Sachsen konnte im zweiten Halbjahr von den 600 offenen Lehrer-Stellen nur 438 besetzen. Zwar gebe es durch den Ausbau der Studienplätze, die Verbeamtung von Lehrern und das hohe Gehalt für Grundschullehrer grundsätzlich wieder etwas mehr Pädagogen, sagt Kultusministeriumssprecher Dirk Reelfs. Aber es sei noch keine Zeit, Entwarnung zu geben.

Brandenburgs Bildungsministerium meldet keine fehlenden Lehrkräfte im gerade zu Ende gegangenen Schulhalbjahr. Offene Stellen habe es nur im Rahmen der normalen Fluktuation gegeben, heißt es aus Potsdam.

Lehrer zieht es in Ballungszentren

Aktuell laufen die Einstellungsphasen für das kommende Schuljahr. Sachsen und Brandenburg haben tendenziell das gleiche Problem: Die meisten Anwärter zieht es in die Ballungszentren, Leipzig, Dresden, Potsdam sowie lieber ans Gymnasien als an Ober- oder Grundschulen.

Sachsens Kultussprecher Reelfs berichtet: Für Dresden und Leipzig sind knapp 2000 Bewerbungen eingegangen, von Seiteneinsteigern 1100. In die Regionen um Bautzen, Chemnitz und Zwickau ziehe es hingegen nur knapp 900 Lehrer, davon 520 Seiteneinsteiger.

In Brandenburg, wo die Sommerferien schon begonnen haben, ist die Einstellungsphase fürs neue Schuljahr größtenteils durch. Zahlen hat das Potsdamer Bildungsministerium auf die Schnelle keine. Aber es bestätigt, dass die meisten Bewerber nach Potsdam und in den Speckgürtel von Berlin möchten.

Seiteneinsteiger brechen weniger ab

Sachsen setzt seit dem Jahr 2015 verstärkt Lehrer ein, die nicht auf Lehramt studiert haben. Pro Schuljahr sind laut Kultusministerium zwischen 30 und 50 Prozent der neuen Lehrer Seiteneinsteiger. Inzwischen habe etwa jeder zehnte der 32 000 Pädagogen zuvor einen anderen Beruf gelernt. Diese müssen in der Regel einen Hochschulabschluss haben und würden in einem dreimonatigen Kurs fortgebildet.

In brandenburgischen Klassenzimmern unterrichten längst nicht so viele Quereinsteiger wie in Sachsen: Ende Mai lag die Quote bei 11,9 Prozent. In Brandenburg brauchen Seiteneinsteiger Hochschul-Fachkenntnisse in zwei Fächern und müssen einen berufsbegleitenden Vorbereitungsdienst absolvieren, informiert das Ministerium auf seiner Internetseite.

Eine positive Tendenz meldet Sachsen bei der Abbrecher-Quote: Nur noch jeder zehnte Quereinsteiger schmeiße hin. Anfangs war es jeder fünfte Quereinsteiger.