Die Diagnose ist längst bekannt. Die A 15 und die A 13 leiden beide unter Betonkrebs. Das ist eine etwas saloppe Bezeichnung für die Alkali-Kieselsäure-Reaktion, kurz AKR.
Doch im Grunde passt das Bild von der wuchernden Krankheit. Denn die Schadstellen setzen sich ähnlich wie Metastasen beim Krebs weiter fort, wenn dagegen nicht vorgegangen wird.
Eine Behandlung ist dringend nötig. Nur setzt hier nicht der Chirurg das Skalpell an, sondern der Bauarbeiter die Fräse. Das geschieht ab dem 22. Juni auf der A 15 zwischen Vetschau und Cottbus. Doch schon jetzt müssen die Autofahrer mit Einschränkungen leben.

Unverständnis über die erneute Verkehrseinschränkung auf der A 15

Steffen Müller ist frustriert. Er fährt täglich auf dem Weg zur Arbeit über den Autobahnabschnitt und fragt sich: „Wieso wird nun schon wieder der fast komplette Abschnitt zwischen Cottbus und Vetschau zur Baustelle in beiden Richtungen?“ Sein Eindruck: „Komischerweise werden meist vorher freigegebene Abschnitte eingeschränkt und saniert.“
Thomas Mattuschka kann den Missmut verstehen. Dabei ist der Chef der Bauüberwachung Autobahn Süd beim Landesbetrieb Straßenwesen für die Baustelle verantwortlich. „Viele Leute sagen: Die bauen ja an der selben Stelle schon wieder.“ Irgendwie stimmt das sogar.
Denn im vergangenen Jahr wurden bereits 14 Kilometer Fahrbahn zwischen Vetschau und Cottbus-West erneuert, bestätigt Thomas Mattuschka. 2019 war es die linke Fahrspur. Jetzt ist die rechte fällig. Beide Fahrspuren auf einmal zu sanieren, wäre nicht möglich gewesen, so Thomas Mattuschka. „Sonst hätten wir die Autobahn sperren müssen.“

Auf der A 15 sind noch keine Bauarbeiter zu sehen, aber Absperrungen

Noch haben die Bauarbeiter keine Hand an die Fahrbahn angelegt. Trotzdem ist der Autobahnabschnitt in beide Fahrtrichtungen auf jeweils eine Spur eingeengt. Nach dem Pfingstwochenende tauchten die ersten Absperrungen auf. Pendler Steffen Müller beklagt: „Man sieht dort nie jemanden arbeiten.“
Tatsächlich laufen derzeit noch die Vorbereitungen für die Bauarbeiten, bestätigt Daniel Baensch. Er ist der Vize-Autobahnmeister. „Für die Baustelleneinrichtung benötigen wir mindestens zwei Wochen.“
Überfahrten müssen gebaut, Betonschutzwände aufgestellt, Nothaltebuchten und Notöffnungen für Feuerwehr und Autobahnmeisterei eingerichtet werden. „Noch fahren die Autos durch das künftige Baufeld“, erklärt Daniel Baensch. Die Überleitung wird demnach erst am 22. Juni erfolgen. Dann rücken auch die Bauarbeiter mit ihrem Gerät an.

Auf der A 15 werden auch neue Sicherheitsstandards umgesetzt

Zwischen den Anschlussstellen Vetschau und Cottbus West ­wird laut Bauüberwacher Mattuschka nicht nur die Fahrbahn mit einer zehn Zentimeter dicken Asphaltschicht versehen. „Die Schutzplanken auf dem Mittelstreifen und an der Seite werden angepasst.“
Das hänge mit neuen Sicherheitsstandards zusammen. Die neuen Planken sind nicht nur höher, sondern auch besser verstärkt. „Damit kein Lkw mehr auf die entgegengesetzte Fahrbahn durchbrechen kann.“ In dem Zuge wird auch die Entwässerung der Straße auf Vordermann gebracht, und die Notrufsäulen werden angepasst. Für die Instandsetzung der acht Autobahn-Kilometer gibt das Land gut vier Millionen Euro aus. Die Arbeiten sollen laut Plan bis Ende September erledigt sein.

Lübbenau/Vetschau

Damit nicht genug: Im Sommer kommt ein weiteres Baufeld auf der A 15 hinzu. Zwischen den Anschlussstellen Cottbus West und Cottbus Süd muss ebenfalls die Fahrbahn erneuert werden – inklusive der Auffahrt Cottbus Süd. Daniel Baensch präzisiert: „Das ist der Abschnitt zwischen Autohaus Schulze und der Spreebrücke. Dort wird die rechte Seite erneuert.“ Die Arbeiten sollen bis zum Wintereinbruch im November abgeschlossen sein.

Zehn Kilometer auf der A 15 sind im Jahr 2021 dran

Die Aussichten für Berufspendler wie Steffen Müller? Im Jahr 2021 geht es weiter mit den Autobahn-Baustellen. Denn laut Thomas Mattuschka benötigt noch ein zehn Kilometer langer Abschnitt zwischen Vetschau und Cottbus West eine Betonkrebs-Behandlung. Genauere Angaben dazu gibt es derzeit noch nicht. Dann sei die Autobahn zwischen dem Spreewald und Cottbus erst einmal durchsaniert.