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In 14 Nächten durch 72 Betten

Zwölf Dissener Feuerwehrleute besuchten jetzt Freunde in Clinton in Kanada, die sie durch die Internationale Folklorelawine 2015 kennengelernt hatten.
Zwölf Dissener Feuerwehrleute besuchten jetzt Freunde in Clinton in Kanada, die sie durch die Internationale Folklorelawine 2015 kennengelernt hatten. FOTO: privat
Dissen. Seit einigen Tagen sind sie zurück: Zwölf Dissener Feuerwehrkameraden, die zwei Wochen lang Freunde in Kanada besuchten, neue Freunde fanden und das schöne Land kennenlernten. "Wir haben 3381 Kilometer im Auto zurückgelegt, dabei 1014 Liter Sprit verbraucht. Marion Hirche / jul1

14 Mal hat jeder seine Koffer aus- und eingepackt. Insgesamt haben wir in 72 Betten gelegen in 14 Nächten. Außerdem haben wir uns in mindestens 17 verschiedene WLans eingeloggt, um nach Hause zu schreiben", resümiert Michaela Noack in ihrem Kanada-Reisetagebuch.

Die Dissener wollten vor allem Bernice und ihren Mann Graham wieder treffen. Die beiden waren 2015 Teilnehmer der Internationalen Folklorelawine des Spree-Neiße-Kreises und suchten damals Kontakt zu deutschen Feuerwehrleuten. Sie waren nach den Auftritten einen Tag lang zu Gast in Dissen. Jetzt war die Wiedersehensfreude groß. Am vierten Tag in Vancouver trafen sie sich mit der Kanadierin und fuhren gemeinsam in deren Heimat Clinton in British Columbia. Clinton ist ein Ort der so groß wie Dissen ist. Die Deutschen übernachteten im Haus von Bernice, lernten die Feuerwehr des Ortes kennen, übten den Einsatz gemeinsam. In den Folgetagen wurden weitere Feuerwehren besucht, die Dissener erfuhren, dass die kanadischen Floriansjünger viel mehr mit Verkehrsunfällen zu tun haben, als sie. Sie sahen, dass die Kleidung der Gastgeber-Wehren unterschiedlich ist und dass die Feuerwehrmänner je nach Ausbildungsstand unterschiedliche Helme tragen. Die Lausitzer sahen ein Feuerwehrmuseum, erfuhren vom Bürgermeister, dass auch hier der demographische Wandel ein Problem darstellt. Hier bekamen die Gäste eine Flagge von Clinton geschenkt. Zu den Höhepunkten gehörte der Besuch in der Schule. Die Dissener, die an diesem Tag wendische Trachten oder Kleidung verschiedener Berufsgruppen trugen, hielten einen Vortrag über Dissen, tanzten mit den Kindern Annemariepolka und verzierten Ostereier mit Wachsmaltechnik mit den Mädchen und Jungen. Nach einer ereignisreichen Woche, zu der auch das gemeinsame Singen, Musizieren, Grillen, Essen und Tiere füttern gehörte, fuhren die Dissener Richtung Calgary weiter. Dabei wechselten sie die Provinz Alberta. Wie schon auf der Fahrt nach Clinton sahen sie mehrere Nationalparks. Sie kamen mit Indianern, den Ureinwohnern Nordamerikas, ins Gespräch und erfuhren von ihrer Unterdrückungsgeschichte, sahen das auch hier stattfindende Waldsterben. Unterwegs trafen sie elf Braunbären, hatten Begegnungen mit Wapitis und anderen Tieren. Zum Programm gehörten eine Wildwasserraftingtour, eine Wasserflugzeugtour, ein Fahrradausflug. "Nur die Wale haben wir nicht gesehen. Aber insgesamt war es zwar eine anstrengende, aber tolle Tour. Die Mühen haben sich gelohnt. Ich war bestimmt nicht zum letzten Mal in Kanada", betont der Dissener Ortswehrführer Stephan Marrack. Jetzt ist aber erstmal Bernice mit dem Gegenbesuch wieder dran. "Sie hat gesagt, dass sie nicht so gern fliegt, aber für uns würde sie das schon noch mal auf sich nehmen", erklärt Michaela Noack.

Einige Dissener werden am Wochenende dabei sein, wenn die diesjährige Folklorelawine mit Gruppen aus zwölf Ländern in Lübbenau, Spremberg und Kolkwitz stattfindet, auch wenn diesmal keine Gruppe aus Kanada dabei ist.