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| 18:03 Uhr

Hochzeitsmesse mit gut 1000 Besucherinnen in der Alten Chemiefabrik in Cottbus

FOTO: Tino Schulz
Cottbus. Die Braut-Branche boomt. Wer heute noch oder endlich oder wieder heiratet – der will alles. Das perfekte Kleid, die perfekte Feier, das perfekte Bild. Und den perfekten Partner, klar. Bis auf Letzteren gab es alles: am Sonntag auf der Hochzeitsmesse in der Alten Chemiefabrik. Sylvia Belka-Lorenz

Mein Gott, wie hübsch das alles ist. Eben noch Parkplatzsuche und Matsch und eine stattliche Schlange am Einlass- ist drinnen nichts als Wohlgefühl mit Zuckerguss.

Die Hochzeitsmesse findet parallel zur Handwerkermesse statt - bewusst, sagt Veranstalter Jens Taschenberger: Für die Kerle was zu schrauben, für die Frauen was zum gucken.

Der Tüll-Tränen-Glitzer-Overkill. Ob Mann-Frau, Frau-Frau, Mann-Mann, Alt-Jung, Dick-Doof, das macht keinen Unterschied. Nicht für den Profi. Entsprechend gibt es hier kaum etwas, was es nicht gibt. Kleider, Kutschen, Tempotücher. Fotos, Frisuren, Blumen, Ringe. Torten, Cake Pops, Cannapés. Die Aussteller kommen aus ganz Südbrandenburg, aus Dresden, Berlin, Slubice.

Der Herrenausstatter kämpft noch mit einer Puppe, die im Eifer des Gefechts einen Arm eingebüßt hat. Wäre der Pupperich jetzt ernsthaft ein Kunde aus Fleisch und Blut: gar kein Problem. Er habe schon die schwierigsten Fälle hochzeitsfein gemacht, sagt André Schreck. Anzug gehe irgendwie immer, sofern er denn passt. Und zwar am besten in dunkelblau: Das sei jetzt nicht der Gipfel modischer Kühnheit- dafür aber auch nie wirklich falsch. Wenn das nichts ist. Für die Braut hingegen finden sich Träumchen aus Tüll und Trallala. Das schönste hier trägt den lyrischen Namen E-3412T- ein polnisches Modell von Jagoda Wysocka, die stolz darauf ist, dass sie bis Konfektionsgröße 52 ausnahmslos jede Dame auf Anhieb schön bekommt. Für noch mehr Figur wird bestellt.

Einziger erkennbarer Trend: Es wird geplanter geheiratet. Detailversessen geradezu. Gab es früher eine hochprozentige Feier im Saal hinter ner Kneipe, so ist die Hochzeit heute ein Event, als stünde Wedding Planner Froonck jedesmal persönlich Pate: Prunk, Pracht, Pomp, Party.

Eine Dresdnerin bemalt Brautschuhe. Ein Cottbuser bietet Boudoir Fotografie feil. Sie brauchen Ideen für den Juggesellenabschied? Hier sind sie, dazu der richtige Single Malt oder eine dralle Bauchtänzerin (aber wiederum keine Stripper, wenn ich da nichts übersehen habe). Location gesucht? Nichts leichter als das: Spreewald Hochzeit am Fließ oder schwimmendes Haus- hier sind ihre Ansprechpartner und machen möglich, was immer Sie bezahlen können. Die Branche schafft es sogar, Bedarf zu generieren, wo es nie einen gab. Favorit der Autorin: Wedding Cans. Cans- zu deutsch Blechbüchsen. Die Dinger, die dem Auto der Brautleute hinterherscheppern. Der Laie ernährte sich bis dato ein paar Wochen vorher einfach ausgewogen von Thunfisch und Ravioli, um die Dosen dann eigenhändig zusammen zu fummeln. Der Fortgeschrittene setzt auf designtes Blech. Ist doch nur ein Mal im Leben. Hoffentlich.

Denn die Braut-Branche ist ein Geschäft mit der Hoffnung. Was hier fehlt sind eigentlich nur Steuerberater und Scheidungsanwälte, raunt mit ein Trauringprofi zu. Der Mann kennt das Leben und verrät mir einen Insider: Wer bei ihm Eheringe bestellt, zahlt grundsätzlich die Hälfte an. Nicht selten gehe noch alles schief zwischen aussuchen und abholen; hat er alles schon erlebt.

Kitschig, überflüssig, aber schön. Gut 1000 BesucherInnen sind zur Messe gekommen, die meisten von ihnen "Zielpublikum", und über 70 Anbieter, die sich um alles kümmern. Nur wollen und Ja sagen- das müssen sie immer noch selber. Analog- und am besten hübsch paarweise.