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Hitlergruß, Gepöbel, Schläge: Zwei Angeklagte vor Gericht

Prozess wegen Bestechlichkeit in sechs Fällen gegen Zahlung von 5800 Euro eingestellt.
Prozess wegen Bestechlichkeit in sechs Fällen gegen Zahlung von 5800 Euro eingestellt. FOTO: Michael Helbig/mih1
Cottbus. Hätte der Student Till F. (26) gewusst, wie anstrengend seine Aussage vor Gericht werden würde – wer weiß, ob er sich jemals zu einer Anzeige entschlossen hätte: Über Stunden hinweg musste er sich gestern in einem Verfahren vor dem Cottbuser Amtsgericht den Fragen des als "Szeneanwalt" bekannten Verteidigers Olaf Klemke stellen.

Immer wieder fragte Klemke minutiös nach Details eines Morgens, der bereits zwei Jahre zurückliegt - und der für Till F. und seine Begleiterin mit schmerzhaften, traumatischen Erinnerungen besetzt ist. Till F. beschreibt jenen Morgen so: Er sei am 19. April 2015 nach einer langen Nacht im Glad-House morgens um 6.40 Uhr mit dem Rad in Richtung des Dönerladens auf der Sprem gefahren. Etwa in Höhe des Brandenburger Platzes habe ein Mann auf der Straße den Hitlergruß gezeigt. Till F. forderte ihn auf, das zu unterlassen, woraufhin der mutmaßliche Täter Mario K. (27) aus Freital ihn als "antideutsch" beschimpfte und ihn mehrfach schlug und gegen das Knie trat. Auch Christoph L. (23) aus Strausberg kam dazu, trat den Studenten ins Knie. Als dieser die Polizei rufen wollte, entrissen ihm die Schläger das Handy. Erst, als die junge Begleiterin von Till F. die Männer mit einem Fahrradschloss bedrohte, ließen sie von ihrem Opfer ab und verschwanden in Richtung Burgstraße. Ein Zeuge rief schließlich die Polizei.

Zu Beginn der Hauptverhandlung nahm Olaf Klemke, der Anwalt von Mario K., das Opfer in ein hartes Verhör, das damit begann, dass Klemke angeblich keinen "Hitlergruß" kennen würde. "Ich kenne nur den deutschen Gruß", so Klemke. Stundenlang befragte er den zunehmend erschöpfter wirkenden Till F. Wegen Terminschwierigkeiten wird das Verfahren vermutlich gegen Ende dieses Jahres wieder angesetzt.