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| 17:15 Uhr

Theater
Im Piccolo tanzen die Puppen

Auf Tuchfühlung mit den Puppen – rund 1000 Besucher zählte das Puppenspielfest im Piccolo-Theater am Wochenende.
Auf Tuchfühlung mit den Puppen – rund 1000 Besucher zählte das Puppenspielfest im Piccolo-Theater am Wochenende. FOTO: Marion Hirche
Cottbus. Ein voller Erfolg und eine gute Einstimmung für die 20. Auflage 2019 war das 19. Puppenspielfest im Piccolo-Theater am Wochenende. Von Marion Hirche

Bereits zum 19. Mal organisierte der Verein der Freunde und Förderer des Puppenspiels Cottbus das Puppenspielfest. Zehn Stücke gingen in den drei Tagen über die Bühne, und mit dem Alfa-Theater aus dem tschechischen Plzen (Pilsen) ist es wieder gelungen eine internationale Produktion nach Cottbus zu holen.  Rund 1200 große und kleine Zuschauer erlebten die facettenreichen Aufführungen. „Ich sehe hier im Saal einige Gesichter zum ersten Mal in unserem Kinder- und Jugendtheater Piccolo. Ich darf ihnen sagen, sie haben die absolute richtige Wahl getroffen. Wir haben wunderbare Stücke für sie vorbereitet“, betonte Theaterleiter Reinhard Drogla zur Eröffnung der Vorstellungen am Samstagabend.

Für die Auswahl der Stücke zeichnete erneut Martina Kohlschmidt vom Puppenspielverein verantwortlich und bewies dabei  traditionell ein gutes Händchen. Bereits am Freitagabend hatte Drogla-Stellvertreter Matthias Heine  das Fest eröffnet. Er gab damit den Startschuss für einen furiosen Kunstabend mit zwei Vorstellungen von besonderer Güte: Nach musikalischer Einstimmung durch Jens Seidenfad aus dem Löwenberger Land mit seinem Akkordeon  gab es für die großen Puppenspielanhänger mit „Der Fall Hamlet“ klassische Literaturkost. Dank Veronika Thieme und Pierre Schäfer aus Berlin mit ihren Stab- und Knauffiguren wurde dieser eigentlich schwer verdauliche Stoff  trotz der vielen Toten mit Leichtigkeit serviert. „Hier wird Kunst mit ganzem Herzen gemacht, da kann man als Zuschauer wirklich  loslassen vom Alltag“, sagte Hartmut Höntsch aus Gorden, der von Freunden zum Fest nach Cottbus eingeladen war.

Zu den ganz besonderen Momenten des Festivals gehörte der Auftritt des Alfa-Theaters aus Plzen. Sie spielten die Geschichte der „Drei Musketiere“. Diese international mehrfach preisgekrönte Inszenierung begeisterte die Zuschauer. Über 30 Figuren  waren im Spiel, sorgten für eine temporeiche, rasante Erzählung.  Drei Musiker spielten die zahlreichen Lieder, mit denen die Geschichte erzählt wurde, in Tschechisch mit deutschen Untertiteln. Die fünf Puppenspieler kamen mit wenigen internationalen Worten aus.  Am Ende gab es nicht enden wollenden Applaus.

Auch die Vorstellungen am Sonnabend und Sonntag waren nahezu ausverkauft. Die Tagesvorführungen blieben wie immer dem jungen Publikum vorbehalten Annegret Geist vom „Theater Geist“ aus Berlin präsentierte den ab  Vierjährigen „Das schönste Ei der Welt“ und am Nachmittag  wartete das Theater Maskotte aus Buchholz mit dem Märchenklassiker „Rotkäppchen“ auf. Monika Parthier aus Berlin erzählte am Sonntagvormittag gleich drei Begebenheiten für die jüngsten Zuschauer, das „Weite Theater“ aus Berlin brachte die Geschichte von „Lucie und Karl-Heinz“ mit und das Theater des Lachens aus Frankfurt/Oder bestritt mit dem Stück „Der kleine Wind“ das Finale des 19. Puppenspielfests.

Der Samstagabend gehörte wieder den Großen. Das Hohenloher Figurentheater aus Herschbach zeigte Goldonis Komödie „Der Diener zweier Herren“ mit Marionetten. Allein die Hauptfigur Truffaldino ist eine Marionette an 15 Fäden. Kein Wunder, dass diese Figur sogar verführerisch mit den Augen rollen konnte. Harald und  Johanna Sperlich outeten sich nach der Vorführung als  Mitglieder einer 150 Jahre alten Puppelspielerfamilie und  nahmen sich noch viel Zeit, um den neugierigen Zuschauern ihre  Kunstobjekte aus  Lindenholz, jede etwa drei bis vier Kilo schwer, vorzustellen.

„Seitdem das Puppenspielfest im  Piccolo-Theater stattfindet, gehören wir zum Stammpublikum. Wir mit unseren vier Söhnen haben viele schöne Stücke gesehen und finden es ungeheuer spannend, was mit Puppen alles möglich ist. Heute waren wir mit unseren zwei jüngeren Kindern in der  Erwachsenenvorstellung, die sie gut verstanden haben. Jetzt bringt mein Mann die Jungs nach Hause und dann schauen wir uns noch das zweite Abendstück an, dann erstmals als Eltern allein“, war von Birgit Futterer aus Cottbus zu erfahren.

 Das „Weite Theater“ Berlin zeigte das  Kriminalstück „Der weiße Hammer“ mit sehr viel Bezug zu aktuellen Ereignisse, am Ende entpuppte sich alles als eine Geschichte aus der Irrenanstalt.

Das 19. Cottbuser Puppenspielfest unterstrich die Vielfältigkeit des Puppenspiels. Hand- und Knaufpuppen, Marionetten und  Stockpuppen, Schattenspiel für Groß und Klein, einfühlsam und beruhigend,  hektisch und aufrüttelnd – alles das war  im Programm zu finden. Im nächsten Jahr feiert das Fest seine 20. Auflage.