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In Cottbus soll die Erinnerung an DDR-Unrecht wachgehalten werden

Sylvia Wähling und Gino Kuhn haben bei der Gedenkveranstaltung die ersten von 1600 Steinen für das Gedenkobjekt verkauft. Foto: rur1
Sylvia Wähling und Gino Kuhn haben bei der Gedenkveranstaltung die ersten von 1600 Steinen für das Gedenkobjekt verkauft. Foto: rur1 FOTO: rur1
Cottbus. Das Menschenrechtszentrum Cottbus hat am Samstag während der Erinnerungsveranstaltung an den Mauerbau eine Gedenkaktion gestartet. Unter dem Motto „1 Ziegel für 1 Maueropfer“ werden 1600 Steine für an der Innerdeutschen Grenze, in der Ostsee und anderen Orten umgekommene DDR-Flüchtlinge angeboten. rur1

Aus speziell gefertigten Steinen mit den Namen der Todesopfers will der Künstler Gino Kuhn im Menschenrechtszentrum ein Gedenkobjekt schaffen. „Im Cottbuser Gefängnis wurden viele Menschen wegen versuchter Republikflucht und staatsfeindlicher Hetze eingesperrt“, sagte die Geschäftsführerin des Zentrums, Sylvia Wähling. Für diesen Erinnerungsort sprächen, dass es in Cottbus das größte politische Gefängnis der DDR und die größte Dichte an Inoffiziellen Mitarbeitern der Stasi gegeben habe.

Angesichts der überparteilichen Unterstützung für das Menschenrechtszentrum, die Oberbürgermeister Frank Szymanski (SPD) ebenso einschließe wie Dezernent Lothar Nicht (Linke), zeigte sich die Geschäftsführerin optimistisch, dass Kunstwerk und „Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus“ in absehbarer Zeit realisiert werden können.

Zur Veranstaltung waren etwa 50 Zuhörer gekommen, darunter viele ehemalige Cottbuser Häftlinge aus Nordhausen/ Erfurt, Berlin, Görlitz, Meißen und von der Insel Usedom. Nach Lesungen aus Erzählungen von DDR-Häftlingen über Verfolgung, Prozesse, Gefängnisse und die Ausreise in die Bundesrepublik schilderte Gino Kuhn sein Schicksal.

Mit 19 Jahren kam der Maler aus Heidelberg nach Westberlin. Dort fand er eine Wohnung in Kreuzberg mit Blick auf die Mauer und kam in Kontakt mit einer Fluchthelfergruppe. Bei einer Schleuserfahrt wurde Gino Kuhn durch Verrat mit drei DDR-Flüchtlingen im Kofferraum verhaftet. Er saß in Cottbus in Untersuchungshaft, erlitt Hungerarrest und Dunkelhaft und wurde zu sechs Jahren Haft verurteilt. „Meine Erlebnisse haben damals kaum jemanden im Westen interessiert. Auch dort muss heute mehr für die Aufarbeitung der Geschichte und ihre Weitergabe an die Jugend getan werden“, konstatierte der Maler.