in Teilen der Bevölkerung ist es deswegen zu Verunsicherung gekommen, zum Beispiel bei denen, die mit einer anderen Meinung ins Stadion gehen. Deshalb halte ich es für wichtig, dass der Staat klar zeigt, wer hier Herr im Haus ist.

Sie haben einst die „Spreelichter“ verboten. Hat das was gebracht?

Schröter Wir haben die Strukturen zerschlagen und konnten dadurch logistische Mittel beschlagnahmen, die den Aktivisten nicht mehr zur Verfügung standen. Die Aktivisten waren danach auch sehr kleinlaut geworden. Ich bin gespannt, welche Dinge wir im Zusammenhang mit den Durchsuchungen heute finden werden.

„Inferno Cottbus“ hat sich vor einem Vereinsverbot selbst aufgelöst. Wird es jetzt doch noch verboten?

Schröter „Inferno“ können wir im Nachhinein nicht mehr verbieten. Aber wir werden sehen, zu welchen Erkenntnissen wir nun kommen: Es könnte ja sein, dass da neue Strukturen im Wachsen waren. Dem entziehen wir rechtzeitig den Nährboden.

Was muss politisch geschehen, dass solche Strukturen nicht mehr wachsen?

Schröter Die politischen Funktionsträger, die Verantwortlichen in der Region, müssen natürlich ganz klar Flagge gegen rechts zeigen.Wir suchen da den engen Kontakt und den Schulterschluss zwischen Land und Kommunen.

Unternehmen die Verantwortlichen in Cottbus genug?

Schröter Es wird schon viel getan. Aber es gibt immer Luft nach oben. Im Übrigen geht es hier auch nicht allein um Cottbus, das Netzwerk geht deutlich darüber hinaus.

Mit Karl-Heinz-Schröter
sprach Benjamin Lassiwe