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Humboldt-Gymnasium: Es wird eng

Cottbus. Für Cottbuser Schüler, die im Sommer in die siebte Klasse wechseln, wird es spannend: Nur ein Teil von ihnen wird an seiner Wunschschule unterkommen. Denn während einige Schulen überrannt werden, sind andere nur wenig beliebt. Das Humboldt-Gymnasium wird kaum gewählt. Andrea Hilscher

Gerald Boese, Leiter der Regionalstelle des Staatlichen Schulamtes, sieht zuversichtlich ins neue Schuljahr. Von den 615 Schülern, die im Sommer in die siebte Klasse wechseln, werden alle einen angemessenen Platz bekommen - allerdings nicht immer an der Schule ihrer Wahl. "Das Ü 7-Verfahren läuft zwar noch bis in den Juni hinein", so Boese, "aber die Prüfung der Erstwünsche sowie die Eignungstests sind abgeschlossen, sodass wir erste Trends erkennen können."

Ungebrochen ist in Cottbus der Trend zum Wunsch nach einem Abschluss mit Hochschulreife. Nur 21,5 Prozent aller Sechstklässler wollen ab dem Sommer auf die Oberschule. 40,1 Prozent streben das Gymnasium an, 38,4 Prozent eine Gesamtschule. Gerald Boese: "Zählen wir die Schüler der Pückler-Gymnasiums sowie die Kinder der Leistungs- und Begabungsklassen dazu, steigt der Anteil der Gymnasial-Kinder noch erheblich an und liegt über dem Landesdurchschnitt."

Bei den Oberschulen liegt, wie schon in den Vorjahren, die Paul-Werner-Schule in der Beliebtheitsskala oben: 98 Kinder haben sich hier um 74 Plätze beworben. An die Sachsendorfer Oberschule wollen nur 34 Schüler, hier stehen 74 Plätze zur Verfügung.

Nach wie vor ist auch die Theodor-Fontane-Schule übernachgefragt. 169 Bewerbern stehen nur 130 Plätze zur Verfügung.

"Überhange wird zum Beispiel die Sachsendorfer Oberschule aufnehmen", so Gerald Boese. "Es gab schon Jahre, da hatten wir über 200 Bewerber für die Fontane-Schule, jetzt haben sich die Verhältnisse normalisiert. Jedenfalls gibt es keinen Bedarf für eine weitere Gesamtschule, weder in der Stadt noch im Umland."

Ausgeglichen ist das Verhältnis bei der Lausitzer Sportschule, hier gibt es 67 Bewerber für 68 Plätze. Aufs Leichhardt-Gymnasium wollen 96 Kinder - bei einer Aufnahmekapazität von 79.

Das in privater Trägerschaft befindliche Evangelische Gymnasium kann sich über 73 Anmeldungen freuen. Aus dem Quotentief aufgerappelt hat sich das Niedersorbische Gymnasium. Noch vor zwei Jahren Schlusslicht in der Beliebtheit, wollen jetzt 68 Schüler auf 56 Plätze.

Die Rote Laterne hat inzwischen das Humboldt-Gymnasium Cottbus übernommen. In diesem Jahr haben nur 36 Kinder die Europaschule als Erstwunsch angegeben - bei einer möglichen Kapazität von 84 Schülern. Im vergangenen Jahr hatten immerhin noch 57 Schüler das Humboldt-Gymnasium im Norden der Stadt als Erstwunsch angegeben. Gerald Boese: "Jetzt werden sicherlich viele Schüler aufgenommen werden, die das Humboldt als Zweitwunsch angegeben haben und die an anderen Schulen keine Aufnahme finden."

Rein rechnerisch werden die Kapazitäten der Europaschule also gebraucht. Sollten allerdings die Schülerzahlen in den kommenden Jahren in Cottbus und im Umland sinken, wäre das Humboldt-Gymnasium ein Kandidat für eine mögliche Schließung - auch wegen des Standortes in Neu-Schmellwitz. Allerdings: Vor einigen Jahren sollte das Humboldt schon einmal geschlossen werden, durfte keine siebten Klassen öffnen. Kurz darauf war der Ansturm so groß, dass die siebte Klassenstufe fünfzügig geführt werden musste.

Kommentar: Vernachlässigtes Stiefkind