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Im Auge der rassigen Rammler

Punktabzug: Preisrichter Helmut Burisch (l.) und Uwe Paulenz bewerten die gekrümmte Ohrenstellung eines Blau-Rex.
Punktabzug: Preisrichter Helmut Burisch (l.) und Uwe Paulenz bewerten die gekrümmte Ohrenstellung eines Blau-Rex. FOTO: Hofmann
Cottbus. Es riecht nach Heu in der großen Halle des Event- und Vereinsheimes vom Kaninchenzuchtverein Cottbus in Sachsendorf. Licht flutet die Käfige von 180 Kaninchen. Rüdiger Hofmann

Sie sind am Mittwoch nach Cottbus gebracht worden.

"30 Aussteller aus Brandenburg und Sachsen beteiligen sich mit rund 30 Rassen an unserer diesjährigen Ausstellung", sagt Vereinsvorsitzender Marko Schneider.

Nun warten Deutscher Widder und Farbenzwerg bei angenehmer Raumtemperatur auf ihren großen Auftritt: Die Vorführung vor den Preisrichtern. "Wir bewerten vor allem Körperform, Fellhaar, Deckfarbe, Pflegezustand und Kopfzeichnung der Tiere nach einer Punkteskala", erklärt Helmut Burisch aus Fünfeichen (Gemeinde Schlaubetal). "Die Krallen sollten geschnitten, Geschlechtsecken sauber und keine Tätowierschwärze in den Ohren zu sehen sein", so Burisch. Dann pustet er in das Fell, um zu sehen, ob die eigentliche Fellhaarfarbe am Haarboden aufhellt. Wenn ja, würde es Punktabzug geben.

Plötzlich geht die Tür auf, und Wienke Becker vom Veterinäramt Cottbus/Spree-Neiße betritt die Halle. Ihr Besuch wird erwartet, vor allem in diesem Jahr. Denn Kleintierzüchter und Halter haben vor einigen Wochen in ganz Spree-Neiße und darüber hinaus Alarm wegen einer neuen Variante der sogenannten Chinaseuche geschlagen, ausgelöst durch den Virus RHDV-2. Das Problem ist dem Kaninchenzuchtverein der Stadt Cottbus D 76 bekannt, doch sind die Tiere seiner Mitglieder nach derzeitigem Stand nicht betroffen. Auch nicht die für die inzwischen 23. Niederlausitzer Kaninchen-Jungtierschau ausgestellten und bewerteten Tiere aus 16 Vereinen der Region. "Die hier ausgestellten Kaninchen sind alle gesund", bestätigt Wienke Becker. Sie kontrolliert die in Käfigen aufbewahrten Tiere auf Seuchengefahr, ihre Unterbringung und die Transportbedingungen.

Gegen die tödlich verlaufende verbreitete Chinaseuche bei Kaninchen ist ein neuer Impfstoff mittlerweile zwar verfügbar, für viele Züchter aber zu teuer. Bis zu 40 Euro kostet eine Spritze. Da die Tiere möglichst zweimal pro Jahr geimpft werden sollten, kommen bei einem größeren Bestand mehrere Hundert Euro zusammen. Auch für den behandelnden Tierarzt der nicht meldepflichtigen und für den Menschen ungefährlichen Krankheit besteht ein finanzielles Risiko. "Die Chargen, die sie bestellen können, sind entweder nur für 50 oder für 100 Tiere erhältlich", sagt Marko Schneider.

Von diesen Geschichten lassen sich der Blaue Wiener und das Marderkaninchen an diesem Tag nicht verrückt machen. Mit ihren großen Kulleraugen werden sie der Reihe nach zu den Preisrichtern gebracht, die sie dann genau unter die Lupe nehmen. Und schon gibt es Punktabzug! Dem Blauen Rex knickt ein Ohr ein, das kommt nicht gut. Ist es die Aufregung? "Das macht der zuhause im Käfig auch", sagt Helmut Burisch mit einem Augenzwinkern - und setzt ihn zurück in die Box. Top-Favorit auf den Pokalgewinn am Sonntag ist nach etwa der Hälfte der Bewertungsdurchgänge ein Zwerg Widder.

Doch was fasziniert eigentlich am Job eines Preisrichters? "Die Vielfalt der Kaninchenrassen", sagt Uwe Paulenz aus Ziltendorf (Landkreis Oder-Spree). "Preisrichter zu sein, ist die Krönung unserer Züchtertätigkeit." Paulenz züchtet seit 35 Jahren, seit 1997 ist er Preisrichter. "Wir geben auch anderen Züchtern Tipps, wie sie ihre Zucht verbessern können", sagt er. Eine Preisrichterausbildung dauert drei Jahre. Erwartet wird zudem eine gute Allgemeinbildung und natürlich Kenntnisse des Tierreichs.

Zum Thema:
Die Kaninchen-Ausstellung findet im "WK 13" Event- und Vereinsheim in Cottbus Sachsendorf (Schopenhauerstraße 6) statt. Samstag ist von 9 bis 18 Uhr, Sonntag von 9 bis 15 Uhr geöffnet. Erwachsene zahlen zwei, Kinder ab 14 Jahre einen Euro. Der Kauf von Kaninchen ist möglich.