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| 12:41 Uhr

Filmvorstellung im Obenkino
Im Schatten der Geschichte

Regisseur Martin Farkas (l.) und Martin Hampel (r.) von der Stiftung SPI stellen den Film "Über Leben in Demmin" vor.
Regisseur Martin Farkas (l.) und Martin Hampel (r.) von der Stiftung SPI stellen den Film "Über Leben in Demmin" vor. FOTO: LR / Julian Münz
Cottbus. Regisseur Martin Farkas hat mit seinem Dokumentarfilm „Über Leben in Demmin“ in Cottbus Station gemacht. Julian Münz

Als gegen Ende des Zweiten Weltkrieges in einer Kleinstadt in Mecklenburg-Vorpommern die Rote Armee anrückt, nehmen sich mehrere Hundert Menschen das Leben. Die Tragödie belastet die Stadt noch heute – auch weil rechtsextreme Gruppen das Ereignis jedes Jahr für politische Märsche ausnutzen.

„Über Leben in Demmin“ hat der Regisseur Martin Farkas den Dokumentarfilm genannt, der sich mit dem Massensuizid und seinen Auswirkungen beschäftigt. Zusammen mit dem Arbeitskreis Schmellwitz gegen Rechtsextremismus stellte er sein Werk am Montagabend im Obenkino vor und beantwortete im Anschluss auch Fragen des Publikums. Für den Regisseur war es nicht der erste Besuch in Cottbus – im Mai war er bereits mit dem Film zu Gast. Die Moderation des Abends, dem etwa 30 Gäste beiwohnten, übernahm Martin Hampel von der Stifung des Sozialpädagogischen Instituts SPI Berlin.

Augenzeugen und Stadtbewohner kommen in dem Dokumentarfilm zu Wort. Lange Zeit war das Thema tabu, durch die Vereinnahmung der Rechtsradikalen ist es längst wieder aktuell. Viele der Überlebenden beschäftigt heute noch die quälende Frage nach dem Warum, zu den Aufmärschen geht niemand von ihnen. Ein jüngeres Paar hingegen steht dem „Gedenken“ der Rechten aufgeschlossen gegenüber. Trotz des aufwühlenden Themas strahlt der Film eine ruhige und kühle Atmosphäre aus. Dadurch gelingt es ihm, beeindruckend darzustellen, wie das Ereignis noch heute einen Schatten über die Stadt wirft. Das Publikum lobte die ruhige Erzählweise des Films, der sich auf die Stimmen der Menschen konzentriert und dabei fast ohne Kommentar zu den Bildern auskommt.

Im Jahr 2013, beantwortete Farkas im Anschluss an den Film die Frage eines Zuschauers, sei er über ein anderes Projekt auf die Ereignisse in Demmin gestoßen. „Ich war sehr erschrocken, weil ich eine solche Art von Neonaziaufmarsch noch nie erlebt hatte, die mit so wenig Widerstand stattfand“, so der Regisseur.

Da ihn die Geschichte und ihre Auswirkungen auf die Gegenwart schon immer interessiert hätten, habe er deshalb die Kamera genommen und dies vor Ort untersucht. Dafür nahm sich Farkas ausgiebig Zeit. Von 2014 bis Mitte 2016 dauerten die Dreharbeiten, in denen der 53-Jährige auch in Demmin lebte. Unterschiedliche Erfahrungen habe er dort gemacht und auch Freunde kennengelernt.

Eine Antwort auf die Frage, wie man mit „Trauermärschen“ der Rechtsextremen umgeht, kann und soll der Film nicht endgültig geben. „Haltung zeigen“, sei wichtig. Martin Farkas fordert aber auch auf, die Probleme nicht auf autoritäre Art und Weise zu lösen. Und Stefan Schurmann vom Arbeitskreis Schmellwitz gegen Rechtsextremismus fordert auf, „es anzusprechen, wenn Grenzen überschritten werden“.

Mit dem Schriftzug „Fortsetzung folgt“ endet der Film „Über Leben in Demmin“. Und diese ist laut Regisseur Martin Farkas auch geplant. Unter anderem möchte er sich darin der fehlenden Aufarbeitung des Geschehens in der Stadt widmen.