ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:19 Uhr

Risiko Arbeitslosigkeit
Jedes vierte Kind armutsgefährdet

Cottbus. Fast 3000 Cottbuser Kinder und Jugendliche brauchen finanzielle Hilfe. Von Daniel Schauff

Mehr als jedes vierte Kind in Cottbus ist armutsgefährdet. Das geht aus der Statistik der Agentur für Arbeit von Ende 2017 hervor. Demnach waren es am 31. Dezember 2017 3893 Kinder und damit 26,1 Prozent, deren Familien nur rund 60 Prozent des Durchschnittseinkommens haben. Letzteres liegt in der Region bei rund 2400 Euro brutto.

Überraschend sind die Zahlen kaum – Cottbus ist zudem keine Ausnahme. Während im Westen der Bundesrepublik die Kinderarmutsquote unter 20 Prozent liegt, kämpft der Osten von Deutschland seit Langem gegen die hohe Armutsquote – bei Kindern wie Erwachsenen.

„Armut bedeutet hierzulande für Kinder meist nicht, kein Dach über dem Kopf oder kein Essen zu haben – die existenzielle Grundversorgung ist in der Regel gewährleistet. Arm zu sein heißt aber, auf vieles verzichten zu müssen, was für Gleichaltrige ganz normal zum Aufwachsen dazugehört“, hatte Sozialdezernentin Maren Dieckmann in einer Antwort auf eine Anfrage der Fraktion Unser Cottbus/FDP von Mai geschrieben. Die Zurückdrängung der Armut sei für die Stadt ein Schwerpunkt- und Querschnittsthema.

So liege Cottbus im Landesvergleich an der Spitze, wenn es um die Inanspruchnahme von Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) gehe, mit dem Kinder und Jugendliche die Möglichkeit haben, finanzielle Unterstützung zum Beispiel für Schulausflüge, persönlichen Schulbedarf, Lernförderung, Mittagessen oder die Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben zu bekommen. Die Jugendhilfeplanung der Stadt liefert nun Zahlen:

Demnach nahmen 2016 2961 Cottbuser BuT-Leistungen in Anspruch. Allein rund 2500 davon kamen aus Familien, die Arbeitslosengeld bekommen, nach dem Asylbewerberleistungsgesetz sind BuT-Leistungen auch für Zugewanderte verfügbar. In Anspruch nahmen das allerdings den Zahlen zufolge nur 30 Kinder und Jugendliche aus geflüchteten Familien.

Ein Blick auf die Cottbuser Stadtteile zeigt auch: Was die Inanspruchnahme der BuT-Leistungen angeht, zeichnet sich ein sehr unterschiedliches Bild ab. Während etwa in Mitte nur 484 Kinder und Jugendliche derartige Leistungen in Anspruch nehmen, sind es im Süden mit Sachsendorf, der Spremberger Vorstadt, Gallinchen und Groß Gaglow 1153. Im Norden mit Schmellwitz und den ländlicheren Stadtteilen von Cottbus wie Sielow, Saspow oder Skadow und im Osten mit Sandow und den östlich von Cottbus gelegenen dörflichen Stadtteilen wie Merzdorf, Dissenchen oder Kiekebusch liegen die Zahlen im Mittelfeld bei rund 600 und 700 jungen Cottbusern, die BuT-Leistungen beziehen. Allerdings: Im Süden der Stadt leben auch weitaus mehr Kinder und Jugendliche als in den übrigen Stadtteilen. 3505 sind es in Sachsendorf und Co., in Mitte etwa leben gerade einmal 1130.

Ein weiterer wichtiger Faktor – vor allem bei jungen Erwachsenen: die Arbeitslosenquote. 2016 waren insgesamt gut 4000 Cottbuser ohne Job und beim Jobcenter als arbeitslos gemeldet. 183 davon waren registrierte Jugendliche. Ein Vergleich zu den Vorjahren zeigt: Cottbus ist in dieser Hinsicht offenbar einen großen Schritt gegangen: 2004 waren noch 1446 Jugendliche arbeitslos gemeldet, 2014 waren es nur noch 346. Dass Arbeitslosigkeit und Armut zusammenhängen, lässt sich an den Zahlen in der Jugendhilfeplanung belegen.

Dass mit Abstand die meisten BuT-Leistungsempfänger auch Arbeitslosengeld-Empfänger sind, zeigt: Kinderarmut und Arbeitslosigkeit der Eltern hängen zusammen. Auch deshalb hat Maren Dieckmann in ihrer Antwort im Mai unter anderem gefordert, dass etwa Kindergelderhöhungen nicht auf das Sozialgeld angerechnet werde. Denn genau so gehe eine Kindergelderhöhung an den Kindern vorbei, die tatsächlich von Armut bedroht seien.

Eine weitere Forderung der Sozialdezernentin: Die Verstärkung der Schulsozialarbeit. Das ist mittlerweile passiert. Mit Landesmitteln hat die Stadt zehn neue Sozialarbeiterstellen geschaffen.

Eine weitere Forderung von Maren Dieckmann aus dem Mai ist in Potsdam nicht erhört worden. Die Sozialdezernentin hatte im Hinblick auf die Kinderarmut auch die Ausfinanzierung der dritten Betreuungsstufe in Kitas als wichtiges Instrument genannt. In der in diesem Jahr verabschiedeten Novellierung des brandenburgischen Kita-Gesetztes gibt es von der allerdings noch keine Spur.