Von Marion Hirche

Das Produktmagazin des Eisenhüttenwerks Peitz bekommt dieser Tage besonders viel Aufmerksamkeit. Seit kurzem hängen an seinen Wänden nicht nur Arbeiten der Peitzer Landmaler vom diesjährigen deutsch-polnischen Plenairs. Am Samstag ludt Schauspieler und Buchautor Michael Becker zudem zu einer Plauderei ein. Er las Texte von Eva und Erwin Strittmatter und bekannte: „Sie sind die wichtigsten Poeten meiner Heimat.“

Der Schauspieler erzählte von seiner Rolle im „Laden“ in der Cottbuser Theateraufführung als Großvater Kulka und rezitierte den Text im unverwechselbaren Dialekt: „Eechen heeßt das.“ Interessiert lauschten die rund 30 Gäste auch seinen Erzählungen über die Uraufführung von „Ole Bienkopp“ im Jahr 2016 unter Intendant Christoph Schroth im Cottbuser Staatstheater. „Eva Strittmatter hospitierte bei uns und achtete darauf, dass der von uns verwendete Text auch richtig ist. Wir waren alle sehr aufgeregt und am Ende froh, dass sie ihr Okay gab.“

Locker, charmant und informativ plauderte der Mann aus Lieberose über seine Begegnungen mit Strittmatters Werk. Dabei streute er immer wieder Anekdoten ein. Die Zeit verging wie im Flug. Die Gäste hingen an den Lippen des Mimen, der Tierstimmen genauso perfekt vortrug, wie die des Großvaters. Glaubhaft schilderte Becker, wie er  schließlich doch Zugang zu den Texten von Eva Strittmatter Zugang fand. „Lyrik war nicht meins. Das waren die Worte einer Frau, zu denen ich erst im Älterwerden emotionalen Zugang gefunden habe.“ Sprach’s und trug berührend die Zeilen „Rotdorn“ und „Schmerz“ vor.

Es wurde aber auch viel gelacht an diesem Nachmittag. Michael Becker konnte sich über ein Präsent zum Lesungsauftakt freuen: Marion Knorr, begabte Kostüm- und Modeproduzentin aus Maust, schenkte ihm eine originelle Kopfbedeckung, für die Becker eine Vorliebe hat.

Michael Becker sprach über die Beziehung von Erwin und Eva Strittmatter, positionierte sich positiv zu deren Verhältnis: „Sie waren eine ganz normale Familie mit allen Problemen, wie viele andere auch. Trotzdem haben sie sich geliebt. Und ich habe Respekt, wenn Menschen trotz Differenzen ein Leben lang zueinanderstehen.“ Becker machte auch deutlich, dass er die Anmerkungen von anderen Schriftstellern über die Vergangenheit von Erwin Strittmatter für unseriös hält. Im Laufe des mehr als zweistündigen Vortrags wurde allen Zuhörern klar, wie Michael Becker zu den Strittmatters steht.

Christine Schorback aus Heinersbrück war zu dieser Lesung aus gutem Grund gekommen. „Ich habe Strittmatter zwei Jahre vor seinem Tod kennengelernt, denn er lag bei mir auf der Station im Krankenhaus. Ich bin auch Fan des Cottbuser Theaters, habe Michael Becker dort oft gesehen. Das zusammen war Grund genug, heute herzukommen.“ Harry und Sigrid Klimmer aus Cottbus wurden von Brigitte Duhra und Meinhard Bärmich zur Lesung eingeladen: „Wir haben zwei Bilder bei den beiden gekauft und als wir sie gestern abgeholt haben, wurden wir zur Lesung eingeladen. Uns gefällt es sehr gut.“

Meinhard Bärmich und Brigitte Duhra unterstützen die Peitzer Landmaler, haben die Veranstaltung aufgrund der Freundschaft zu dem Schauspieler organisiert, dafür sogar Teppiche aus dem Theaterfundus für eine gemütliche Atmosphäre organisiert, haben Kaffee gekocht und Wasser mitgebracht. Alle fühlten sich wohl.

Die Ausstellung „Landschaft im Wandel“ vom deutsch-polnischen Malerplenair 2019 kann an den Wochenenden zwischen 11 und 17 Uhr besichtigt werden. Die Ausstellung läuft bis zum 8. September. Das ist der Tag des offenen Denkmals. Dann gewährt das Produktmagazin nochmals einen besonderen Einblick in seine Geschichte. Das Magazin wurde Dank des Engagements der Peitzer Edelfischerei und des Fördervereins Hüttenwerk aus dem Dornröschenschlaf entrissen. Der Raum zeichnet sich durch eigenen Charme aus, ermöglicht er doch Einblicke in seine Bauweise.