Sabrina Bahr verbringt jetzt die meiste Zeit des Tages am Bildschirm. Selbst in den Ferien. Eben hat ein Schüler gemailt, der muss noch Antwort bekommen. Der Kontakt mit den Schülern ist viel intensiver geworden, sagt die Lehrerin. „Die erledigen ihre Aufgaben und bekommen sofort ein Feedback. Das ist praktisch eine Eins-zu-Eins-Betreuung.“ In Friedenszeiten ist die Betreuung, die Sabrina Bahr im Klassenraum bieten kann, manchmal Eins-zu-30.

Die 48-Jährige unterrichtet Englisch am Elsterschloss-Gymnasium in Elsterwerda. Ihr Homeoffice hat sie auf die Schnelle selbst eingerichtet, als die Schulen wegen der Covid-19-Pandemie schließen mussten. Die digitale Infrastruktur haben sie und ihre Kollegen selbst gelegt. Bahr arbeitet mit dem Lernmanagement-System Trello und die digitale Pinnwand Padlet. Eine Schulcloud gibt es am Elsterschloss nicht. Hoffentlich kommt sie bald, hofft Bahr.

Das hoffen viele Schulen in Brandenburg, die von jetzt auf gleich ins Digitale einsteigen mussten. Deshalb hat das Bildungsministerium die noch im Test befindliche landesweite Schulcloud geöffnet. Bislang konnten nur 54 Pilotschulen das virtuelle Klassenzimmer testen. Ab sofort sind 170 Schulen dabei, gab das Ministerium bekannt. Nach den Osterferien sollen weitere 115 Schulen folgen. Doch bei 900 Schulen im Land ist das noch immer eine Minderheit, der die faszinierende Welt des Online-Lernens offen steht.

Online-Unterricht: Man kann sehen, wie jemand lernt

Am Potsdamer Hasso-Plattner-Institut (HPI) arbeite man „auf Hochtouren daran, möglichst viele Schulen in Brandenburg jetzt schnell an die Schul-Cloud anzubinden, damit der Unterrichtsausfall dort bestmöglich digital abgefedert werden kann“, sagt Direktor Christoph Meinel. Das Institut arbeitet parallel an der Cloud für Brandenburg und an der Bundes-Cloud, die alle deutschen Schulen bald verbinden soll. Damit es schneller geht, hat das Bundesforschungsministerium den Potsdamer Entwicklern 15 Millionen Euro extra versprochen. Zum Ärger von privaten Anbietern, deren Clouds bereits an vielen Schulen im Einsatz sind.

Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) ist erstmal erleichtert. Mit der geöffneten Cloud könne man den Schulen „ab sofort eine datenschutzkonforme digitale Lösung zur Unterstützung bei der Absicherung des Unterrichts anbieten“, sagt sie. Langfristig verspricht sich die Ministerin einen „deutlichen Schub für die digitale Bildung im Land Brandenburg“.

Lehrerin Bahr arbeitet mit den Alternativ-Plattformen ganz gut. Ihre Schüler sind engagiert dabei, sagt sie: „Die geben sogar eigene Impulse für den Unterricht.“

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