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| 02:44 Uhr

Im Rausch der Heiterkeit – Lachen ist eine unglaublich komische Medizin

Karnevalsumzug 2014 "Zug der fr?hlichen Leute" durch die Cottbuser Innenstadt. Karnevals-Verein Forst-Sacro Foto: Michael Helbig
Karnevalsumzug 2014 "Zug der fr?hlichen Leute" durch die Cottbuser Innenstadt. Karnevals-Verein Forst-Sacro Foto: Michael Helbig FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Kichern, Wiehern oder Grölen – Karneval ist die Hochsaison der Lachmuskeln. Dass wir auch den Rest des Jahres mit Humor nehmen sollten, bestätigt die durchaus ernsthafte Lachforschung. Auf ihr fußt ein riesiger Medizinbereich. Der sogar prominente Unterstützung genießt. Bernhard Schulz

Mit konzentriertem Blick blättert sich Ulrike Jakob durch die Fachbücher. Minutiös feilt die 42-jährige in ihrer Schmellwitzer Praxis für geistiges Heilen an einem Lachyoga-Kurs - den Ersten in Cottbus überhaupt, wie sie sagt. Über spezielle Lachübungen will sie damit künftig einmal die Woche im Frauenzentrum allseitige Entspannung versprühen. Auch Lachen will ernsthaft geplant sein.

Der positive Effekt des Lachyogas auf die Gesundheit hat aber wenig mit Humor zu tun, bestätigt Cornelia Leisch, Vorsitzende des Europäischen Lachyoga-Verbands. Durch gezielte Entspannungstechniken und ein "Ho Ho Ha Ha Ha" auf Knopfdruck wird eine körperliche Reaktion hervorgerufen. "Diese laute Sofort-Meditation befreit uns von Kopflastigkeit und stärkt langfristig unsere Gesundheit", erklärt der bekennende Faschingsmuffel.

Die Lachyogabewegung in Deutschland wurde lange belächelt, fußt aber auf zahlreichen Wissenschaftsstudien. Weltweit beschäftigen sich Psychologen, Neurowissenschaftler, Soziologen und Mediziner mit der Wirkung des Lachens. Der Forschungszweig der Gelotologie (griechisch gélôs "das Lachen") wird seit rund zwanzig Jahren ernst genommen. Zu den deutschen Pionieren der Gelotologie und des therapeutischen Humors zählt Dr. Michael Titze. Der Dozent an der Schweizer Akademie für Individualpsychologie hat in vielen Büchern und Forschungsarbeiten die heilende Kraft des Humors nachgewiesen. Die Volksweisheit "Lachen ist die beste Medizin" ist inzwischen wissenschaftlich belegt, bestätigt der Lachforscher.

Titze kann genaustens erklären, was das schallende Gelächter in unserm Körper auslöst: Es aktiviert die Lachmuskeln im Gesicht und versetzt die Stimmbänder in Schwingungen. "Gleichzeitig schnellt der Herzschlag nach oben, die Atmung wird stark angeregt und die Haut samt Muskulatur besser durchblutet." Ähnlich wie beim langen Joggen werden Glückshormone ausgeschüttet sowie die Immunabwehr und Selbstheilungskraft befördert. All das packt Psychotherapeut Titze in einen Satz: "Wer lacht, gewinnt."

Kein Wunder, dass die Erkenntnisse der Lachforschung zum heilsamen Humor inzwischen längst in der medizinischen Prävention angekommen sind. Egal, ob Lachseminar gegen Stress, Lachtherapie gegen Schmerzen oder Clown-Sprechstunde an der Kinderklinik des Cottbuser CTK. "Einen Menschen zum Lachen zu bringen, ist allerdings Feinstarbeit und kein Entertainment", mahnt Dr. Rosina Sonnenschmidt. Die Vorsitzende von HumorCare - einer deutsch-östereichischen Fachgesellschaft für Humortherapeuten - fördert die wissenschaftlich fundierte Anwendung des Lachens in klinischen, psychosozialen und pädagogischen Berufen. "Lachen ist rhythmische Zwerchfellbewegung und übt einen heilsamen Einfluss auf den Körper aus", sagt die gebürtige Kölnerin. Das meint sowohl innere Organe als auch die Psyche. Deshalb werde das therapeutische Lachen auch zur Behandlung von Burnout, Depression und Frühdemenz genutzt, ergänzt Sonnenschmidt.

Etwas kritischer sieht das Rainer Stollmann: "Lachtherapie hat mehr mit dem grassierenden Gesundheitsfetischismus zu tun als mit dem Lachen." Der Kulturwissenschaftler aus Bremen hat jahrelang "Lachkulturen" erforscht. Historisch gesehen haben sich zwei Formen des Lachens herausgebildet: der Witz und die Groteske. "Allerdings lacht kein Mensch aus Gesundheitsgründen, sondern immer nur, weil es Spaß macht", sagt der Professor.

Das sieht ein prominenter Doktor völlig anders: "Die positiven Wirkungen des Lachens muss man ernst nehmen, so absurd es klingt. In den letzten Jahren gibt es eine Revolution in den Gesundheitswissenschaften und der Psychologie", erklärt Eckart von Hirschhausen. Wie kein anderer verkörpert der Comedian mit seinem "medizinischen Kabarett" die Bereiche Humor und Gesundheit. Er hat sogar eigens die Stiftung "Humor hilft heilen" gegründet, um Clowns, Ärzte und Pflegekräfte dahin gehend weiterzubilden. So bleibt nur noch eins: Lachen, damit kein Arzt kommt.