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| 10:43 Uhr

Imker klagen über hohe Verluste

Deutliche Winterverluste bei Bienen in Brandenburg.
Deutliche Winterverluste bei Bienen in Brandenburg. FOTO: Jan Woitas (dpa-Zentralbild)
Cottbus/Spree-Neiße. 40 Prozent Verlust bei den Bienenvölkern – so lautet die ernüchternde Bilanz des Landesimkerverbandes für diesen Winter. Auf ihren Jahreshauptversammlungen im Spree-Neiße-Kreis und in Cottbus in der vergangenen Woche bestätigten die Südbrandenburger Bienenzüchter diese Landesstatistik. Von Marion Hirche

Udo Menzel hatte die meisten seiner Bienenstöcke im Winter an seinem Grundstück zu stehen. "Ich habe normale Verluste. Schwierig ist es natürlich immer mit den Bienen, die den Heidehonig eintragen. Die Heide blüht spät und deshalb kann man erst sehr spät mit der Behandlung gegen die Varroamilbe beginnen. Im Zusammenwirken mit Viren ist die der größte Feind unserer Bienen", sagt der Neuendorfer. Er hat das Wochenende genutzt, um die Bienenstöcke in Ordnung zu bringen. Insgesamt freut sich der Imker aus dem Teichländer Ortsteil über den Mitgliederzuwachs in seinem Imkerverein Teichland und Umgebung: "Zur Wende hatten wir zwölf Mitglieder, jetzt sind wir 27. Wir haben jetzt wieder zwei Anfänger und helfen natürlich beim Start mit." Auch bei großen Verlusten, also wenn fast alle Bienenvölker gestorben sind, sind Imker solidarisch. In Menzels Nachbarschaft ist Imker Karl-Heinz Moorstein tätigt. Von 35 seiner Bienenvölker haben 33 den Winter unbeschadet überstanden. "Das ist ein normaler Verlust, da bin ich ganz froh. Anscheinend habe ich alles richtig gemacht bei der Behandlung meiner Honigbringer." Am Wochenende hat er zusätzliches Futter für die kleinen Brummer eingebracht: "Die brauchen jetzt im März und April viel Futter für die Aufzucht des Nachwuchses und in der Natur gibt es noch nicht so viel zu holen", sagt der Mauster. Imker Reinhard Schultke aus Drewitz hat keine Schäden bei seinen Völkern: "Entscheidend sind für mich die Standorte der Völker. Da habe ich wohl mit Plätzen bei mir auf dem Grundstück und bei Bekannten eine gute Wahl." Am 23. März treffen sich die Teichländer Imker zur Mitgliederversammlung im Kastanienhof in Neuendorf.

Dieter Dziumbla aus Burg hat noch keine endgültige Übersicht über seine Verluste, aber die Tendenz sieht positiv aus. Am Wochenende hat er auch extra Futter für die Bienen gegeben und hat tote Tiere entfernt.

Nicht ganz so gut fällt die Bilanz der Forster Imker aus. Andreas Kählig berichtet vom 70prozentigen Verlust seiner Völker. Am Wochenende hatte er die Jahreshauptversammlung in seinem Verein. Dort wurden durchwachsene Verlustzahlen deutlich: "Bei unseren Mitgliedern reicht das Ergebnis von Totalverlust bis normal. Zum Glück ist die Bilanz bei unserem Wagen im Rosengarten gut." Kählig sieht in diesem Ergebnis den Beweis, dass sich die Monokulturen der Landwirtschaft negativ für die Bienen und darüber hinaus für die gesamte Tierwelt auswirken.

Auch die Cottbuser Imker, den Verein gibt es schon seit 142 Jahren, trafen sich in der vergangenen Woche zur Beratung im "Brandenburger Hof". Der Vereinsvorsitzende Wilfried Jank freute sich über eine hohe Beteiligung. Von den 67 Vereinsmitgliedern waren 45 anwesend. Er sammelte Bilanzbögen ein und daraus wird eine sehr unterschiedliche Zahl der kaputt gegangenen Völker im Winter deutlich: "Wir haben auch von wenig bis alle bei unseren Zahlen. Ich hatte 20 Prozent Verlust, wir haben aber auch ein Mitglied, bei dem von 20 nur drei Völker überlebt haben." Neben der zu spät gestarteten Behandlung gegen die Varroamilbe sieht der erfahrene Cottbuser Imker vor allem die Landwirtschaft als Verursacher des Bienensterbens: "Die Agrarwüsten in Werben oder in Krieschow haben für uns deutliche negative Ergebnisse gebracht. An der Biogasanlage gibt es eben schlechte Trachtverhältnisse, die Sonnenblumenfelder bei Werben haben nichts gebracht. Hier muss es ein besseres Miteinander mit der Landwirtschaft geben, schließlich geht es auch um Lebensräume für Insekten und Vögel." In einem Punkt sind sich aber alle Imker einig: "Auch 2017 wird es wieder für leckere Honigbrötchen für alle, die es wünschen, reichen."


Internationale Bienenkonferenz
Fachleute aus vielen Ländern treffen sich Ende des Monats in Berlin. Hier wird vom 28. bis 29. März zur Internationalen Bienenkonferenz geladen. Ziel ist es, einen international abgestimmten Ansatz zum Schutz der Bienen voranzubringen. Dazu bietet der Konferenz Imkern, Landwirten, Wissenschaftler und Politikern aus aller Welt sowie Vertretern relevanter internationaler Organisationen die Gelegenheit. Mehr Infos gibt es auf www.bmel.de.