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| 02:41 Uhr

Im Herzen bleibt Fritz Kschammer ein Klein Lieskower

Fritz Kschammer, heute Bürgermeister von Drehnow. Foto: trt
Fritz Kschammer, heute Bürgermeister von Drehnow. Foto: trt FOTO: trt
Schlichow/Drehnow. Seit 28 Jahren lebt Fritz Kschammer in Drehnow. Im Dezember 2013 jährt sich seine dortige Amtszeit als Bürgermeister zum 20. Mal. Doch in seinem Herzen ist der 72-Jährige immer ein Klein Lieskower geblieben. Torsten Richter

In der Klein Lieskower Hauptstraße 14 wurde er im Juni 1940 geboren. Das elterliche Gehöft war ein Vierseithof mit Wohnhaus, Stall und Scheune, ganz lausitztypisch eben. "Vater hat wie ich später sein Geld als Landwirt erwirtschaftet. Außerdem verdiente er sich mit der Herstellung von Harken und Pantoffeln ein paar Mark", erinnert sich Fritz Kschammer. Und es wurde sorbisch/wendisch gesprochen. Wie im ganzen Dorf.
Der Wissenschaftler Ernst Tschernik fand im Jahr 1956 heraus, dass etwa drei Viertel der damals 211 Einwohner der west slawischen Sprache mächtig waren. 57 Klein Lieskowerinnen trugen damals die Tracht.

"Meine Eltern waren auch Sorben/Wenden. Allerdings haben sie mit den Kindern meist deutsch gesprochen. Davon versprachen sie sich Zugang zu mehr Bildung. Das Sorbische/Wendische haben wir nebenbei mitbekommen", erzählt Kschammer. Wenn er deutsch spricht, rollt stets das slawische "r" in der Stimme mit.

Mitte der 1980er-Jahre erlebten die Kschammers ihre letzten Stunden im Heimatdorf. Der heranrückende Tagebau Cottbus-Nord forderte seinen Preis. Der 11. Oktober 1984 hat sich als schwarzer Donnerstag in die Chronik der Familie eingebrannt. Damals siedelten sie von Klein Lieskow nach Drehnow um. "Mein Vater stammte aus Drehnow. Deshalb gab es in diesen Ort Verbindungen", erklärt der 72-Jährige.

Schnell lebten sich die Kschammers ein. Die Drehnower fassten schnell Vertrauen. Und Fritz Kschammer wurde im Herbst 1993 als Bürgermeister gewählt, was er noch immer ist.

Um die Erinnerung an seinen Geburtsort festzuhalten, hat Kschammer maßgeblichen Anteil an der Errichtung der Erinnerungsstätte für den devastierten Ort. Diese wurde am Sonnabend zum 15. Tag der abgebaggerten sorbischen Dörfer eingeweiht. Von der neuen Schutzhütte mit Gedenkstein, Infotafel und sorbischer Linde haben Besucher einen weiten Blick über die Bergbaufolgelandschaft des Tagebaus Cottbus-Nord hinüber zum Kraftwerk Jänschwalde. Wer genau hinschaut, sieht zwischen den Kühltürmen eine sorbische Fahne. Sie markiert die einstige Ortsmitte Klein Lieskows.

Boje im Cottbuser Osesee

Zwischen den Jahren 2018 und 2028 ist die Flutung des künftigen Cottbuser Ostsees geplant. Auf dessen Grund liegt dann die Ortsstelle von Klein Lieskow. Fritz Kschammer wünscht sich, dass dort eine Boje befestigt wird, die das Andenken an das verlorene Dorf bewahrt. "Denn wir Klein Lieskower waren wie eine große Familie. Das sollte nie vergessen werden."