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| 17:45 Uhr

Diskussion
An der Innenseite der Legalität

Markus Derling und Maria Nooke
Markus Derling und Maria Nooke FOTO: Simone Wendler
Cottbus. Diskussion über oppositionelle Gruppen vor 1989 in der Lausitz Von Simone Wendler

Maria Nooke, Beauftragte des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der DDR-Diktatur, äußert an diesem Abend in Cottbus einen Wunsch. Wenn im kommenden Jahr der 30. Jahrestag der friedlichen Revolution begangen wird, dann sollte auch näher auf die lokalen Gruppen geschaut werden, die sich schon vor dem Herbst 1989 im Osten für Menschenrechte, gegen Umweltverschmutzung und Militarisierung der Gesellschaft engagiert haben. Dieser Wunsch wird vermutlich jedoch nicht in Erfüllung gehen, denn das öffentliche Interesse an diesem Thema ist sehr begrenzt.

Das zeigte die Diskussion dazu, zu der die Friedrich-Ebert-Stiftung am Donnerstagabend in das Stankt-Johannes-Haus der katholischen Kirche in Cottbus eingeladen hatte. Etwa 30 Menschen kamen, darunter mehrere ehemalige Mitglieder oppositioneller Gruppen der Region. Sechs solcher Zusammenschlüsse im ehemaligen Bezirk Cottbus standen, so Maria Nooke, auf einer im September 1989 angefertigten Liste der Staatssicherheit über Gruppen der „Politischen Untergrundtätigkeit“. Dazu gehörte die 1987 gegründete Umweltgruppe Cottbus, mit etwa 50 Mitgliedern der größte Zusammenschluss, sowie kleinere Zirkel in Finsterwalde, Hoyerswerda, Spremberg und Forst, wo die heutige Diktaturbeauftragte des Landes aktiv war.

Sich „an der Innenseite der Legalität“ zu bewegen, das sei das Motto der Arbeit in diesen Gruppen gewesen, so Maria Nooke: „Keiner wollte ins Gefängnis.“ Schutz bot ihnen die Kirche, die für innerkirchliche Arbeit auch über Kopiergeräte verfügte. Wie bei Markus Derling spielte bei den meisten Beteiligten der christliche Glaube und die Ablehnung der zunehmenden Militarisierung der DDR in ihren letzten Jahren eine wichtige Rolle bei dem Motiv, sich zu engagieren.

Derling gehörte zur Cottbuser Umweltgruppe, die im Sommer 1989 auch die Fälschung der Kommunalwahlen in der Stadt aufdeckte. Er war einer der wichtigen Akteure im Herbst 1989, als es darum ging, Demonstrationen zu organisieren und öffentlich das Wort zu ergreifen. Am Donnerstagabend saß er neben Maria Nooke auf dem Podium.

Das Gespräch der beiden, moderiert von Historiker Christoph Wunnicke, und auch Fragen und Statements von Zuhörern drehten sich um die inhaltliche Ausrichtung der Gruppen, ihre Kontakte untereinander und Repressionen gegen die Mitglieder. Während Maria Nooke auch auf Festnahmen verwies, konnte Derling das nicht bestätigen: „Die haben uns ja nicht mal festgenommen, als wir in Cottbus das neue Forum gegründet haben.“

Persönliche Repressionen mussten dagegen viele der Lausitzer hinnehmen, die sich unter dem Dach der Kirche Ende der 80er Jahre für Bürgerrechte und Umweltschutz engagierten. „Es kam dabei aber auch immer auf die einzelnen Menschen an, mit denen wir auf der anderen Seite zu tun hatten“, sagte Martin Kühne, auch er ein ehemaliger Oppositioneller. Sein Chef habe ihn beispielsweise nie „verpfiffen“.

Auch wenn oppositionelle Gruppen in der Region Ende der 80er Jahre klein waren, sei ihre Arbeit nicht zu unterschätzen gewesen. Darauf wies Maria Nooke in Cottbus hin: „Die hatten örtlich durchaus eine Wirkkraft und haben etwas bewegt.“ Probleme von Umweltschutz und Ökologie, auf die aufmerksam gemacht wurde, seien durchaus von staatlichen Stellen teilweise aufgegriffen worden. Das belegten Akten.

Und Mitglieder dieser Gruppen seien dann im Herbst 1989 wichtige Akteure gewesen, die Friedensgebete und Demonstrationen organisierten, politische Gruppen wie den Demokratischen Aufbruch und das Neue Forum gründeten und die Stasi-Dienststellen besetzten. Markus Derling auf dem Podium und Zuhörer wie Wolfgang Bialas und Martin Kühne sind dafür Beispiele.