Meine Heimschülerinnen lernen nach Plan. Die Lehrerin hat ihnen drei Zettel voller Aufgaben mitgegeben, die sollen reichen bis nach den Osterferien. So lange soll das Corona-Schulfrei dauern. Mich als Mutter haben die analogen Instruktionen gerührt: Zettel aus dem Kopierer. Das sind die letzten Ausläufer der späten Kreidezeit. Am Horizont schimmert schon die digitale Moderne auf. Auch in der Grundschule meiner Tochter, die den Nachschub an Aufgaben neuerdings auf ihre Homepage stellt.

Die Corona-Krise hat den Schulbetrieb in Wallung gebracht, indem sie ihn lahmlegte. Fünf Wochen lang läuft die Kommunikation zwischen Schülern und Schulen praktisch nur noch elektronisch. Wenn die Schulen wieder öffnen, werden sie nicht mehr dieselben sein. Sachsens Kultusminister Christian Piwarz (CDU) etwa sieht im corona-bedingten Heimlernen „eine Chance für Schule, bei der digitalen Mediennutzung einen großen Schritt nach vorn zu machen“.

Schulcloud lässt auf sich warten

Aber wie? Es gibt bessere Wege, als Aufgabenzettel per E-Mail an die Schüler zu schicken. Das Zauberwort lautet Schulcloud. Das sind Lernsysteme, wo Schüler mit dem Lehrer chatten und gemeinsam an Texten arbeiten. Diese Lernwolke ist das digitale Superding, mit dem die Schulen ins Online-Zeitalter springen sollen. Und zwar alle gleichzeitig und deutschlandweit. Eigentlich sollte es nach Wunsch der Kultusminister eine einheitliche deutsche Cloud geben. Der Haken: Sie wird erst 2022 fertig. Zu spät, um in der Corona-Krise zu helfen.

Doch auch die Clouds, an denen die Länder selbst bauen, sind kaum einsatzfähig. Das Brandenburger Modell steckt noch in der Pilotphase. 51 Schulen testen es, nächstes Jahr sollen es 100 sein. Bei 915 Schulen im Land ist das eine schwache Netzabdeckung. Um in der Krise Fernunterricht zu organisieren, reicht das hinten und vorn nicht. Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) hat nun eine provisorische Digitalplattform namens weBBcloud aus dem Boden gestampft, die über die nächsten Wochen helfen soll. Die weBBcloud ist eine Sparversion: Schulen können Dokumente hochladen, Eltern und Schüler rufen sie mit einem Zugangscode ab. Da könnte man genauso gut mailen.

In Sachsen hat die Schulplattform LernSax so viel Betrieb wie nie. Nach nur einer Woche ohne Unterricht haben sich die Nutzerzahlen verdreifacht. 300 000 Schüler und 1230 Schulen strömten gleichzeitig auf die Plattform. Mit dem Ergebnis, dass sofort der Server rauchte. Am Ende beschreiten viele auf der Suche nach Vernetzung doch wieder die eingetretenen Trampelpfade. Meine Homeschooling-Eltern haben jetzt eine eigene Whatsapp-Gruppe.

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