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| 02:33 Uhr

In der Cottbuser Innenstadt verschwinden die Lücken

Bauen in zweiter Reihe: Zwischen der Kirche St. Maria Friedenskönigin und der Breitscheidstraße entstehen mehrere Wohnhäuser.
Bauen in zweiter Reihe: Zwischen der Kirche St. Maria Friedenskönigin und der Breitscheidstraße entstehen mehrere Wohnhäuser. FOTO: Kompalla
Cottbus. In den nächsten Jahren entstehen rund 1000 neue Wohnungen in der City. Bauen wird komplizierter, denn längst geht es in die zweite Reihe. Das bringt neue Probleme mit sich. Peggy Kompalla

Es gibt sie nur noch vereinzelt. Die großen Baugrundstücke werden langsam rar in der Cottbuser Innenstadt. Längst entstehen neue Wohnhäuser in der zweiten Reihe oder es werden Lücken in Straßenzügen geschlossen. Das beobachten Baubürgermeisterin Marietta Tzschoppe (SPD) und das Team um Stadtentwickler Egbert Thiele mit Wohlwollen. Schließlich entspricht es der gewünschten Stadtentwicklung von außen nach innen. Der positive Effekt hat aber auch seine Tücken.

Derzeit gibt es kaum eine Straße in der Cottbuser Innenstadt, in der sich keine Kräne drehen oder zumindest ein Haus saniert wird. In der Wernerstraße wachsen gleich mehrere neue Wohnhäuser - gegenüber der Kammerbühne und direkt neben der einstigen Loge. Die Baukonjunktur ist ungebrochen. Längst wagen sich die Bauherren auch an schwierige Standorte - wie das frühere Fleischkombinat an der Petersilienstraße. Oder sie bauen in der zweiten Reihe - wie zwischen der Kirche St. Maria Friedenskönigin und Breitscheidstraße.

Damit wächst der Druck auf die Innenstadt. Egbert Thiele versichert: "Angebot und Nachfrage sind ausgewogen. Es gibt noch genügend Baupotenzial für die nächsten zehn Jahre." Er bestätigt jedoch: "Allerdings werden die Grundstücke komplizierter." Die meisten Konflikte gibt es laut Marietta Tzschoppe mit den nötigen Parkplätzen und dem Naturschutz. "Entstehen größere Mehrfamilienhäuser muss auch über einen Spielplatz nachgedacht werden. Davon haben wir in der Innenstadt nicht genug."

Das soziale Gefüge verändert sich. "Wir haben in der Innenstadt eine verstärkte Nachfrage nach Kita- und Grundschulplätzen", bestätigt die Bürgermeisterin. "Deshalb prüfen wir derzeit beispielsweise, ob wir für das Gemeinwohl die Fläche an der Barackenstadt für einen Kita-Neubau nutzen." Das Bauland der Stadt steht zum Verkauf. Darum haben sich drei Investoren beworben.

Bauunternehmer Jörg Schnapke hat selbst mehrere Wohnhäuser in der Innenstadt errichtet und plant weitere Bauprojekte. Der CDU-Stadtverordnete erklärt: "Der Drang in die Innenstadt hat zur Folge, dass wir die Schul-, Kita- und Einzelhandelskonzepte überarbeiten müssen." Er sieht die Veränderungen als große Chance: "In Zukunft entwickeln wir uns zur Schlafstadt von Berlin. Die Menschen haben ein Bedürfnis nach Ruhe, Grün, wenig Kriminalität und gute Schulen. All das bietet Cottbus." Allerdings sei es dafür nötig, noch mehr neuen Wohnraum zu schaffen, der den modernen Bedürfnissen und Qualitätsansprüchen der Menschen entspricht.

Das ist ganz im Sinne der Stadtentwickler. Sie verstehen Cottbus als Entlastungsstandort für die Hauptstadt. Dabei ist Cottbus auch auf äußere Faktoren angewiesen - wie eine schnelle und zuverlässige Zuganbindung. An der wird zwar geplant. Doch es dauert noch viele Jahre bis das zweite Gleis nach Berlin gebaut wird. Auch eine Direktverbindung zum BER ist noch offen.

Die großen Brachen sind verschwunden oder berteits verkauft und verplant. Die Enke-Fabrik wird derzeit umgebaut. Der Wichern-Komplex ist verkauft. Darauf sollen neue Wohnhäuser entstehen. Am Schlossberg stehen sie längst. So werden nach Angaben der Stadtplaner in den nächsten Jahren rund 1000 Wohnungen in der Innenstadt geschaffen. Die Investitionen werden insgesamt auf rund 100 Millionen Euro geschätzt.

Stadtplaner Egbert Thiele sagt: "Die Stadt selber hat immer weniger Bauflächen. Das verschiebt sich mehr und mehr auf den Privatmarkt." Es entsteht aber auch neuer Baugrund. So wird nach dem Umzug des Busbahnhofs an der Marienstraße Platz für neue Wohnhäuser frei.

Zum Thema:
Laut dem Kommunalstatistischen Heft der Stadt Cottbus existierten zum 30. Juni 2015 rund 15 400 Wohngebäude mit 57 700 Wohnungen in der Stadt. Allein im ersten Halbjahr 2015 entstanden demnach 53 neue Häuser mit 109 Wohnungen. Gleichzeitig wurden in dem Halbjahr Baugenehmigungen für 92 Häuser mit 186 Wohnungen erteilt, darunter 72 Neubauten mit 146 Wohnungen.