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Hochbetrieb im Cottbuser Ostsee

90 Riesenkipper sausen im Kreisverkehr durch den Tagebau. Sie transportieren den Abraum von der Innenkippe zur Bärenbrücker Bucht. Dort verfüllen sie die alte Ausfahrt der Grubenbahn.
90 Riesenkipper sausen im Kreisverkehr durch den Tagebau. Sie transportieren den Abraum von der Innenkippe zur Bärenbrücker Bucht. Dort verfüllen sie die alte Ausfahrt der Grubenbahn. FOTO: Angelika Brinkop
Cottbus. Leag macht als neuer Besitzer des Lausitzer Reviers nahtlos dort weiter, wo Vattenfall aufgehört hat. Das Energieunternehmen bekennt sich zum Cottbuser Ostsee. Der Fahrplan geht unverändert weiter. Im ehemaligen Tagebau herrscht längst Hochbetrieb. Peggy Kompalla

Im Sekundentakt rollen die Dumper über die Kuppe. Die Ladeflächen fassen 20 Kubikmeter. 90 Riesenkipper sind im Dauereinsatz. Sie werden bis Mitte 2018 insgesamt 17 Millionen Kubikmeter Abraum bewegen und damit die alte Ausfahrt der Grubenbahn verfüllen. Das Erdreich stammt von der Innenkippe. Gleichzeitig sind fünf Rütteldruckverdichter damit beschäftigt, die Ostufer des Sees und der Inseln zu sichern. Die Böschungen zwischen Lakoma und der Bärenbrücker Bucht sollen bis Ende 2017 abgeflacht sein.

Es herrscht also Hochbetrieb im früheren Tagebau. Unverändert. Das versichert Gert Klocek. Als Leiter der Bergbauplanung beim Energieunternehmen Leag ist er der Oberverantwortliche für den Cottbuser Ostsee und betont die Kontinuität. Zwar gebe es einen neuen Namen, aber "vor Ort sind dieselben Leute mit denselben Erfahrungen und derselben Professionalität". Genauso stehe es mit der Finanzierung des Projektes. Insgesamt 250 Millionen Euro veranschlagt das Unternehmen für den Ostsee. "Erstmals stellen wir als Bergbaubetreiber die Bergbaufolgelandschaft her", sagt er. Für diese Aufgabe habe die Leag finanzielle Vorkehrungen getroffen und aktuell 1,5 Milliarden Euro Rückstellungen für alle fünf Tagebaue im Lausitzer Revier gebildet.

Video: Hochbetrieb auf dem Grund des künftigen Ostsees

Derweil fordern Umweltverbände eine langfristige Haftung des Tagebaubetreibers Leag für alle Folgeschäden. Sie begegnen dem Ostsee-Projekt mit Skepsis und sehen die Region über Jahrzehnte Risiken durch die Flutung für Anwohner und die Qualität des Trinkwassers ausgesetzt. Deshalb beharren die Bündnisgrünen auf verbindlichen Grenzwerten für Sulfat und Eisenocker für den Cottbuser Ostsee.

Diese Themen werden in der kommenden Woche am 1. und 2. November bei der Anhörung im Wasserrechtlichen Planfeststellungsverfahren eine wichtige Rolle spielen. In der Messehalle können die Ostsee-Anrainer gegenüber Landesbergamt, Landesumweltamt und Leag ihre Stellungnahmen und Einwände erläutern.

Leag-Chefgeologe Ingolf Arnold kennt die Ängste. Der See werde zu 88 Prozent aus Spreewasser gespeist. Das saure Wasser werde dadurch in der Kippe eingeschlossen. Seine Botschaft ist: "Der See wird neutral sein, mit einer großen Sichttiefe und extrem wenig Eisen." Nach der Flutung werde der See deutlich weniger Sulfat in die Spree abgeben als bislang. Der Spreewald werde nicht austrocknen in der Zeit der Flutung. Die werde dann auch entsprechend der Witterung andauern. Leag veranschlagt dafür vier bis sechs Jahre. Der Wasserhahn soll Ende 2018 aufgedreht werden.