Die 10. Klassen in Brandenburg starten an diesem Mittwoch in ihre Prüfungsphase. Sie sind bereits seit 27. April wieder in der Schule. Aber anders als den Abiturienten wurde den Oberschülern wenig Aufmerksamkeit geschenkt in der Debatte um Lockerungen der Schulschließungen wegen der Covid-19-Pandemie. Im Zentrum der Bemühungen um Prüfungen und Abschlüsse stand immer das Abitur.
Der oberste deutsche Schulabschluss spielt eine wichtige Rolle im Bildungsland Deutschland. Das Gymnasium ist von der Elite-Bildungsanstalt zum Mainstream geworden. Einst war es nur den Söhnen des reichen Bürgertums vorbehalten. Alle anderen sollten nach preußischer Rangordnung nicht „in die Städte laufen und und Sekretairs werden“ wollen. So sagte Preußenkönig Friedrich II., und was der so sagte, war noch Gesetz in Brandenburg, als Majestät schon lange im Kreise seiner Hunde begraben lag.
Heute sind solche Ordres vergessen. Das Gymnasium wird immer attraktiver. Längst macht mehr als die Hälfte eines Jahrgangs das Abitur. Und von diesen Schulabgängern streben die meisten wiederum an die Hochschulen. Die mittleren Abschlüsse sind somit in der Minderheit - und hier entsteht wird es schwierig. Die nicht-akademische Ausbildung erscheint als Auslaufmodell. Nicht weil sie schlecht wäre - sondern weil sie die Jugendlichen sie nicht mehr wollen.

Oberschulen müssen ihr Image polieren

Den Oberschulen, die in Brandenburg in der 7. und in Sachsen in der 5. Klasse begingen, hängt der Ruf an von Orten, an denen sich die Bildungsverlierer sammeln. Die duale Berufsausbildung - eine international anerkannte hochwertige Bildungsmarke - verliert im eigenen Land an Zuspruch. Ein Problem, an dem die Politik seit Jahren herumdoktert. Die Versuche zielen meist darauf ab, das Image der Oberschulen zu verbessern.
Sachsen schaffte aus diesem Grund überhaupt erst die Oberschule an. An die Mittelschule, wie sie davor hieß, wollte kaum ein Schüler und kein Lehramtsabsolvent freiwillig. So sollte das nicht bleiben, deshalb die Umbenennung. Der Oberschul-Abgänger soll nun als „Praxiselite“ bereitstehen für anspruchsvolle Ausbildungsberufe. Soweit die Vorstellung von CDU und FDP, als sie 2013 die Oberschule in Sachsen einführten.
Sieben Jahre später sind die Oberschulen zwar dem Namen nach befördert - aber immer noch die Orte, wo sich sich die Probleme des Schulwesens sammeln. Letztlich funktionierte die Aufwertung der Oberschule nur mit dem Versprechen, den Schülern den indirekten Weg zum Studium zu erleichtern. Auch die Praxiselite will lieber studieren.
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