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| 16:30 Uhr

INTERVIEW MIT KARIN BLANK
„Es wird eher zu viel gemacht“

Karin Blank,  langjährige Ausbildungskoordinatorin bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus und Mitglied der Jury des Netzwerkes Zukunft Schule und Wirtschaft für Brandenburg.
Karin Blank, langjährige Ausbildungskoordinatorin bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus und Mitglied der Jury des Netzwerkes Zukunft Schule und Wirtschaft für Brandenburg. FOTO: LR / LR Beate Möschl
Cottbus. Ausbildungskoordinatorin der IHK Cottbus über die Rolle des roten Fadens in der Berufsorientierung.

Online-Portale, Berufsinformationszentren, Projekttage direkt in der Schule, Ausbildungsmessen, Zukunftstage, Spiele-Apps und Videos auf dem Youtube-Kanal – gefühlt ist Berufsorientierung auf allen Kanälen präsent und jederzeit abrufbar. Doch immer wieder stehen viele Schulabgänge kurz vor dem Ende ihrer Schulzeit bei der Berufswahl ratlos da. Warum ist das so? Die RUNDSCHAU fragte nach bei Karin Blank, langjährige Ausbildungskoordinatorin bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus und Mitglied in der Jury des Netzwerkes Zukunft Schule und Wirtschaft für Brandenburg. Dieses Netzwerk vergibt aller zwei Jahre die Auszeichnung „Schule mit hervorragender Berufsorientierung“.

Frau Blank, gefühlt können Schulabgänger heutzutage gar nicht mehr ins Leere greifen bei der Suche nach einer Lehrstelle oder dem richtigen Studienplatz. Es gibt mehr Angebote als Bewerber. Warum bleiben trotzdem immer noch und immer wieder Hunderte unversorgt oder entscheiden sich gleich im ersten Lehr- oder Studienjahr wieder um?

Blank Das hat im Einzelfall immer ganz individuelle Gründe, allgemein ist oft eine mangelnde Orientierung zu beobachten. Das heißt, es fehlt an Detailkenntnissen, was in dem gewählten Beruf oder der angestrebten Studienrichtung gefordert ist, was in der Ausbildung konkret auf einen zu kommt, und welche beruflichen Perspektiven der Abschluss tatsächlich eröffnet. Dabei gibt es diese Informationen sehr gut aufbereitet im Internet. Freilich ist die Kunst, die Sensibilität für das Thema Berufswahl so zu wecken, dass Infos zu Berufen so begeistert aus dem Netz gezogen werden, als ginge es um die neuesten Apps, Smartphones oder Mode-Trends.

Heißt das, es sind nicht die richtigen Informationsangebote auf dem Markt? Oder immer noch nicht genügend, um alle zu erreichen?

Blank Im Gegenteil. Es wird schon viel gemacht, meiner Meinung nach viel zu viel und nicht immer mit der erforderlichen Wirkung.

Das heißt?

Blank Es gibt Projekttage in den Schulen, den Zukunftstag des Landes Brandenburg, Schüler besuchen das Berufsinformationszentrum der Agentur für Arbeit und Ausbildungsmessen, Speed-Datings, also Schnell-Vermittlung von Lehrstellen. Es wird jede Menge geboten. Schule hat die schwierige Aufgabe, all diese Angebote und Veranstaltungen in einen Zusammenhang zu bringen. Gelingt das gut, wird das Thema bei Schülern immer präsent sein, und sie entwickeln wichtige Kompetenzen für die Berufswahl und ihre Entscheidung. Gelingt das nicht, bleiben sie ratlos und entscheiden zufällig. Oder sie zögern die Entscheidung hinaus und versuchen sich in der gymnasialen Oberstufe der Oberstufenzentren.

Also sind mal wieder die Lehrer schuld?

Blank Nein, das Interesse von 14- und 15-Jährigen auf einen Berufsentscheidung zu lenken, das kann man nicht einfach nur den Schulen und Lehrern überlassen oder der Agentur für Arbeit. Das geht nur im engen Zusammenspiel aller Partner. Das heißt, da sind auch die Eltern gefragt. Eltern sind immer noch die wichtigste Quelle für die Berufsorientierung und die entscheidende Größe für die Berufsauswahl. Allerdings stehen sie heute vor wesentlich größeren Herausforderungen, ihre Kinder zu beraten.

Inwiefern?

Blank Die Vielfalt ist groß. Die Verlockung, nach den nächsten, noch süßer erscheinenden Trauben zu greifen, wächst und auch die Gefahr, am Ende immer noch unsicher zu sein, wenn man nicht vorbereitet ist und keine Entscheidungskompetenz entwickelt hat. Es gibt in Deutschland mehr als 350 duale Ausbildungsberufe. Davon haben wir hier in der Region in IHK-Betrieben mehr als 140 zur Auswahl. Dazu kommen rund 130 Handwerksberufe, von denen 70 in Handwerksbetrieben der Region Südbrandenburg erlernt werden können. Hinzu kommen medizinische und verwaltungstechnische Berufe. Wer einen akademischen Abschluss anstrebt, kann mittlerweile bundesweit zwischen 18 000 Studiengängen wählen.

Mit Karin Blank
sprach Beate Möschl