| 06:34 Uhr

Polizeieinsatz
Illegale Aktion auf Cottbuser Stadthallen-Dach

Mehrere Personen haben am Freitag mit einer Aktion auf den Dach der Stadthalle Cottbus auf sich aufmerksam gemacht. Die Polizei nahm sie mit auf die Wache zur Vernehmung.
Mehrere Personen haben am Freitag mit einer Aktion auf den Dach der Stadthalle Cottbus auf sich aufmerksam gemacht. Die Polizei nahm sie mit auf die Wache zur Vernehmung. FOTO: privat / Medienhaus Lausitzer Rundschau
Cottbus. Kurz nach 16 Uhr haben am Freitag mehrere Personen auf dem Dach der Cottbuser Stadthalle auf sich aufmerksam gemacht. Sie spannten ein zweiteiliges Transparent über den Schriftzug „Stadthalle Cottbus“. Von Frank Hilbert

Darauf war zu lesen „Grenzen schützen – Leben retten“, umrahmt von zwei Logos der „Identitären Bewegung“ (IB) – ein gelbes Lambda in einem Kreis auf schwarzem Grund.

Wie ein Polizeisprecher auf Nachfrage informiert, haben die Personen über ein Megafon diverse Sprüche gerufen und vom Dach Flyer mit dem Aufdruck „Identitäre Bewegung“ herunter geworfen. Auch eine Fahne mit besagtem Logo wurde geschwenkt. Kurz darauf seien mehrere Streifenwagen der Polizei vor Ort gewesen. Die Beamten hätten die vermeintlichen Aktivisten vom Dach geholt und zur Wache gebracht.

„Es handelt sich dabei um fünf Männer im Alter von 21 und 28 Jahren sowie eine 40-jährige Frau, die alle in der Region beheimatet sind“, informiert der Sprecher weiter.

Die Vernehmung dauerte in den Abendstunden noch an. Ob und was die Befragten dabei zu Protokoll gaben, stand zu diesem Zeitpunkt noch nicht fest, so die Polizei. „Wir ermitteln wegen des Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz. Das Transparent wurde ebenso von uns sichergestellt, wie ein Großteil der Flyer, das Megafon, Kabelbinder für das Transparent und Fototechnik.“

Der Stadthallenvorplatz wird seit den Auseinandersetzungen zwischen deutschen und ausländischen Jugendlichen im Zusammenhang mit übermäßigem Alkoholgenuss verstärkt überwacht – auch mit Videokameras. Dennoch konnten die Täter offenbar völlig unbehelligt aufs Dach gelangen. Und zwar hatten sie sich dazu eine Hebebühne gemietet und sich mit Westen und Bauarbeiterhelmen verkleidet.

Während die weiteren polizeilichen Ermittlungen laufen, will die Stadt deren Ergebnisse abwarten, wie Stadtsprecher Jan Gloßmann gegenüber der RUNDSCHAU erklärte. „Die Stadt wird die Umstände, die diese Aktion ermöglichten, prüfen und dann falls notwendig die entsprechenden Anzeigen erstatten“, sagt Gloßmann.

Die IB hat ihren Ursprung in Frankreich und fand danach europaweit Anhänger. Sie gehen von einer geschlossenen „europäischen Kultur“ aus, deren „Identität“ vor allem von einer „Islamisierung“ bedroht sei. Politikwissenschaftler ordnen die Gruppe durchgängig als eine Spielart des Rechtsextremismus ein.