ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:41 Uhr

Hochzeit auf Wendisch
Hochzeit in Amerika in „Sorbisch modern“ von Sarah Gwiszcz

 Emily und Willi Barthold vor dem gepackten Koffer. In dieser Woche sind sie von Berlin aus wieder nach Washington D.C. geflogen.
Emily und Willi Barthold vor dem gepackten Koffer. In dieser Woche sind sie von Berlin aus wieder nach Washington D.C. geflogen. FOTO: Marion Hirche
Cottbus. Cottbuser Willi Barthold gibt im Mai seiner Emily vor Eltern und Freunden das Ja-Wort. Von Marion Hirche

Die Geschichte ihres Kennenlernens ist schnell erzählt: 2015 traf Willi seine Emily. Willi Bart­hold ist Cottbuser, besuchte das Niedersorbische Gymnasium. Danach entschied er sich für ein Germanistikstudium in Dresden. 2015 startete der junge Lausitzer zu einem Studentenaustauschjahr in die USA, das er an der Georgetown Universität in Washington D.C. absolvierte. Dort lernte er Emily kennen und lieben. „Die Gruppe im German Department ist recht klein, sodass hier recht schnell jeder jeden kennt. So habe ich Emily entdeckt und es hat gleich gefunkt“, sagt  der Cottbuser.

Die Amerikanerin ist in Richmond (Virginia) zu Hause. Sie hat Germanistik studiert, steht jetzt kurz vor dem Doktortitel. „Ich habe eine Arbeit über historische Romane im deutschen Kaiserreich geschrieben und eingereicht. Wenn alles klappt, bekomme ich im Mai meinen Doktorhut“, berichtet die 29-Jährige.

Willi ist nach dem Austauschjahr der Liebe wegen in Amerika geblieben, durch Deutschunterricht verdienen sich beide ihr Studentenleben. „Wir haben uns via Skype verständigt und irgendwann entdeckt, dass sich unser Sohn in einer anderen Umgebung befindet. Da war er bei Emily eingezogen“, erzählen seine Eltern Annett und Wolfgang Barthold.

Seitdem verbringen die beiden Studenten ihre Ferien in Deutschland und leben und arbeiten an der Uni in Washington. 2017 haben sie bei ihrem Sommeraufenthalt den Spreewald erkundet. „Solche Spezialbegriffe wie Quark mit Leinöl sind zu meinem Wortschatz dazugekommen“, erinnert sich die junge Frau. Außerdem haben beide einen Wendisch-Kurs besucht. „Das war für mich gar nicht so kompliziert, denn ich habe schon Russisch gelernt und da gibt es ja Ähnlichkeiten“, berichtet sie.

Dabei lernten sie auch Sarah Gwiszcz, die Modedesignerin aus Lübbenau, kennen. Emily fand die  „Sorbisch modern“-Modelle gleich klasse und entschied sich für ein Brautkleid in diesem Stil. Sie zeichnete ihre Ideen auf, im Sommer wurden sie dann im Atelier besprochen. Kleid und Haube sind inzwischen fertig und in dieser Woche im Koffer der beiden jungen Leute von Cottbus mit nach Washington D.C. gereist. Willi trägt zu seinem klassischen Anzug einen Zylinder. Im Gepäck sind auch Überraschungsbekleidungsstücke für die Trauzeugen.

Verheiratet sind die Bartholds bereits seit letztem Sommer. „Damit ich die dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung beantragen kann“, begründet Willi. Jetzt wollen sie ihre Hochzeit mit der Verwandtschaft und mit Freunden nachholen. Am 26. Mai wird die Trauung sein, ein Hochschulprofessor, der Deutsch und Englisch spricht, übernimmt die feierliche Zeremonie, die in einem historischen Park im Kolonialstil in Richmond stattfindet. Gefeiert wird mindestens drei Tage lang. „Wir hoffen, dass wir dabei auch ein wenig Aufmerksamkeit für die Wenden in der Lausitz erreichen“, sind sich die jungen Leute einig.

Noch wissen Emily und Willi nicht, wo sie mal leben werden. „Wir wollen beide am liebsten in den Hochschuldienst“, verrät die 29-Jährige. Wenn Willis Doktorarbeit im nächsten Jahr fertig ist, soll die Entscheidung fallen.

Seine Mutter Annett Barthold freut sich, dass ihr Sohn so glücklich ist: „Die beiden haben am 27. Februar Geburtstag. Da muss es doch zusammen klappen. Sie passen so gut zusammen.“ Willis Verwandtschaft ist ob der Hochzeit schon genauso aufgeregt wie das junge Paar. Die Großeltern werden dafür zum ersten Mal ins Flugzeug steigen.