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| 18:00 Uhr

Integration
Die Stadt stockt weiter auf

Cottbus. Nach den zehn Schulsozialarbeitern sollen vier weitere Stellen Integrationsarbeit erleichtern. Von Daniel Schauff

Die Stadt stockt weiter auf. Vier neue Mitarbeiter sollen künftig die Stadtverwaltung bei der Integrationsarbeit unterstützen, angedockt in Jugend-, Kultur- und Gesundheitsamt. Stefanie Kaygusuz-Schurmann, Asylkoordinatorin der Stadt, hat am Mittwochabend im Sozialausschuss die neuen Ausschreibungspläne der Stadt erörtert. Demnach soll in der Erziehungsberatung, bei der Volkshochschule (VHS), im Kinder- und Jugendgesundheitsdienst und im Sozialpsychiatrischen Dienst neue Sozialarbeiter oder Psychiater eingestellt werden.

Und was sollen die bringen? Die Aufgabengebiete der künftigen Mitarbeiter sind bereits klar umrissen und sollen die Arbeit der Ämter „kultursensibler“ machen. Heißt: Erziehungsberatung etwa in geflüchteten Familien ist eine andere als die in deutschen Familien. Ein Beispiel hatte der Leiter der Ausländerbehörde Cottbus und Spree-Neiße, Carsten Konzack, erst kürzlich parat. Die Familienkonstellationen seien in den Familien nicht selten verdreht, Minderjährige drohten ihren Eltern mit dem Jugendamt, entzögen sich damit jeder Maßregelung. Unterstützung für die Eltern hatte auch Konzack für dringend notwendig erklärt, eine neue Vollzeitstelle in der Erziehungsberatung soll dort ansetzen.

Mit einer neuen Stelle im Kinder- und Jugendgesundheitsdienst soll ein Beratungsnetzwerk entstehen. Gesundheitliche, soziale und Entwicklungsprobleme bei jungen Geflüchteten sollen künftig früher erkannt werden. Das Ziel: Chancengleichheit für diejenigen, die eine Flucht hinter sich haben und in ein Land kommen, in dem sie womöglich nicht einmal die Sprache kennen.

Flucht und Migration führt nicht selten zu psychischer Belastung, die krankhaft werden kann. Hilfe im deutschen Gesundheitssystem aber auch ganz konkret mit der Unterstützung von Begegnungsmöglichkeiten, bei der Bewältigung komplexer Probleme und der möglichst selbstbestimmten Lebensführung für psychisch belastete Geflüchtete will künftig der Sozialpsychiatrische Dienst mit einer weiteren Stelle abdecken. Konflikten und Krisen soll damit vorgebeugt werden, heißt es in dem Aufgabenkatalog für die noch zu schaffende Stelle.

An der VHS soll es verstärkt darum gehen, notwendige Bildung zu vermitteln. Die Alphabetisierung etwa sei nicht selten ein Thema, sagt Stefanie Kaygusuz-Schurmann. Mit der Etablierung von Bildungsprogrammen sollen Lücken geschlossen werden, die eine Integration im Schulalltag oder auf dem Arbeitsmarkt kaum möglich machen würden.

Mit den vier weiteren Stellen legt die Stadt konkrete Pläne für insgesamt 14 von mehr als 30 neue Stellen vor, die im Rahmen der Hilfe der Landesregierung für die Integrationsarbeit in Cottbus kommen. Auf Ausschreibungen für insgesamt zehn Schulsozialarbeiterstellen gab es über 30 „hochqualifizierte“ Bewerbungen, wie Ordnungsdezernent Thomas Bergner erst kürzlich berichtete. Gibt das Stadtparlament Ende des Monats auch für die vier weiteren zusätzlichen Stellen das Okay, flattern der Stadtverwaltung demnächst neue Bewerbungsschreiben in den Briefkasten oder den E-Mail-Empfang.

Auf die Auswirkungen auf den angespannten Haushalt müssen sich weder Stadtverordnete noch -verwaltung Sorgen machen. Die Kosten übernimmt das Land, pro Stelle sind das 63 600 Euro. Auch für die noch ausstehenden Neuanstellungen in der Sozialarbeit gilt: Die Kosten trägt das Land. Etwa im Bereich Streetwork und in Frauenhäusern sollen die neuen Mitarbeiter künftig eingesetzt werden, hatte Stefanie Kaygusuz-Schurmann bereits kurz nach der Zusage aus Potsdam angekündigt – Arbeitsbereiche, die von freien Trägern übernommen werden.