ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:39 Uhr

Integrationsdebatte
Zwischen Zukunftshoffnung und Unsicherheit

Polizei und Ordnungsamt gehen gemeinsam in der Cottbuser Innenstadt Streife.
Polizei und Ordnungsamt gehen gemeinsam in der Cottbuser Innenstadt Streife. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Ringvorlesung an der BTU widmet sich den Stimmungslagen in Cottbus Von Andrea Hilscher

Seit inzwischen drei Semestern beschäftigt sich eine Ringvorlesung am Institut für Soziale Arbeit mit der aktuellen Debatte um Migration in Cottbus. Neuer Schwerpunkt im Wintersemester: der Begriff Sicherheit.

Zum Auftakt versuchte Prof Dr. Nobert Pütter von der BTU Cottbus-Senftenberg, mit einer  provokanten Frage dem Phänomen der Sicherheit und dem „Mythos der Angst“ auf die Spur zu kommen. Er hat sich den Koalitionsvertrag der Regierungsparteien genau angeschaut und ist dabei immer wieder auf den Begriff der Sicherheit gestoßen. „Warum“, fragt er. Immerhin sei die Zahl der Kriminaldelikte seit 1993 um eine Million gesunken. Die Arbeitslosigkeit ist auf einem Tiefpunkt, das Bruttosozialprodukt dagegen steigt, ebenso wie die durchschnittliche Lebenserwartung.

„Trotzdem erleben wir aktuell einen Rückfall in Populismus und Chauvinismus“, sagt Pütter und nennt dafür gleich mehrere Ursachen. Seine These: Der Staat produziere enttäuschte Hoffnungen, weil er seinen Bürgern nicht mehr die ersehnten Sicherheiten bieten könne. Vollbeschäftigung werde mit immer mehr prekären Arbeitsplätzen geschaffen, die Rente werde gesichert, indem man das Rentenniveau absenkt und die Absicherung der Pflege im Alter werde privatwirtschaftlich organisiert. „Dazu die immer größere soziale und räumliche Mobilität, lieb gewordene Alltagspraktiken und Gewohnheiten werden immer schneller entwertet.“

In eine solche Stimmung hinein kommen Migranten, die „als Boten eines unregierbaren Zeitalters“ wahrgenommen werden. Norbert Pütter: „Das knüpft an tradierte rassistische Muster an – die Gefahr kommt immer von Außen.“ Um diese Gefahr zu bannen, werden sozialpolitische Probleme als Probleme fehlender innerer Sicherheit wahrgenommen.

Aktuelle Antwort der Politik: Mehr Polizeipräsenz in Cottbus, ein neues Sicherheitszentrum in der Innenstadt, ein schärferes Polizeigesetz in Brandenburg. „Aus bürgerrechtlicher Sicht sollten wir lieber über eine Politik der Chancen und der Fähigkeiten reden als über die Schaffung defensiver Sicherheitsarchitekturen“, so der Politikwissenschaftler.

Die nächste Ringvorlesung findet am 13. November statt. Thema: Das menschliche Bedürfnis nach Sicherheit, die Furcht vor dem Fremden und die Entwicklung von Vorurteilen. Beginn 18 Uhr, Lehrgebäude 10, Campus Sachsendorf.