Deshalb haben die Cottbuser mit der Uhr am Wahrzeichen ihrer Stadt, dem Spremberger Turm, seit langem Sorgen. Manchmal geht Turmuhr nach, an deren Tagen wieder geht sie vor. In der Nacht zum Donnerstag voriger Woche blieb sie genau 10 Minuten vor 1 stehen. Und stand dann erst mal bis zum Montagnachmittag.

Über den Grund sagt Benjamin Andriske, Vizechef des Cottbuser Turmvereins: "Die Uhrgewichte waren abgefallen. Der Grund ist Altersschwäche." Die Uhr habe eben schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel und nicht nur deshalb ihre Schwächen. Nicht umsonst sei nur eine einzige genau so gebaut worden. Damit die Uhr läuft, sei immer wieder die Improvisationskunst des Uhrmachers gefragt.

Die Ganggenauigkeit ist Einstellungssache. Temperaturschwankungen machen ein häufiges Nachjustieren nötig. Das hat der Turmverein in Abstimmung mit dem zuständigen Uhrmachermeister selbst übernommen. "Die Genauigkeit ist Einstellungssache. Da muss man immer wieder gucken und probieren", sagt Andriske.

Um das Jahr 1970 wurde die Turmuhr eingebaut. Uhrmachermeister Karl-Heinz Schlodder hat sie über viele Jahre gewartet. Nach den Worten des Spezialisten ist das, was den größten Reiz des Cottbuser Wahrzeichens ausmacht, auch die größte Gefahr für die Uhr. "Der Turm ist als Wehr- und Wachturm gebaut worden. Die Uhr hatte ihre Ruhe."

Jetzt ist der Turm ein beliebter Aussichtspunkt. Wenn Besucher hinaufsteigen, versetzen sie auch die Uhrenebene in Schwingungen. Geschieht das gerade in dem Moment, in dem der Motor die Gewichte hochzieht, bleibe das nicht ohne Auswirkungen. Schlodder rät: "Leute, die aufsteigen, sollten begleitet werden. Zumindest sollte es eine Videoüberwachung geben."