Neulich schaute ich bei der Bundeszentrale für politische Bildung rein. Ich war auf der Suche nach Stoff für die Heimschule. Die oberste Demokratiebildungs-Behörde lädt jetzt täglich zur Politikstunde. Eine feine Sache für Menschen wie mich, die wegen der Covid-19-Pandemie unfreiwillig zu Aushilfslehrern geworden sind.

Meine drei Viertklässlerinnen stellen manchmal Fragen, auf die einen kein Lehrplan vorbereitet hat. Gestern in Sachkunde waren Drogen dran. Die Bildergeschichte im Buch verstanden sie nicht, ich musste helfen. Jetzt keinen Fehler machen, dachte ich. Meine Lehrer in den 90er Jahren gingen dem Thema Drogenaufklärung aus dem Weg. Sie drückten uns Bücher in die Hand, die waren dick, eng bedruckt und kamen aus der Bundeszentrale für politische Bildung. Seitdem verbinde ich diese Behörde mit Büchern, die ich nicht lesen, aber im Regal haben will. Einen ähnlichen Effekt erwartete ich von der Politikstunde per Livestream. Ich wurde nicht enttäuscht.

Politische Bildung an den Schulen ist schick geworden, seit sich bei Wahlen und Umfragen herausstellte, wie wenig über darüber gewusst wird. Sachsen hatte seinen Schockmoment 2016, als der erste Sachsen-Monitor erschien. Die groß angelegte Umfrage zur politischen Einstellung brachte seltsame Erkenntnisse: Junge Sachsen finden zwar Demokratie gut, können aber mit Politik und Parteien nichts anfangen. Wie geht das zusammen? Schnell waren sich die Parteien einig: Politik muss an die Schulen.

Politik im Unterricht: Loyalität zur Demokratie lernen

Schüler in Brandenburg haben das Fach „Politische Bildung“ von Klasse 7 bis Klasse 10. Aber der praktische Unterricht findet nicht in der Klasse statt, sondern etwa im Klassenrat, wo erstes Engagement geübt wird. Kinder lernen dort, ohne Hauen und Schimpfen Dinge miteinander zu klären. Die „Loyalität der Demokratie gegenüber“, wie es im Rahmenlehrplan heißt, erschließt sich locker nebenher.

Gute Politikstunden sollen Kinder befähigen, in der Gesellschaft klarzukommen, das haben die Kultusminister der Länder so festgelegt. In der Livestream-Politikstunde werden Experten aus dem Homeoffice hereingeschaltet, die irgendwas über Politik erzählen. Neulich saßen dort drei junge Poetry Slammer, die das Dichten aufgegeben haben. „Du kannst der krasseste Slammer der Welt sein“, meinte der eine, „trotzdem kennt Dich kein Schwanz.“ Ich lernte: Von den dicken Büchern bis hierher hat die Bundeszentrale einen weiten Weg zurück gelegt. Man holt die Zielgruppe jetzt ab, wo sie sitzt. Meine drei Schülerinnen wollten nicht abgeholt werden. Sie hatten nach den Drogen Pause und malten Einhörner aus.

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